Der Mythos von Khasaria – Teil 1

von David Duke/Osimandia (Übersetzung, Vorwort und Ergänzungen)

khasarEs ist mir bekannt, dass die korrekte deutsche Schreibweise Chasarien und nicht Khasaria ist. Ich habe mich dennoch dafür entschieden, hier durchgehend die (falsche) anglifizierte Schreibweise zu verwenden, weil sie sich einfach eingebürgert hat und somit diese Abhandlung auch leichter über Suchmaschinen gefunden werden kann, da wohl kaum jemand mit der deutschen Schreibweise danach suchen wird.  Darüberhinaus hat es auch meinem Sprachgefühl massiv widerstrebt, die Schreibweise mit C zu verwenden. Dass sich die englische Schreibweise im deutschen Sprachraum eingebürgert hat, legt den Schluss nahe, dass so ziemlich alles, was über Khasaria und Khasaren geschrieben wurde, aus dem englischen Sprachraum zu uns eingewandert ist, obwohl es auch in Deutschland bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts eine große Zahl von Schriften  über Juden und ihre Herkunft gab, in denen die so genannte Khasarentheorie aber tatsächlich so gut wie keine Rolle spielt. Offenbar sind nicht einmal die Nationalsozialisten, denen man nun wirklich keinen übertriebenen Philosemitismus unterstellen kann, auf die Idee gekommen, diese Theorie zu verbreiten.

Tatsächlich wurde diese Theorie von Juden in die Welt gesetzt und lange Zeit auch ausschließlich von ihnen verbreitet, bis sie, nachdem der Jude Arthur Koestler 1976 den Bestseller Der dreizehnte Stamm veröffentlicht hatte, auch von Arabern und linken europäischen Antizionisten zur Kenntnis genommen und  aufgenommen wurde, von wo aus sie langsam auch in rechte Kreise einwanderte.

Antizionistische Kreise versprechen sich offenbar davon eine Auflösung des Staates Israel – eine Vorstellung, die bestenfalls als kindisch bezeichnet werden kann. Ein bestehender Staat hört nicht dadurch auf zu existieren, dass man seinen Gründungsmythos anzweifelt, und noch nicht einmal dadurch, dass man seinen Gründungsmythos sachlich korrekt widerlegt. Die Gründungsmythen der meisten Staaten dürften historisch nicht ganz korrekt und eben genau das sein, was der Name nahelegt: Mythen und Legenden.  Wenn die Palästinenser das Land zwischen Jordan und Mittelmeer haben wollen, werden sie es sich mit Waffengewalt holen müssen. Die Vorstellung, dass die  Israelis, die zu allem Überfluss noch nicht einmal mehrheitlich Aschkenasen sind (und damit noch nicht einmal dieser Theorie nach Khasaren), wegen der Khasarentheorie freiwillig und ohne Gegenwehr das Feld räumen würden, ist geradezu idiotisch.

So sah Arthur Koestler selbst auch kein Problem darin,  zu verbreiten, dass aschkenasische Juden nicht aus dem Gebiet des heutigen Israel stammen, und gleichzeitig ein glühender Zionist zu sein. Er sagte:

„Ob die Chromosomen seines Volkes nun die Gene der Khasaren oder solche semitischer, romanischer oder spanischer Herkunft enthalten, ist irrelevant und kann nicht das Existenzrecht Israels berühren – und auch nicht die moralische Verpflichtung jedes zivilisierten Menschen, ob Nichtjude oder Jude, dieses Recht zu verteidigen.“

Wer von unseren Lesern sich bislang noch nicht vollkommen klar über den Umfang seiner moralischen Verpflichtungen war – jetzt dürften letzte Zweifel ausgeräumt  sein: “Auf zu den Waffen für Israel” –  widrigenfalls man nicht zu den Zivilisierten unter den Menschen gehört. Jüdischer Größenwahn ist ein nie versiegender Quell der Verblüffung.  Unweigerlich kommt die Frage auf: Merken sie nicht, wie das auf andere wirkt, oder ist es ihnen egal?

Ein weiterer Grund, aus dem die Khasarentheorie sich vor allem in den USA durchsetzen konnte, liegt sicherlich auch im Christentum begründet. Christen, die herausfinden, dass heute lebende Juden nicht unbedingt dem Bild entsprechen, das man sich als braver Christenmensch von Gottes auserwähltem Volk Israel so macht, sondern teilweise eher einer mafiösen Vereinigung zu gleichen scheinen, durch äußerst rücksichtsloses Vorgehen auffallen und auch der Lüge und dem Betrug gegenüber gar nicht abhold sind, dürften sich mit   kognitiver Dissonanz konfrontiert sehen, die allerdings bei Bibellektüre ohne rosarote Brille überhaupt nicht hätte aufkommen müssen.  Dabei wäre ganz im Gegenteil eine frappierende Übereinstimmung zwischen dem Verhalten der biblischen und heute lebenden Juden aufgefallen, wobei man letzteren sogar zugestehen muss, dass sie die Gebote ihres Stammesgottes Jahwe auch heute noch zu halten trachten, insbesondere bei den Aktivitäten, die Nichtjuden unangenehm sind. Lloyd Blankfein hat weder einen Witz gemacht  noch gelogen, als er sagte, Bänker und insbesondere die von Goldman-Sachs verrichteten das Werk (seines) G*ttes. Vermutlich um zu vermeiden, dass dieser etwas unüberlegte Ausspruch unbotmäßige Überlegungen hervorruft, sprang die New York Times in die Bresche und veröffentlichte eine Fotomontage Lloyd Blankfeins mit gefalteten Händen und in katholischer Priesterkleidung.

Darüberhinaus ist in den USA auch eine Religionsgemeinschaft verbreitet, die sich Christian Identity (CI) nennt und auf den British Israelism zurückgeht. Die Angehörigen dieser Religionsgemeinschaft bilden sich ein, Weiße im allgemeinen und Briten im besonderen seien die Nachfahren des biblischen Volkes Israel.  Sie untermauern das unter anderem auch mit etwas eigenwilligen  linguistischen Konstrukten wie z.B. dem, das “Saxon” aus “Anglo-Saxon” leite sich von “Isaac’s son” ab, und das “Anglo” von “Engel” Ganz unabhängig davon, dass die Beweisführung für ihre These auf sehr schwachen Füßen ruht, ist auch nicht unbedingt nachvollziehbar, warum irgendjemand von dem Wunsch beseelt sein sollte, unter seinen Vorfahren ganz dringend verhinderte Ritualmörder wie Abraham, Huren wie Sara, Inzestuöse wie Lots Töchter, Erbschleicher wie Jakob und Trickbetrüger wie Josef haben zu wollen, um nur einige wenige aufzuzählen.  Wahrscheinlich liegt es an dem  Titel “auserwähltes Volk G*ttes”, dessen Reiz auch diverse Grüppchen amerikanischer Schwarzer  nicht widerstehen können. Wie auch immer: Diese Religionsgemeinschaft steht damit natürlich vor dem Problem, eine Erklärung für die Herkunft der Personen zu finden, die heute ganz allgemein als  Juden bezeichnet und wahrgenommen werden, und da nahte wohl mit der Khasaraentheorie willkommene Abhilfe.

Doch es hilft alles nichts. Wie es aussieht und im Nachfolgenden auch stichhaltig bewiesen wird, sind tatsächlich die Juden die Juden, und die Khasarentheorie gehört wie so manch andere abenteuerliche Geschichte bezüglich jüdischer Vergangenheit  in das Reich der Mythen und Legenden.  Juden sind zweifelsohne grandiose und fesselnde Märchenerzähler, der Erfolg Hollywoods liegt nicht ausschließlich am Geld, auch Arthur Koestlers “Der dreizehnte Stamm” ist unterhaltsam zu lesen.

“Mythos Khasaria” bedeutet nicht, dass  bestritten werden soll, dass Khasaria existierte und dass dieses zeitweise sehr große Reich, das sich über das heutige Südrussland und Teile der Ukraine, Georgiens und Armeniens erstreckte, am Ende seiner Existenz und vor seinem endgültigen Verschwinden aus der Geschichte von Juden beherrscht war. Es soll und kann auch nicht bestritten werden, dass einzelne Juden den einen oder anderen khasarischen Vorfahren haben, wie auch einzelne Juden den einen oder anderen Vorfahren aus allen nichtjüdischen Völkern der Welt haben.

Es soll lediglich die so genannte Khasarentheorie widerlegen, der zufolge aschkenasische Juden allesamt Khasaren seien und mit semitischen bzw. biblischen Juden keinerlei Verwandschaft hätten. Manchmal wird auch behauptet, das träfe auf 90 bis 95 Prozent aller heute lebenden Juden zu, wobei diese Zahlen frei erfunden und offensichtlich falsch sind, da ein weit geringerer Anteil der Juden überhaupt Aschkenasen sind. Weiter wird oftmals behauptet, lediglich diese Khasaren würden diejenigen Verhaltensweisen aufweisen, an denen sich Nichtjuden häufig stören, während die kleine Minderheit von semitischen Juden dem freundlichen Völkchen Israel gleichen würde, wie man es von bunten Bildchen aus der Kinderbibel, dem Religionsunterricht in der Grundschule  und bewegenden Hollywoodproduktionen kennt.

Auch über die Konversion der Khasaren zum Judentum kursieren erbauliche  Geschichten wie z.B. die, der khasarische König Bulan habe einen Imam, einen Priester und einen Rabbi kommen lassen, und jeden einzelnen von ihnen befragt, welche der beiden anderen Religionen denn ihrer Ansicht nach der Wahrheit am nächsten käme. Nachdem sowohl der Imam als auch der Priester mit “Das Judentum” geantwortet hatten, war die demokratische Mehrheit uneinholbar hergestellt, worauf der König samt seinem ganzen Volk schnurstracks  zum Judentum konvertierte. Was der Rabbi geantwortet hat, ist nicht überliefert, ich tippe allerdings auf den Islam.

kkk

Ich habe die Khasarentheorie noch nie geglaubt. Sie erinnerte mich frappierend an die Analogie von der Frau, die nach Hause kommt und ihren Mann mit einer anderen Frau im Bett vorfindet, worauf er sie hypnotisierend  fragt:

“Wem wirst du Glauben schenken? Mir oder deinen lügenden Augen?”

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Eine solche Aufforderung ärgert mich maßlos ganz unabhängig von der Thematik, um die es geht. Meine “lügenden Augen” sagen mir nämlich, dass Juden und Araber sich häufig auffallend ähneln, insbesondere Arafat glich frappierend einer Stürmer-Karikatur, aber auch zum Beispiel die Ibn Sauds weisen Züge auf, die von Europäern als typisch jüdisch empfunden werden. Währendessen zeigen aschkenasische Juden keinerlei Äußerlichkeiten, die etwa an Mongolen mit ihren typischen kleinen Nasen und den nicht wirklich zum Jewfro geeigneten glatten Haaren erinnern würden.

Das führte bei der Khasarentheorie dazu, dass ich ein gewisses Misstrauen gegen Schreiber entwickelte, die sie vertraten – zwar sicher nicht gegen jeden Privatmenschen, aber um ein Beispiel zu nennen, gegen Dr. David Duke. Dieses Misstrauen war erfreulicherweise unbegründet, denn gerade Dr. David Duke hat jetzt seinen Irrtum erkannt (und Irrtümer sind niemals eine Schande oder ein Problem) und in einem sehr gut fundierten Artikel dargelegt, warum er die Khasarentheorie mittlerweile für widerlegt hält. Diesen Artikel stelle ich im nachfolgenden leicht gekürzt als deutsche Übersetzung vor.

Umdenken bezüglich der Khasarentheorie!

von Dr. David Duke, erschienen unter dem Titel Rethinking the Khazar Theory! am 23. April 2014 auf DavidDuke.com. Übersetzt von Osimandia.

Als ich anfing die ultrarassistische, suprematistische Ideologie des Judaismus und Zionismus zu verstehen, kam ich in Kontakt mit der Theorie, dass heute lebende Juden genetisch nicht verwandt mit der historischen jüdischen Gemeinschaft seien.

Diese Annahme, die als Khasarentheorie bekannt ist, besagt, dass die aschkenasischen Juden von heute Nachkommen der Khasaren, eines zentralasiatischen Stammes, seien, der angeblich im 9. Jahrhundert AD zum Judentum konvertierte. Es wird behauptet, dass diese neugeschaffenen Juden dann in Gebiete wanderten, die im heutigen Russland und in Osteuropa liegen, und später auch nach West- und Nordeuropa.

Interessanterweise wurde die Khasarentheorie schon immer und bis zum heutigen Tag von kommunistischen Juden verbreitet. Es entbehrt nicht einer gewissen Ironie, dass die drei bekanntesten Vertreter der Theorie, “Juden sind keine Rasse” alle in fast schon übertrieben karikaturhafter Weise die Züge aufweisen, die Juden zugeschrieben werden.

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Alle drei beharren darauf, dass große Teile der heutigen Juden keinerlei genetische Verbindung zu den nahöstlichen Juden haben, die den Babylonische Talmud verfassten.

Jahrelang akzeptierte ich die Khasarentheorie als wahr. Schließlich wurde sie auch von einigen Schreibern vertreten, welche die führende Rolle von Juden im Kommunismus und vielen anderen subversiven Bewegungen erkannt hatten.

Erst später, als ich anfing, die Frage logisch und wissenschaftlich anzugehen, kamen mir Zweifel an der Khasarentheorie.

Es gibt drei grundlegende Bereiche, die dabei betrachtet werden müssen:

  1. der wissenschaftliche Nachweis
  2. der geschichtlich-logische Nachweis
  3. die Gründe, aus denen die Khasarentheorie aufgekommen ist

 Der wissenschaftliche Nachweis – Zwölf DNS-Studien, welche die “Khasarentheorie” widerlegen

Einschub von Osimandia: Ab hier listet David Duke  zwölf DNS-Studien aus dem Zeitraum zwischen 1999 und 2012 einzeln mit Verweis auf die Quelle und jeweils einer Zusammenfassung der Resultate auf. Ich habe diesen Teil nicht übersetzt, und zwar erstens, weil solche Auflistungen ein bisschen langweilig sind und die Aussagen sich stark wiederholen, zweitens weil ich die deutsche Fachterminologie nicht beherrsche und daher die Übersetzung teilweise etwas dilettantisch hätte sein können, und drittens weil die Studien  nur auf englisch vorliegen. Wer sie sich also genauer ansehen will, muss ohnehin ausreichend Englisch und vermutlich auch Fachenglisch beherrschen, um sie lesen zu können. Sie sind am Ende dieses Artikels als Fußnoten 1 bis 12 aufgelistet.

Zusammenfassend kann man sagen, dass alle angeführten Studien übereinstimmend ergeben, dass jüdische Gemeinden aus verschiedenen Ländern neben geringen Beimischungen der jeweils umgebenden Populationen signifikante genetische Übereinstimmungen untereinander aufweisen, und darüberhinaus auch eine signifikante Verwandtschaft zwischen Juden aus allen Weltgegenden und nichtjüdischen nahöstlichen Populationen besteht.

Sowohl die Behar-Studie(7) als auch die Atzmon-Studie(8) wurden von dem ehemaligen Chefredakteur der Zeitschrift Nature und derzeitigen Wissenschaftskorrespondenten der New York Times, dem Briten Nicholas Wade, in einem Artikel wie folgt kommentiert:

“Jüdische Gemeinschaften in Europa und dem Nahen Osten haben viele Gene gemeinsam, die sie von der jüdischen Ahnenpopulation haben, die vor ca. 3.000 Jahren im Nahen Osten lebte, obwohl jede Gemeinschaft auch Gene aus anderen Quellen in sich trägt  – gewöhnlich die des Landes, in dem sie lebt”

Er  fügte hinzu, dass

“die große Überraschung beider Studien die genetische Nähe der beiden jüdischen Gemeinschaften Europas, der Aschkenasen und Sepharden, war.”

Wade führte weiter aus, dass die zwei Studien

“die Behauptung widerlegen, die von dem Historiker Shlomo Sand in seinem Buch “Die Erfindung des jüdischen Volkes” gemacht wurde, dass Juden keinen gemeinsamen Ursprung hätten, sondern eine Ansammlung von Völkern Europas und Zentralasiens seien, die zu verschiedenen Zeiten zum Judentum konvertierten.

Jüdische Gemeinschaften aus Europa, dem Nahen Osten und dem Kaukasus haben alle ein substantielles genetisches Erbe, das sich in die Levante zurückverfolgen lässt; äthiopische Juden und die zwei judaistischen Gemeinschaften in Indien sind hingegen ihrer Wirtspopulation wesentlich näher.”

Weiter schrieb Wade:

“Die gemeinsamen genetischen Elemente legen nahe, dass Mitglieder jeder beliebigen jüdischen Gemeinschaft ungefähr so nah miteinander verwandt sind wie es Cousins vierten oder fünften Grades in größeren Populationen sind, was ungefähr 10 mal näher ist als die Verwandtschaft zwischen zwei zufällig herausgegriffenen Personen auf den Straßen von New York City.

Aschkenasische und sephardische Juden haben rund 30 Prozent europäisches Erbgut, wobei der Großteil des Restes nahöstliches Erbgut ist, ergaben die beiden Studen. Die zwei Gemeinschaften scheinen einander genetisch sehr nahe zu sein, was nicht zu erwarten war, da sie so lange Zeit voneinander getrennt waren (Studies Show Jews’ Genetic Similarity, Nicholas Wade, New York Times, June 9, 2010).

Trotz all dieser Studien – und vieler anderer, die zu zahlreich sind, um sie hier aufzulisten – versuchte eine einzige Person namens Eran Elhaik von der John Hopkins University School of Medicine, die gesamte oben angeführte Beweislage zu entkräften.

Seine Abhandlung mit dem Titel “The Missing Link of Jewish European Ancestry: Contrasting the Rhineland and the Khazarian Hypotheses” erschien in der Zeitschrift Genome Biological Evolution ((2013) 5 (1):61-74.doi: 10.1093/gbe/evs119).

Kurz gefasst argumentiert Elhaik – dessen ziemlich offensichtlich jüdisches Erscheinungsbild schon an sich den Schluss nahe legen sollte, dass es tatsächlich den gemeinsamen jüdischen “Typus” gibt (denn wie sonst könnten Juden rein vom Äußeren her als Juden “erkannt” werden?) – dass seine Methode vergleichender Studien zuwischen heutigen zentralasiatischen Populationen, aschkenasischen Juden und nichtjüdischen Vergleichsgruppen, “beweist”, dass aschkenische Juden ein Mischmasch genetischer Herkunft seien, mit einer starken Verbindung zu etwas, das er als den Stamm der “Khasaren” bezeichnet.

Obwohl Elkaiks Arbeit die einzige Abhandlung (im Gegensatz zu buchstäblich Dutzenden von anderslautenden DNS-Studien) ist, verfasst von einer einzigen jüdischen Person (im Gegensatz zu den anderen Abhandlungen von Dutzenden und Aberdutzenden von jüdischen und nichtjüdischen Wissenschaftlern aus aller Welt), ist sie schnell zu dem meistzitierten “Beweis” für die “Khasarentheorie” avanciert.

Kritische Fehler in Elhaiks Abhandlung

Elhaiks Abhandlung weist eine Reihe von Fehlern auf, manche davon kleinerer Natur, aber auch einige bedeutende. Sie sind jedoch alle ernstzunehmen, weil selbst die “kleinen” Fehler Zweifel an seinen akademischen Fähigkeiten und seiner Motivation aufkommen lassen.

Zum Beispiel geht er in seiner Abhandlung detailliert auf etwas ein, was er als den geographischen Ursprungsort der Khasaren ansieht – und gleichzeitig ordnet er zwei seiner Testgruppen, die Mbuti- und Biaka-Pygmäen vollkommen falsch geographisch ein. Diese zwei Gruppen, so versichert Elkaik mindestens zwei Mal, seien in “Südafrika beheimatet.”

Tatsächlich sind die Mbuti- und Biaka-Pygmäen nicht einmal in der Nähe von Südafrika zu finden sondern einen halben Kontinent davon entfernt im Kongo. Während das wie ein “kleiner” Irrtum aussehen mag, ist es doch ein Zeichen von Schlampigkeit bei der Recherche und verheißt für den Rest der Abhandlung nichts Gutes.

Diese Schlampigkeit taucht da wieder auf, wo Elhaik behauptet, dass

“ost- und mitteleuropäische Juden ungefähr 90% der über 13 Millionen Juden weltweit ausmachen”.

In Wirklichkeit ist die Zahl wesentlich geringer. Von den geschätzten 13 Millionen Juden weltweit sind rund 8 Millionen Aschkenasen und 5 Millionen Sepharden, was einer prozentualen Verteilung von 61% “europäischer Juden” gegenüber 39% “nichteuropäischer Juden” entspricht. Und es sei auch noch darauf hingewiesen, dass der zionistische Staat Israel eine Sepharden- und Mizraim- (also nichtaschkenasische) Mehrheit unter seiner jüdischen Bevölkerung hat.

Diese Tatsachen über jüdische Ethnizität sind leicht zugänglich und Elhaiks Motivation dafür, diese offensichtlich falsche Behauptung aufzustellen, kann nur mit dem Bestreben erklärt werden, seine Hauptannahme zu untermauern, dass die meisten Juden nicht nahöstlicher Herkunft sind und auch keine Rasse oder ein genetisch verwandtes Volk bilden.

Der bedeutsamste Fehler in Elhaiks Abhandlung wird jedoch sogar offen zugegeben: nämlich, dass  tatsächlich überhaupt keine “khasarische DNS” existiert, anhand derer irgendwelche Untersuchungen vorgenommen werden könnten.

Elhaik selber gibt in seiner Abhandlung zu:

“Die Khasaraen wurden vernichtet und ihre Überreste sind bislang noch nicht aufgespürt worden” 

In anderen Worten: Es gibt keinerlei Daten darüber, was genau “khasarische DNS” gewesen sein könnte. Da es keine Daten darüber gibt, was khasarische DNS überhaupt ist, ist es durch diese Tatsache selbst bedingt physisch unmöglich, festzustellen, wer von den Khasaren  abstammt und wer nicht.

Elhaik versucht, dieses grundlegende Problem damit zu umgehen, indem er etwas auswählt, das er “Ersatzpopulationen” nennt – in diesem Fall

“zeitgenössische Populationen aus dem Nahen Osten und dem Kaukasus.”

Jeder, der auch nur elementare Kenntnisse der historischen Ereignisse in der Kaukasusregion hat, wird sofort erkennen, dass Elhaiks Annahme,  heutige Populationen in dieser Region seien dazu geeignet, diejenigen von vor 1.500 Jahren widerzuspiegeln, hochproblematisch und schlicht und einfach unhaltbar ist.

Der Kaukasus, eine Region an der Grenze zwischen Europa und Asien zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meer, ist während der vergangenen 2.000 Jahre von zahllosen Völkern und Rassen – Indoeuropäern, Semiten, Mongolen und anderen – durchquert worden, und ist heute in hohem Maße genetisch divers. Die Behauptung, dass DNS-Proben aus diesem Gebiet als irgendeine Art von DNS-Messlatte verwendet werden können, ist mindestens zweifelhaft.

Schlussendlich ist Elhaiks Methodologie, DNS-Proben zu vergleichen, um es untertrieben auszudrücken, einzigartig. Wie Marcus Feldman, der Direktor des Morrison Institute for Population and Resource Studies an der Stanford University es ausdrückte:

“Er [Elhaik] scheint die Statistiken auf eine Art und Weise auszuwerten, die ihm Resultate liefert, die sich von den Resultaten unterscheiden, die alle anderen Forscher aus  vergleichbaren  Datensätzen erhalten haben.” (‘Jews a Race’ Genetic Theory Comes Under Fierce Attack by DNA Expert. The Jewish Daily Forward, May 07, 2013)

Interessanterweise kommt die Studie, die in der New York Times als “Jews as a race” zitiert wurde, zu genau den gleichen Schlussfolgerungen, zu denen auch  deutsche nationalsozialistische Anthropologen und andere Fachleute gekommen waren, die in den USA und anderswo Rassenlehre betrieben hatten. Auch viele ausgedehnte Studien von heute sind sowohl von nichtjüdischen als auch jüdischen Genetikern durchgeführt worden, was  irgendwelchen Unterstellungen rassischer Voreingenommenheit vorbeugen sollte.

Elhaiks Theorie wird von den neuen, ausgedehntesten und vollständigsten Studien, die jemals über das jüdische Genom betrieben wurden, vollkommen widerlegt.

Eines von Elhaiks Argumenten war, dass die vorangegangenen Studien (siehe Fußnoten 1-12)

“in der Zeit vor der vollständigen Entschlüsselung des Genoms durchgeführt worden sind, bei denen uniparentale Marker benutzt wurden und die verschiedene Referenzpopulationen umfassten” 

und suggerierte damit, dass ihre Resultate mit den modernsten DNS-Sequenz-Methoden nicht in Einklang stünden.

Tatsächlich hat aber mindestens eine Studie – die nach der Erstveröffentlichung von Elhaiks Abhandlung verfasst wurde – die Korrektheit der ursprünglichen Studien bestätigt und auch Elhaiks Hypothese vollständig widerlegt.

Eine Studie mit dem Titel “No Evidence from Genome-Wide Data of a Khazar Origin for the Ashkenazi Jews” veröffentlicht in der Zeitschrift  Human Biology  im August 2013 (Behar, Doron M. et.al.; Human Biology, Access Pre-Prints. Paper 41) betonte den ernsthaften Irrtum in Elhaiks Arbeit:

“Weil die Bevölkerung Khasarias keine offensichtlich als solche kenntlichen modernen Nachfahren hinterlassen hat, die einen klaren Test bezüglich der khasarischen Herkunft aschkenasicher Juden ermöglichen würden, ist es schwierig, die Khasarentheorie mittels Genetik zu untersuchen.

Weil darüberhinaus nur begrenzte genetische Daten aus der Kaukasusregion verfügbar waren und weil diese Daten aus Populationen stammen, die nahöstlichen Populationen genetisch ähnlich sind, hat es sich als problematisch erwiesen, Anzeichen  aschkenasisch-kaukasischer genetischer Ähnlichkeit mit einem khasarischen Erbe im Vergleich zu einem gemeinsamen nahöstlichen Erbe nachzuweisen.”

Diese jüngste und umfassendste Studie des jüdischen Genoms war ein weltweites Projekt der Analyse jüdischer Genetik von nichtjüdischen und jüdischen Genetikern. Forscher von überall rund um den Erdball einschließlich Estland, Russland, Italien, Griechenland, Bosnien-Herzegowina, Kroatien, Armenien, den USA und Israel sammelten die umfassendste Datenmenge jüdischer DNS, die jemals erhoben wurde. Die Abhandlung äußert sich folgendermaßen:

“Nachdem wir eine Vielzahl von Standardtechniken für die Analyse der genetischen Bevölkerungsstruktur angewandt haben, sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass aschkenasische Juden das größte gemeinsame Erbgut mit anderen jüdischen Populationen haben, und unter den nichtjüdischen Populationen mit Gruppen aus Europa und dem Nahen Osten.

Zwischen aschkenasischen Juden und Populationen aus dem Kaukasus konnte keine spezielle Ähnlichkeit festgestellt werden, insbesondere nicht mit den Populationen aus dem Gebiet der Khasaren. Damit bestätigt die Vergleichsanalyse aschkenasischer Juden mit einer großen Probe aus der Region des ehemaligen khasarsichen Khaganats die früheren Ergebnisse, dass das Erbgut aschkenaischer Juden vorwiegend von Populationen aus dem Nahen Osten und Europa stammt, dass sie beträchtliche Übereinstimmungen mit anderen jüdischen Populationen aufweisen und dass es keinerlei Hinweise auf einen signifikanten genetischen Beitrag aus dem Kaukasus oder dem Gebiet nördlich davon gibt.”

Die neueste und modernste DNS-Analsyse hat somit die “Khasarentheorie” vollumfänglich widerlegt.

Es ist wichtig, zu verstehen, dass diese Widerlegung von nichtjüdischen und jüdischen Wissenschaftlern aus Dutzenden von verschiedenen Universitäten von überall auf der Welt kommt, und somit nicht als “Verschwörung” bezeichnet werden kann.


Anhang:
(1) “Jewish and Middle Eastern non-Jewish populations share a common pool of Y-chromosome biallelic haplotypes” (M.F. Hammer et.al, Proceedings of the US National Academy of Sciences 6769–6774, doi: 10.1073/pnas.100115997) , 1999
(2) “The Y Chromosome Pool of Jews as Part of the Genetic Landscape of the Middle East” (Almut Nebel et. al., American Journal of Human Genetics, Nov 2001;  69(5): 1095–1112), November 2001
(3) “European Population Substructure: Clustering of Northern and Southern Populations” (Michael F Seldin et.al., PLOS Genetics, DOI:  0.1371/journal.pgen.0020143) , September 2006
(4)“Counting the Founders: The Matrilineal Genetic Ancestry of the Jewish Diaspora” (Doron M. Behar et.al., PLoS ONE. 2008; 3(4): e2062. doi:  10.1371/journal.pone.0002062), April 2008
(5)“A genome-wide genetic signature of Jewish ancestry perfectly separates individuals with and without full Jewish ancestry in a large random sample of European Americans” (Anna C Need et.al., Genome Biology, 2009; 10(1): R7. doi:  10.1186/gb-2009-10-1-r7), Januar 2009
(6)“Genomic microsatellites identify shared Jewish ancestry intermediate between Middle Eastern and European populations” (Naama M Kopelman et.al., BMC Genetics. 2009; 10: 80. doi:  10.1186/1471-2156-10-80), Dezember 2009
(7)“The genome-wide structure of the Jewish people” (Doron M. Behar, et. al., Nature 466, 238–242 (08 July 2010) doi:10.1038/nature09103), Dezember 2009
(8) “Abraham’s children in the genome era: major Jewish diaspora populations comprise distinct genetic clusters with shared Middle Eastern ancestry” (Atzmon et al., American Journal of Human Genetics, 2010;86:850-859), Juni 2010
(9)“Signatures of founder effects, admixture, and selection in the Ashkenazi Jewish population” (Proceedings of the US National Academy of Sciences, 16222–16227, doi: 10.1073/pnas.1004381107), März 2012
(10) “North African Jewish and non-Jewish populations form distinctive, orthogonal clusters” (Proceedings of the US National Academy of Sciences,   doi: 10.1073/pnas.1204840109), März 2012
(11)“Legacy: A Genetic History of the Jewish People”  (Oxford University Press, USA; May 2012) von Harry Ostrer (Jews Are a ‘Race,’ Genes Reveal–Author Uncovers DNA Links Between Members of Tribe, The Jewish Daily Forward, May 04, 2012).
(12) The Jewish HapMap Project, Ein Gemeinschaftsprojekt des Albert Einstein College of Medicine und der New York University School of Medicine (Jews: A religious group, people or race?, Jerusalem Post, 8/26/2012)


Der Mythos von Khasaria – Teil 2  umfasst

  1. den geschichtlich-logischen Nachweis (David Duke)
  2. die Gründe, aus denen die Khasarentheorie aufgekommen ist (David Duke)
  3. einen Kommentar aus dem Internetforum Stormfront, in dem u.a. auf die Forschungen eines russischen Historikers zu Khasaria eingegangen wird.

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