Kulturgenozid

 

kulturgenozid

Vorwort 2014:

Diesen Artikel von Barbarossa haben wir auf As der Schwerter bereits letztes Jahr anlässlich des Gedenktags der Bombardierung Dresdens veröffentlicht. Dass wir uns dabei speziell auf die Zerstörung von Kulturschätzen und vor allem Kirchen in Dresden und anderswo konzentriert haben, bedeutet selbstverständlich nicht, dass wir das unermessliche Leid, das durch Tod und schwerste, schmerzhafte Verletzung an Körper und Seele über so viele gebracht wurde, geringer achten als die Vernichtung von Architektur. Wir haben uns nur dieses Themas angenommen, weil der kulturzerstörende Aspekt der Bombardierung auch in patriotischen Kreisen – durchaus verständlicherweise – neben dem Gedenken an die Toten nicht so im Vordergrund steht, aber dennoch eine große Bedeutung hat. Zum Gedenken an unsere Toten und auch weiteren Hintergründen haben wir im Jahr 2011 eine Übersetzung von Kevin Alfred Strom mit dem Titel

Heute vor 66 Jahren: Dresden, ein echter Holocaust

und im Jahr 2012 einen Eigenartikel mit dem Titel

Totengedenken anlässlich der Zerstörung Dresdens

veröffentlicht.

* * *

Dresden Februar 1945

Dresden Februar 1945

Jedes Jahr im Frühjahr, vor allem zum Jahrestag des Bombenholcaustes von Dresden, erinnert man sich eines Teils der Kriegverbrechen der us-amerikanischen und britischen Alliierten, dem Bombenkrieg gegen deutsche Zivilisten und deutsche Städte.

Die Ursprünge des Bombenkrieges der Briten gehen zurück bis ins Jahr 1928, als der britische Luftmarschall Hugh Trenchard den konzeptionellen Vorläufer der späteren Area Bombing Directive (dt.: Flächenbombardierungs-Doktrin), die sogenannte Trenchard-Doktrin, entwickelte.

Aufgrund der Trenchard-Doktrin wurde in Großbritannien bereits seit Anfang der dreißiger Jahre an der Entwicklung und dem Aufbau einer Flotte schwerer Bomber mit großer Reichweite sowie an der Hauptwaffe des Bombenkrieges, dem Elektron-Thermitstab, gearbeitet. Im Oktober des Jahres 1936 erging ein Produktionsauftrag des britischen Verteidigungsministeriums über die Produktion von 4,5 Millionen Brandbomben des Typs Elektron-Thermitstab und bei Kriegsbeginn waren bereits mehr als 5 Millionen Stück verfügbar!

Dresden 2005

Dresden 2005

Die ersten Luftangriffe erfolgten am 05.09.1939 auf Wilhelmshaven und Cuxhaven, und betrafen dort noch strategische und militärische Ziele.

Darauf hin wandte sich Hitler bezüglich des Luftkrieges in seiner Rede vom 06. Oktober 1939 mit einem eindringlichen Friedensappell an die Staaten, die Deutschland den Krieg erklärt hatten. Demnach dürfe eine zukünftige Anwendung derartiger Waffen nur in Übereinstimmung mit der Genfer Konvention erfolgen. Darüber hinaus sagte Hitler wörtlich:

„Die modernen Waffen wie die der Luftwaffe, der U-Bootwaffe oder Gaseinsatz dürfen jedoch unter keinen Umständen gegen die Zivilbevölkerung eingesetzt werden.“

Dementsprechend äußerte später der britische Militärschriftstellers Liddell Hart:

Hitler hat während der Zeit, in der er überlegene Macht in der Luft besaß, bemerkenswert gezögert, sie voll gegen die feindlichen Städte zu entfesseln. Er versuchte wiederholt, während er sich auf dem Gipfel seiner Macht befand, einen Waffenstillstand in der Bombardierung von Städten zu erreichen.

Daran hielten sich die Kriegsteilnehmer bis zum 10. Mai 1940. Nachdem an diesem Tag Churchill Premierminister wurde, begann ab dem 11.05.1940 der Bombenkrieg gegen die deutschen Städte und die deutsche Zivilbevölkerung.

Freund und Berater Churchills in allen Fragen der Luftkriegführung war Frederick Lindemann. Dieser stellte die These auf, daß der Bombenkrieg gegen die deutsche Zivilbevölkerung den Sieg der Alliierten herbeiführen würde.

Anfang 1942 forderte Lindemann, der unterdessen in England „Lord Cherwell“ geworden war, vom britischen Kabinett in einem Memorandum die Verschärfung des Bombenkrieges gegen Deutschland nach folgenden Grundsätzen:

Die Bombenangriffe müssen gegen die Häuser der deutschen Arbeiterklasse gerichtet werden. Wenn sich die Bombenoffensive gegen die Wohnhäuser der deutschen Zivilbevölkerung richtet, dann sollte es möglich sein, in sämtlichen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern die Hälfte aller Häuser zu zerstören.

Am 14. Februar 1942 billigte die britische Regierung unter dem Vorsitz Churchills ausdrücklich dieses Vorhaben. Als erste Maßnahme löste Winston Churchill den bisherigen Oberbefehlshaber der britischen Bombengeschwader ab und betraute damit Marschall Arthur Harris. Dieser erhielt den Geheimbefehl des Luftwaffenstabes:

Es ist beschlossen worden, daß Ihr Hauptangriffsziel von nun an die Moral der feindlichen Zivilbevölkerung, vor allem der Arbeiterschaft sein soll!

Zur Vollständigkeit: Frederick Lindemann, Freund und Berater Churchills, war Jude. Ziel also war es,

…in sämtlichen Städten mit mehr als 50.000 Einwohnern die Hälfte aller Häuser zu zerstören…

Das alte und neue Rathaus Münchens und die Heiliggeistkirche nach einem Angriff des RAF-Bomberkommandos

Das alte und neue Rathaus Münchens und die Heiliggeistkirche nach einem Angriff des RAF-Bomberkommandos

 

Bombardiert wurden in den folgenden Jahren die Städte:

  1. Aachen
  2. Aschaffenburg
  3. Augsburg
  4. Bad Nauheim
  5. Bamberg
  6. Berchtesgaden
  7. Berlin
  8. Bielefeld
  9. Bocholt
  10. Bochum
  11. Böhlen
  12. Bonn
  13. Bottrop
  14. Bramsfeld
  15. Braunschweig
  16. Bremen
  17. Bremerhaven
  18. Castrop-Rauxel
  19. Chemnitz
  20. Cleve
  21. Cottbus
  22. Cuxhaven
  23. Danzig
  24. Darmstadt
  25. Dessau
  26. Diepholz
  27. Dortmund
  28. Dresden
  29. Düren
  30. Düsseldorf
  31. Duisburg
  32. Emden
  33. Emmerich
  34. Erfurt
  35. Essen
  36. Flensburg
  37. Frankfurt/M.
  38. Frankfurt/O.
  39. Freiburg/B.
  40. Friedrichshafen
  41. Fürth
  42. Gaulsheim
  43. Gelsenkirchen
  44. Gera
  45. Gießen
  46. Göttingen
  47. Hagen
  48. Halberstadt
  49. Halle/S.
  50. Hamburg
  51. Hamm
  52. Hanau
  53. Hannover
  54. Harburg
  55. Heidelberg
  56. Heilbronn
  57. Helgoland
  58. Herne
  59. Hildesheim
  60. Homberg
  61. Hüls
  62. Kaiserslautern
  63. Kalk
  64. Kamen
  65. Karlsruhe
  66. Kassel
  67. Kempten
  68. Kiel
  69. Kleve
  70. Koblenz
  71. Köln
  72. Köthen
  73. Krefeld
  74. Leipzig
  75. Leuna
  76. Leverkusen
  77. Ludwigshafen
  78. Lübeck
  79. Lünen
  80. Lützkendorf
  81. Magdeburg
  82. Mainz
  83. Mannheim
  84. Manzell
  85. Marienburg
  86. Memmingen
  87. Merseburg
  88. Mülheim/R.
  89. München
  90. Münster
  91. Mönchen-Gladbach
  92. Moers
  93. Neuss
  94. Nordhausen
  95. Nürnberg
  96. Oberhausen
  97. Oberpfaffenhofen
  98. Offenbach
  99. Oldenburg
  100. Osnabrück
  101. Paderborn
  102. Peenemünde
  103. Pforzheim
  104. Pirmasens
  105. Plauen
  106. Posen
  107. Potsdam
  108. Regensburg
  109. Remscheid
  110. Rostock
  111. Rudolstadt
  112. Saarbrücken
  113. Schweinfurt
  114. Schwerin
  115. Schwerte
  116. Siegen
  117. Soest
  118. Solingen
  119. Sterkrade
  120. Stettin
  121. Stralsund
  122. Stuttgart
  123. Swinemünde
  124. Trier
  125. Ulm
  126. Vegesack
  127. Wangerooge
  128. Wanne-Eickel
  129. Warnemünde
  130. Wesel
  131. Wiesbaden
  132. Wilhelshaven
  133. Wismar
  134. Witten
  135. Würzburg
  136. Wuppertal
  137. Zeitz
  138. Zinnowitz
  139. Zweibrücken
  140. Zwickau
Frauenkirche Dresden im 18. Jahrhundert

Frauenkirche Dresden im 18. Jahrhundert

Im Frühjahr 1944 meldete sich erstmals in London auch eine prominente Stimme der Humanität zu Wort. George Bell, der Bischof von Chichester, löste im britischen Oberhaus am 9. Februar einen Tumult aus, als er erklärte:

Im fünften Jahr des Krieges müßte es doch jedermann klar sein, wie weit die Zerstörung der europäischen Kultur schon fortgeschritten ist. Wir sollten uns überlegen, ob wir auch noch den Rest zerstören wollen. Noch immer kann etwas von den Gütern gerettet werden, wenn die Verantwortlichen erkennen, daß die Fabriken in der Regel außerhalb der alten deutschen Stadtkerne mit ihren historischen Denkmälern liegen.

Doch der britische Kriegspremier Winston Churchill befürwortete die weitere schonungslose Zerstörung deutschen Lebens und deutscher Kultur. (Quelle: Metapedia)

Denn es ging nicht nur um das Töten ziviler Opfer und das Zerstören von Wohnraum, sondern auch um eine in diesem Umfang in der Geschichte der Menschheit noch nie (und nie wieder) da gewesene Zerstörung –besser Vernichtung- von Kulturgütern.

Jedes Stadtzentrum der o.a. zerbombten Städte besaß über die Jahrhunderte geschaffene wertvolle Gebäude, die unwiederbringlich vernichtet wurden. In Dresden z.B. zerstörten die Alliierten in 3 Tagen unwiederbringlich und entschädigungslos unter anderem an mehr oder weniger öffentlichen Gebäuden (und neben vielen Wohngebäuden):

Frauenkirche Dresden im 20. Jahrhundert

Frauenkirche Dresden im 20. Jahrhundert

 

.

  • 30 Banken
  • 647 Geschäftshäuser
  • 36 Versicherungsgebäude
  • 31 Waren- und Kaufhäuser
  • 32 größere Hotels
  • 25 größere Gaststätten
  • 19 Kirchen
  • 6 Kapellen
  • 22 Krankenanstalten
  • 75 Verwaltungsgebäude
  • 72 Schulen
  • 6 Theater
  • 18 Lichtspielhäuser
  • 2 Museen
  • 5 Konsulate, darunter das Spanische und Schweizer Konsulat

All diese Gebäude, die Rathäuser, die Schulen, usw. usf., all diese Gebäude in den zuvor aufgezählten deutschen Städten wurden einfach so zerstört.

Und was natürlich immer im Zentrum der Städte stand, und immer mit vernichtet wurde, waren christliche Kirchen.

Schauen wir nach Nürnberg, schauen wir zur Nürnberger Lorenzkirche. Diese war dem heiligen Laurentius geweiht. Im christlichen Glauben schützt der Heilige Laurentius vor Feuer und brennenden seelischen Qualen.

Der erste und folgenschwerste Bombentreffer auf die Kirche erfolgte am 10. August 1943. Der 10. August ist:

Der Namenstag des heiligen Laurentius! Zufall?

Bei dem Fliegerangriff des 2. Januar 1945, der die Altstadt Nürnbergs vernichtete, wurde St. Lorenz erneut schwer getroffen.

In den letzten Tagen des Krieges, vom 16.- 20. April 1945, beschoss amerikanische Artillerie vom Rechenberg in Erlenstegen aus die beiden Türme von St. Lorenz.

Das ist ein interessantes Kriegsziel! Nicht feindliche Soldaten werden attackiert, sondern Kirchtürme. Was wird wohl der Grund gewesen sein?

Schauen wir nach Lübeck. Es dauerte nur wenige Stunden – dann war vernichtet, was in Jahrhunderten entstanden war. Lübeck, die altehrwürdige Hansestadt im März 1942: Seit fast drei Jahren wütet der Zweite Weltkrieg. Die Stadt blieb bisher von Zerstörungen verschont. Zwar heulen regelmäßig Sirenen und warnen die Menschen vor Luftangriffen, doch daran haben sich viele gewöhnt. Lübeck scheint für die Militärstrategen keine Bedeutung zu haben. Das hoffen die Menschen auch, als am späten Abend des 28. März wieder Fliegeralarm ausgelöst wird, der Nacht zum Palmsonntag. Doch nur wenige Minuten später, gegen 23.20 Uhr schlagen Bomben in der Altstadt ein. Was dann folgt, hat Deutschland noch nicht erlebt. 234 Flugzeuge der britischen Royal Air Force überziehen die Stadt mit einem Bombenhagel. Pausenlos werfen sie ihre vernichtende Fracht ab.

Für die gut 150.000 Bewohner der Stadt beginnen Stunden des Grauens. Der Angriff richtet sich nicht gegen einzelne militärische Anlagen, sondern er soll die Zivilbevölkerung treffen und möglichst großen Schaden anrichten. Bald brennen ganze Straßenzüge auf der Altstadtinsel, dem Zentrum des Bombardements. Auch vor den historischen Bauwerken wie den berühmten Kirchen macht das Feuer nicht halt. Gegen 0.30 Uhr brennt der Dachstuhl von St. Petri aus dem 13. Jahrhundert, später auch die Türme von St. Marien und der Dom. In der Marienkirche stürzen die Glocken des Süderturms herab. Sie treffen Kisten mit mittelalterlichen Fensterscheiben, die während des Krieges vor Beschädigungen geschützt werden sollten. Auch Orgeln und das mittelalterliche Inventar der Kirche werden ein Raub der Flammen.

Erst nach mehr als dreieinhalb Stunden haben die letzten Bomber ihren Auftrag erfüllt: Rund 8.000 Stabbrandbomben, 400 Flüssigkeitsbomben und 300 Sprengbomben sind auf Lübeck niedergegangen. Hunderte Häuser stehen in Flammen, die sich immer weiter ausbreiten. Feuerwehren und Helfer sind machtlos. Die Wasserversorgung ist zusammengebrochen. Am nächsten Morgen, dem Palmsonntag, wird das ganze Ausmaß der Verwüstung sichtbar. Fast 1.500 Häuser sind völlig zerstört, 2.200 schwer beschädigt und weitere gut 9.000 in Mitleidenschaft gezogen – insgesamt gut die Hälfte der 22.000 Gebäude in der Stadt. Mehr als 320 Lübecker sterben in den Trümmern – die genaue Zahl der Toten ist unklar. Fast 800 Menschen werden verletzt, weit über 15.000 sind obdachlos.

Neben dem menschlichen Leid und dem materiellen Schaden entstehen unersetzliche kulturelle Verluste. In den Kirchen verbrennen Kunstschätze, im historischen Rathaus die wertvolle Kriegsstube von 1356, außerdem Dutzende prächtige Bürgerhäuser. Lübeck steht vor den Trümmern seiner Geschichte.

Die Bombardierungen in der Nacht vom 28. auf den 29. März 1942 gehen unter der Bezeichnung Palmarum in die Geschichte ein. Die Bezeichnung geht auf das Datum des Angriffs zurück. Der 29. März 1942 war der Sonntag vor Ostern, der auch Palmsonntag oder Palmarum genannt wird. Zufall?

Schauen wir nach Köln. Der Kölner Dom ist eines der ganz wichtigen Wahrzeichen des Christentums in Europa. Heute wird behauptet der Kölner Dom wäre vorsätzlich verschont geblieben. Nein, es ist Zufall, dass er nicht zusammenkrachte. Im nachfolgenden ein kurzer Ausschnitt aus einer Original-Wochenschau:

Während allerdings in Deutschland Kirchen und christliche Gebäude auf Grund ihrer Lage in den Stadtzentren mit zerstört wurden, wurden während des 2. Weltkrieges auch christliche Zentren direkt und gezielt zerstört.

Schauen wir nach Lisieux. Lisieux liegt im Departement Calvados im nördlichen Frankreich, einer Gegend die bekannt für Apfelwein und Käse ist. Vor allem ist Lisieux aber bekannt für die Heilige Theresia des Jesuskindes, die Karmeliternonne Thérèse Martin (1873 – 1897), die oft auch “die kleine Blume” genannt wird. Es ist nach Lourdes der zweitgrößte Wallfahrtsort Frankreichs, auch die Sängerin Edith Piaf hat angeblich als junges Mädchen durch eine Pilgerfahrt nach Liseux ihr Augenlicht, das sie durch eine Hornhautentzündung verloren hatte, wieder gewonnen.

Lisieux hatte keinerlei kriegswichtige Bedeutung im zweiten Weltkrieg und doch wurde es fast vollständig durch allierte Bomber zerstört, deren Absicht es war, die Stadt zu “befreien”.

Am Abend des 6. Junis 1944 fand die erste Bombenattacke statt. Viele Gebäude wurden getroffen, einschließlich des Bahnhofs in der Nähe des Karmeliterinnenklosters, und einige Zivilisten wurden getötet. In der Nacht vom 7. zum 8. Juni zerstören alliierte Bomber innerhalb 45 Minuten weite Teile von Lisieux. Es gab viele zivile Opfer einschließlich 21 Benediktinermönchen. Feuer brechen aus und viele Gebäude in der Nähe der Basilika sind vollkommen zerstört.

Die Karmeliternonnen verlassen das Kloster und suchen Schutz in der Basilika der Heiligen Theresia auf einem Hügel. Am nächsten Morgen löschen Priester und Novizen das Feuer und bringen das Archiv und die Reliquien der heiligen Theresia in der Basilika auf dem Hügel in Sicherheit, wo die religiöse Gemeinschaft und auch viele Zivilisiten aus der Umgebung Schutz suchen.

Den ganzen Juni und Juli hindurch wird Liseux immer wieder bombardiert. Am 11. Juli sind drei Viertel des Wallfahrtsortes zerstört. Anfang August bekommen die Nonnen ein Angebot, die Stadt zu verlassen und nach Paris umzusiedeln, aber sie fühlen sich verpflichtet, zu bleiben.

Aufgrund einer Bitte des Papstes, die religiösen Gebäude von Lisieux zu verschonen, fragt die “deutsche Kommendatur” bei der Stadtverwaltung nach genauen Details zu diesen Gebäuden. Aus unerfindlichen Gründen bricht die “deutsche Kommandatur” sehr plötzlich auf und kommt nie wieder zurück.

Vom 21. auf den 22. August bitten einige deutsche Soldaten in der überfüllten Basilika um einen ruhigen Schlafplatz , der ihnen für die Nacht gewährt wird.

Am 23. August ist Lisieux endlich “befreit”, aber zu 80 Prozent zerstört. Die Basilika ist weitgehend unbeschädigt geblieben und dies ist ausschließlich dem besonnenen englischen Major George Warren zu verdanken. Seine Aussagen aus dem Archiv der Basilika:

“Die Basilika sollte in Schutt und Asche gelegt werden. Wir hatten Befehl, sie zu zerstören, es wurde uns gesagt, Sie würden dort deutsche Soldaten beherbergen. Wir hatten die Basilika bereits im Visier, als uns versichert wurde, es wären keine deutschen Soldaten drin. So wollten wir nicht unnötig ein solches Baudenkmal zerstören. Wir prüften gründlich nach, ob sich deutsche Soldaten drin verbargen, und der Befehl wurde dann schließlich doch noch zurückgenommen, aber Sie hatten großes Glück”

Wer gab wohl den Befehl, die Basilika zu zerstören?

Schauen wir nach Italien, zum im Jahr 529 errichteten Kloster Monte Cassino:

Das wiederaufgebaute Kloster Monte Cassino. Im sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung hat der Heilige Benedikt auf einem Hügel etwa 100km von Rom entfernt, dort, wo früher der alte Tempel des Apolls gestanden hat, ein Kloster gegründet und es Johannes dem Täufer geweiht. Die Stadt Cassino, die am Fuße dieses Hügels liegt, ist bekannt durch eine der ersten urchristlichen Gemeinden und in vielen Lebensbeschreibungen von Heiligen und Märtyrer ist zu lesen, dass sie hier gelebt haben.

Das wiederaufgebaute Kloster Monte Cassino. Im sechsten Jahrhundert unserer Zeitrechnung hat der Heilige Benedikt auf einem Hügel etwa 100km von Rom entfernt, dort, wo früher der alte Tempel des Apolls gestanden hat, ein Kloster gegründet und es Johannes dem Täufer geweiht. Die Stadt Cassino, die am Fuße dieses Hügels liegt, ist bekannt durch eine der ersten urchristlichen Gemeinden und in vielen Lebensbeschreibungen von Heiligen und Märtyrer ist zu lesen, dass sie hier gelebt haben.

Bis zum Jahresende 1943 haben sich britische, indische und neuseeländische Truppen zeitraubend und unter größten Verlusten bis an die deutsche „Gustav-Linie“ herangekämpft, in die der Monte Cassino einbezogen ist. Die deutschen Verteidigungsstellungen sind einem laufenden massiven Bombardement aus der Luft ausgesetzt. Am 15. Februar 1944 zerstören die amerikanischen und britischen Bomber schließlich auch das auf dem Monte Cassino gelegene, im Jahr 529 errichtete Benediktinerkloster, weil die alliierte Führung hinter seinen Mauern eine deutsche Funk- und Aufklärungsstation vermutet. Dies erweist sich jedoch als Irrtum: Der deutsche Oberbefehlshaber Albert Kesselring hatte mit Rücksicht auf die unschätzbare Bedeutung dieses Kulturdenkmals seine Nutzung zu Verteidigungszwecken strikt untersagt. Das berühmte Kloster wird vollständig zerstört. 250 Tote sind zu beklagen, zumeist Mönche und Flüchtlinge, die in den Gemäuern Schutz vor den Kampfhandlungen gesucht hatten.

Wikipedia schreibt: „In der Endphase des Zweiten Weltkrieges war Montecassino Zufluchtsort für Zivilpersonen. Trotz gegenteiliger Versicherungen seitens der Wehrmacht und des Vatikans befürchteten die Alliierten, dass sich aufgrund der militärisch günstigen Lage deutsche Soldaten im Kloster aufhalten könnten.

Monte Cassino - nachdem die "Befreier" Europas

Monte Cassino – nachdem die “Befreier” Europas damit fertig waren

Die deutsche Seite gab Anweisung, sich keinesfalls der Anlage zu nähern, und tat dies über unverschlüsselte Funksprüche auch kund. Andere Quellen berichteten hingegen, in dem Kloster seien deutsche Soldaten gesehen worden. Die Alliierten führten am 15. Februar 1944 einen massiven, dreistündigen Bombenangriff auf das Kloster durch, wobei 250 verbliebene Flüchtlinge und Mönche den Tod fanden. Mit Ausnahme der Krypta wurde das Kloster an diesem Tag bis auf die Grundmauern zerstört.

Nach der Bombardierung rückte die deutsche Wehrmacht in die Ruinen ein und besetzte sie für die Dauer mehrerer Monate. Es folgte eine der blutigsten Schlachten des Zweiten Weltkriegs, die Schlacht um Monte Cassino.

Der Vatikan erklärte später, vor der Bombardierung hätten sich weder deutsche Soldaten noch Kriegsgerät im Kloster befunden. Der Wehrmachts-Oberstleutnant Julius Schlegel hat, als sich die Front näherte, die Kunstschätze des Klosters Montecassino auf 100 Armeelastwagen verladen lassen und in die Engelsburg nach Rom evakuiert. Der Wiederaufbau des Klosters war nicht zuletzt deshalb möglich, weil Julius Schlegel auch alle Baupläne rettete.„

Und schauen wir nach Nagasaki: Am 9. August 1945 fiel die zweite der zwei einzigen Atombomben, die jemals in einem Krieg eingesetzt wurden, auf Nagasaki. Der bis dahin einzige Atomtest, der nur rund drei Wochen vorher, am 16. Juli in Neu-Mexiko stattgefunden hatte, wurde in gotteslästerlicher Weise mit dem Namen “Trinity” (Dreifaltigkeit) bedacht. Das geschmolzene Gestein, das dort heute noch zu sehen ist, wird “trinitite” genannt.

Marienkathedrale Nagasaki 1945

Marienkathedrale Nagasaki 1945

Nagasaki ist bekannt für seine Geschichte der japanischen Christenheit. Die Stadt beherbergte nicht nur die größte Kirche des fernen Ostens, die Marienkathedrale, sondern auch die größte Konzentration getaufter Christen in ganz Japan. Es ist die Stadt, in der der berühmte französische Missionar Francsi Xavier im Jahr 1549 eine Missionskirche gründete. Einige Generationen lang blühte sie. Nachdem allerdings die Geschäftspraktiken der später ankommenden Kaufleute aus Spanien und Portugal in Japan mehr und mehr als ausbeuterisch angesehen wurden, fiel auch die “Religion der Europäer” in Ungnade und japanische Christen sahen sich von da an schweren Verfolgungen ausgesetzt, die wie im frühen Rom sogar Kreuzigungen umfassten. Doch Japans kleine christliche Gemeinde überlebte im Untergrund. Mitte des 19. Jahrhunderts hörten die Verfolgungen auf internationalen Druck hin auf und 1917 hatte die kleine Gemeinde ohne jegliche Unterstützung die massive Marienkathedrale im Stadtteil Urakami in Nagasaki fertiggestellt.

Die Marienkathedrale war eines der hervorstechenden Gebäude, auf die der Bomberpilot von Bock’s Car trainiert worden war, und als er aus ungefähr 10 Kilometer Höhe auf Nagasaki hinuntersah, konnte er sie identifizieren und befahl den Abwurf.

Um 11:02 wurden Nagasikis Christen in einem glühenden, radioaktiven Feuerball gekocht und in Dampf und Asche verwandelt. Das inzwischen wieder lebhafte gläubige Zentrum der japanischen Christenheit war zu Ground Zero geworden. Was das kaiserliche Japan in mehr als 200 Jahren der Verfolgung nicht geschafft hatte, schafften Amerikaner in 9 Sekunden: Die gesamte christliche Gemeide von Nagasaki war ausgelöscht und die Kathedrale zerstört.

Zufall?

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: