Über die Wiedergeburt des Geistes

Frohe Weihnachten, liebe Leser!

Mein Wunsch: Mögen wir das Böse in der Welt und in uns besiegen!

Guido Reni: Michael besiegt Satan

Guido Reni: Michael besiegt Satan

Und dazu gibt es zwei „Weihnachtsgeschenke“!

Johann Sebastian Bachs „Magnificat“, eine der schönsten Kompositionen nach meinem Geschmack, in einer hervorragenden Interpretation unter Philippe Herreweghe:

Und eine Zusammenstellung, die alles grundlegend Notwendige zur geistigen Vervollkommnung enthält:

Über die Wiedergeburt der Seele und des Geistes

 

  1. Ruhe, Willenskraft, geistiges Auge
  2. Über die Selbstbeschauung
  3. Die Wiedergeburt der Seele
  4. Zur Veredlung der Seele
  5. Die Wiedergeburt des Geistes
  6. Das geistige Schauen
  7. Der Aufstieg
  8. Über die Ruhe in Gott
  9. Weitere Texte zur Wiedergeburt

 

  1. Ruhe, Willenskraft, geistiges Auge

Jesus: „Man wird nun fragen, was wir denn eigentlich in diesem Mauernest (Ephrem) tagsüber getrieben haben, wo wir so abgeschieden von der Welt lagen; denn dass dies nutzlos für Meine Jünger geschehen sein sollte, ist doch wohl nicht anzunehmen. Das ist wahr!

Denn diente diese Zeit der Abgeschiedenheit auch hauptsächlich dazu, um Meinen Erdenmenschen für die schwere Zeit vorzubereiten und für die Umwandlung zum ewigen, unvergänglichen Christus geeignet zu machen, so sollte diese selbe Zeit doch auch Meine Jünger und namentlich die Apostel für ihren zukünftigen Beruf vorbereiten, Lehrer für alle Menschen zu werden.

Der Vorgang, der in Mir sich vollzog, blieb allen Augen verborgen, jedoch wie Meine Jünger sich selbst und gegenseitig erzogen, soll hier genau enthüllt werden, damit jedermann, der wahrhaft an seiner inneren Vervollkommnung arbeiten will, daran eine Richtschnur findet, die zur Wiedergeburt des Geistes führt.

So höret denn, worin unsere äußere und innere Beschäftigung bestand!

Die äußere ist schnell erklärt. Sie bestand einfach in einer genauen Regelung aller häuslichen Geschäfte, denen sich jeder gern aus Liebe für seine Brüder unterzog, und die bei den geringen Bedürfnissen der Gesellschaft auch nicht viel Zeit beanspruchten.

Die Hauptsache war hier, dass jeder unaufgefordert sich dort nützlich machte, wo er bemerkte, dass irgendeine Dienstleistung geschehen konnte; denn diese Aufmerksamkeit ist schon ein Zeichen der tätigen Nächstenliebe, während der im Geiste Träge gar nicht bemerkt, wo irgendeine kleine Liebetätigkeit anzubringen wäre.

Während unseres Aufenthaltes unterstützte Ich nur wenig die äußeren Geschäfte des Hauses, wie zum Beispiel das Beschaffen der Nahrungsmittel, damit einesteils die Trägheit nicht um sich greifen könne, andernteils damit auch die Meinen lernten, sich nicht nur auf außergewöhnliche Kraft zu verlassen.

Daß es uns trotzdem an nichts fehlte, brauche Ich wohl nicht erst zu betonen.

Die Hauptsache war die geistige Nahrung! Und wie wurde nun diese geleitet? Zunächst in der Beherrschung einer völligen inneren Ruhe, die sich nicht durch irgendwelchen Ärger oder kleinliche Reizbarkeit aus dem Gleichgewicht bringen ließ, – sodann durch Übung der Willenskraft, die imstande ist, jede Leidenschaft und Neigung zum Gegenpol niederzukämpfen.

Weiterhin wurde das innere, geistige Auge geübt und immer mehr erschlossen. Nicht dass Ich die innere Sehe den Meinigen Selbst eröffnete, sondern sie mussten imstande sein, selbst ihr geistiges Auge auf Gegenstände zu richten, die sie erkennen wollten.

Diese Fähigkeit erfordert jedoch ganz besondere Läuterung der Seele, denn diese, von Haus aus irdisch gesinnt, kann natürlich nur dann rein Geistiges aus sich selbst heraus schauen, wenn sie sich schon bedeutend vergeistigt hat, oder, richtiger gesagt, wenn der in ihr wohnende Geist so weit mächtig geworden ist, dass er die Seele, welche seinen Leib bilden soll, so viele Begriffe des Geistigen beigebracht und diese so weit mit seinem Lichte erhellt hat, dass sie auch die geistigen Bilder sieht, erkennt und begreift.

Solange nur die äußerlichen, rein körperlich materiellen Dinge durch den künstlichen Leibesmechanismus der Seele begreiflich gemacht werden, ist diese noch geistig blind. Sobald sie lernt, durch die Hülle der äußeren Körper hindurchzublicken, wird sie geistig sehend.

Die Mikroskope der heutigen Welt geben nur ein sehr genaues, bis ins kleinste hinein detailliertes Bild der äußeren Hülle, ohne Aufschlüsse zu geben über das rein geistige Leben aller Dinge. Dieses zu erkennen ist nur die sehend gewordene Seele imstande, niemals aber die noch so verschärften Instrumente irgendeines Gelehrten.

Ist aber erst einmal die Seele imstande, das innerste Leben zu erkennen, so durchschaut sie natürlich auch die feinsten Bauten der dieses innerste Leben umschließenden Hüllen mit derselben Leichtigkeit. Es ist aber natürlich, dass Meine Jünger, welche als Lebensmeister und Lehrer auftreten sollten, in allem unterrichtet sein mussten, wenn Ich körperlich nicht mehr bei ihnen war, und sie hatten sich somit alles völlig zu eigen zu machen.

Man wird nun fragen. Hatten die Meinigen denn nicht schon alle diese Dinge sich völlig zu eigen gemacht, und bedurfte es denn erst dieses abgeschiedenen Aufenthaltes in der Wüste, um zur inneren Selbstherrschaft zu gelangen? Hier ist wiederum darauf hinzudeuten, daß dieselben früher stets unter einer Art Zwang, den Meine Person durch ihre Gegenwart ausübte, und sodann durch das Bewusstsein der einzelnen, dass sie von dem vielen folgenden Volke stets beobachtet wurden, zu leiden hatten.

Jeder wird aber recht wohl wissen, dass es weit leichter ist, das Böse zu meiden, wenn man sich unter Beobachtung weiß – weil dadurch eine Art Scham vor den Fremden oder auch der Ehrgeiz, als gut zu gelten, eintritt -, als wenn man sich völlig frei von jedem Zwange fühlt.

Hier war aber nun Gelegenheit zur Prüfung reichlich geboten; denn ernstlich zog Ich Selbst Mich oft tagelange fast ganz zurück zur eigenen Vorbereitung, zweitens wandelten die Meinen hier gänzlich frei von den bewundernden Volkshaufen, die da oft vermeinten, diese Meine Jünger müssten doch ihrem Lehrmeister gleich sein, wenn nicht am Ende gar ihn übertreffen, wie es doch schon oft vorgekommen sei, dass der Schüler den Meister geschlagen habe.“
(GEJ.11_047,01 ff)

  1. Über die Selbstbeschauung

Jesus: „Jetzt aber wollen wir bis gen Mittag hin einige Übungen in der Sichselbstbeschauung unter dem kühlenden Schatten der Bäume halten! Denn wahrlich sage Ich euch: Nichts ist dem ganzen Menschen heilsamer als eine zeitweilige innere Sichselbstbeschauung!

Wer sich und seine Kräfte erforschen will, der muß sich zu öfteren Malen selbst erforschen und innerlich beschauen. Weil aber solches eben so notwendig ist, darum wollen wir denn für heute Vormittag auch eine solche Übung vornehmen, und nach dem Mittagsmahle aber werden wir ein bisschen aufs Meer uns begeben und sehen, was allenfalls da zu machen sein wird.“

Es wissen aber einige nicht, wie sie es mit der inneren Selbstbeschauung anfangen sollen, und fragen Mich darum.

Ich aber sage: „Ruhet und denket im stillen lebendig nach über euer Tun und Lassen, über den euch wohlbekannten Willen Gottes, und ob ihr demselben nachgekommen seid zu den verschiedenen Zeiten eures Lebens, so habt ihr euch innerlich selbst beschaut und dadurch stets mehr und mehr dem Eindringen des Satans in euch den Weg erschwert. Denn dieser sucht nichts emsiger, als durch allerlei äußere, nichtssagende Gaukeleien den Menschen in seiner inneren Selbstbeschauung zu verhindern.

Denn hat der Mensch einmal durch Übung irgendeine Fertigkeit in der Beschauung seines Innern erreicht, so findet er in sich auch nur zu leicht und zu bald, welche Fallen ihm der Satan gelegt hat, und kann dann diese weidlichst zerstören und zunichte machen und aller künftigen Arglist desselben Feindes auf das energischste vorbauen.

Das weiß der Satan nur zu gut und ist daher alleremsigst beschäftigt, durch allerlei die Seele nach außen ziehenden Gaukeleien eben die Seele zu beschäftigen, und er hat dann hinter der Wand ein ganz leichtes, unvermerkt der Seele allerlei Fallen aufzurichten, in die sie sich am Ende derart verstricken muß, dass sie dann fürder zu einer Sichselbstanschauung gar nicht mehr gelangen kann, was sehr schlimm ist.

Denn dadurch wird die Seele dann stets mehr von ihrem Geiste getrennt und kann denselben nicht mehr erwecken, und das ist dann schon der Beginn des zweiten Todes im Menschen.

Nun wisset ihr, worin die innere Selbstbeschauung besteht. Machet darum von nun an bis gen Mittag eine solche Übung im stillen und lasset euch bis dahin durch keine äußere Erscheinung stören! Denn der Satan wird sicher nicht unterlassen, euch durch irgend ein oder das andere äußere Spektakel davon abzuziehen. Aber daran erinnert euch, dass Ich euch solches vorausgesagt habe, und kehret ja wieder schnell in euch selbst zurück!“ (GEJ.01_224,07 ff)

  1. Die Wiedergeburt der Seele

Jesus: „Anderntags trat Simon Petrus zu Mir und sagte: `Herr und Meister, wir sehen nun wohl ganz klar ein, dass wir gefehlt haben, indem ganz sicherlich Gott Selbst nie der Hilfe und Fürsorge der Menschen bedürfen wird; aber dennoch ist es uns bisher immer noch etwas unklar geblieben, weswegen da Dein Leib in einer Art zeitweiser Unabhängigkeit von dem innern Geiste bleibt, so dass auch nach Deinen Reden es klingt, als wärest Du nun der ewige Gottgeist in Person Selbst, dann aber wieder, als sei Dein Körpermensch gänzlich unabhängig und nur zeitweise durchdrungen von Ihm! Wir kommen da stets in einen gewissen Zwiespalt in unseren Anschauungen, die Du uns gewiß verzeihen wirst, weil wir ja fest an Dir hangen und an Dich glauben, aber dennoch Dich in Deiner innersten Natur noch nicht so ganz begreifen. Wie ist es denn damit!`

Sagte Ich ihm: Mein lieber Petrus, du sowohl als die Brüder vestehet eben so manches noch nicht, weil ihr diejenige Geistesstufe in euch noch nicht so erklommen habt, um diesen in sich doch sehr einfachen Vorgang begreifen zu können, den Ich euch auch schon oft genug erklärt habe. Jetzt aber seid ihr hier, um an euch selbst zu erproben, was euch an Mir noch unklar ist. Was nützt es, euch stets auf die Unterschiede des Menschen- und Gottessohnes hinzuweisen, wenn ihr in euch selbst nicht den Unterschied des Geist- und Körpermenschen zu erkennen und zu fühlen vermöget?

Erst die vollende Wiedergeburt schon im Körper wird euch diese Frage zur vollsten Zufriedenheit lösen, und ihr habt auch zur Erlangung derselben schon alle recht geeignete Schritte getan, so dass euch das Ziel nicht fern steht. Dennoch ist dasselbe noch nicht ganz erreicht. So beantwortet Mir aber nun einige Fragen, damit euch das Verständnis für diesen Hauptpunkt nähergerückt werde!

Zunächst: Wie empfindet ihr euer Denken und Fühlen? Ist dasselbe ein äußeres oder inneres, das heißt, könnt ihr eine euch gestellt Frage nur deshalb beantworten, weil ihr durch das Gedächtnis von euren Lehrern die Antwort gelernt habt, oder beantwortet euer eigenes innere Ich dieselbe durch Schlussfolgerung?

Ihr werdet sagen: `Beides kann geschehen!` Wäre der Mensch nun aber bloß Maschine, wenn auch mit einer selbstbewussten Seele begabt, so würde diese nur äußerlich denken können, das heißt, durch Gedächtniseindrücke sich ein Wissen schaffen können, das nur durch Belehrung erlernt ist, ungefähr wie man ein Tier abrichtet.

Die Schlussfolgerung jedoch ist ein Fragen der Seele an ein im Menschen lebendes, inneres Prinzip, welches Antwort gibt auf gestellte Fragen und als Geist in der Seele noch lebt und als solcher, wie Ich euch schon oft gesagt habe, vollendet ist. Daher kann auch im Innern des Menschen ein regelrechtes Frage- und Antwortspiel beginnen. Man wird sagen: `Ja, ist der Geist vollendet, warum kommen denn da oft so ungemein törichte Schlussfolgerungen zum Vorschein? Antwortet denn da der Geist nicht immer richtig?`

Das tut er schon; aber weil er zunächst im Menschen das Lebensprinzip der Seele darstellt, so kann diese als selbstbewusst auch nach ihrem Wesen wie ein Spiegelbild ähnlich handeln. Geradeso wie ein rechtes Spiegelbild nicht ohne ein vorhandenes Objekt entstehen könnte, das demselben völlig gleich ist, so kann auch die Seele ihre Urteile nur dann als freitätig bekunden, wenn diese vom Geiste als Reflexe ausgehen.

Wie aber ein Spiegelbild alles verkehrt darstellt, gerade entgegengesetzt dem Objekte, und dennoch wieder wahr ist, so geschieht es auch hier, solange beide nicht ineinander aufzugehen suchen. Nur ein Mensch, der den Geist so weit in sich erweckt hat, dass die Seele keine irdischen verkehrten Reflexe zurückwirft, hat die Wiedergeburt erlangt und steht in der völligen Wahrheit.

Diese Schranken zu zerbrechen ist natürlich nicht leicht, weil durch den materiell-irdischen Körper die irdisch veranlagte Seele einen größeren Hang zu diesem hat als wie zu dem sich nur schwach fühlbar machenden Geiste, dessen Wirken sie ohne erlernte Unterscheidung gern für ihr eigenes Wirken annimmt.

Diese Schranken zu durchbrechen ist Meine und eure Aufgabe, sowie aller Meiner Nachfolger, – und den Weg hierzu findet ihr durch euren inneren Geist, den ihr zur Sprache zu bringen habt. Dieser allein nur ist der einzig rechte Lehrer, weil er mit dem allgemeinen Gottgeiste zusammenhängt und von diesem ein Abbild im kleinen ist, demnach alle Wahrheit nur aus ihm schöpft.

Hat sich die Seele nun völlig seinem Wesen untergeordnet und ist sie dadurch irdisch wunschlos geworden, so dass sie nur noch einzig und allein nach Geistigem strebt und in dem Geistigen demnach als selbstbewusste Seele aufgegangen ist, so hat der vollendetere Mensch eine Stufe erreicht, welche von den indischen Weisen als `Nirwana` bezeichnet wurde, also einen Zustand, in dem jeder Wille, welcher fleischlich-irdische Neigungen bedingt, vernichtet ist, und welcher jedes Leben im Fleische als materielle Existenz ausschließt.

Dieser Zustand ist im materiellen Leben möglich, ja soll erreicht werden, damit der völlige Friede einziehe ins Menschenherz. Dieser Wiedergeburt der Seele seid ihr alle nahe. Drüben in Meinem Reiche jedoch gibt es, wenn Ich aufgefahren sein werde, noch eine andere Wiedergeburt: da ist die des Geistes, die sodann in unauflöslicher Gemeinschaft mit Mir besteht.

Sodann herrschen die höchste Glückseligkeit der Kinder im Vaterhause und Freuden, die keines Menschen Herz je ahnen kann, weil sie die reingeistigen sind, von denen euch vorher auch nicht der kleinste Abglanz begreiflich gemacht werden kann.

Trachtet zuvor danach, dass eure Seele die Wiedergeburt erlange, damit eure Seele nur noch durch des Geistes Auge zu schauen lerne und dadurch sich selbst und ihren Ursprung immer mehr erkenne!

Da Ich aber Selbst alle diese Stufen in Mir als Mensch wie ihr erklimmen muß – da Ich der Pfadbrecher der Menschheit bin, die sich immer wieder trotz vieler Abgesandter in Irrtümer verstrickt -, so werdet ihr auch wohl endlich begreifen, dass Ich, um euch dieses Aufsteigen zur Vollendung anschaulich und begreiflich zu machen, nicht anders sprechen kann, als es geschieht!“ (GEJ.11_050,01 ff)

  1. Zur Veredlung der Seele

Sagte Petrus: „Ja, Herr, das sehe ich jetzt wohl ganz gut ein und begreife auch immer mehr, dass Deine menschliche Natur der unsern so ganz gleich ist, und dass der Unterschied nur in dem Geiste in uns liegt. Sicherlich werden wir alle auf das äußerste bestrebt sein, alle Ziele, welche Du uns zeigst, zu erringen. Nun aber hapert es doch noch gewaltig bei uns mit der Wiedergeburt unserer Seelen.

Zwar sind wir schon auf dem rechten Wege, aber so wir allein sind, kommen da doch gewisse Rückfälle, die uns zu Torheiten verleiten, wie Du uns jetzt schon mehrere hast ausführen sehen. Wie denn könnten wir diese wohl vermeiden?“

Sagte Ich: „Zunächst dadurch, dass ihr die rechte Glaubenskraft erringet, auch wenn ihr Mich nicht sehet, – denn selig sind, die da glauben und nicht sehen! Dann aber, indem ihr euch frei machet von jeder Furcht und nur mit ganzer Kraft Gott liebet, den ihr in Mir wisset und erkannt habt!

Zwar weiß Ich, dass ihr Mich sehr liebet; aber jetzt gilt diese Liebe noch mehr Meiner Person als Meinem Geiste. Die unerschütterliche Liebe, die gar keine Zweifel kennt, die sich auch bei euch unbegreiflichen Dingen nicht schwankend machen lässt, besitzet ihr noch nicht, sondern nur einen Glauben, der vorläufig nur aus Meinen Taten entsprungen ist und noch kein Felsen ist, sondern mit lockerem Erdreich untermischt ist, das die Regengüsse des Leides noch wegwaschen können.

Glaubet nicht nur, wenn Ich bei euch bin, sondern glaubet und vertraut völlig auf Meine Kraft, auch wenn Ich leiblich nicht bei euch bin! Forschet in euren Seelen, wo noch irgend etwas Unreines steckt, und werfet es von euch!

Solange ihr noch Missmut, Ärger, Unzufriedenheit, unreine Gedanken in euch entdecket, so lange regt sich auch noch der Zweifel und lässt den lebendigen Glauben nicht erstarken. Dem Geiste sind jedoch alle diese Untugenden fremd, daher kann er die Seele nicht durchdringen, die freiwillig sich alles dessen entäußern muß!“

Sagte Petrus: „Ja, Herr, wir wissen das alles recht wohl und bemühen uns auch, nach Deinen Worten zu handeln; aber es wird doch oft recht schwer, sich selbst zu überwinden. Und dennoch lieben wir Dich von ganzen Herzen und mit allen Kräften!“

Sagte Ich: „Laß das jetzt gut sein! Darum habe Ich euch ja nach Ephrem geführt, dass ihr euch reinigt und die innere Vollendung frei- und selbsttätig erringet, und so lasse denn nur dieses! Wäret ihr auch Meine Jünger, wenn Ich nicht dächte, euch dahin zu führen, dass ihr dem Vater dienet, gleichwie Ich Ihm jetzt diene?!

Der Vater weiß doch wohl, was er tut, und welche Werkzeuge Er Sich auserwählt! Was euch noch fehlt, werdet ihr erringen, und so strebet denn danach! An Kraft wird es nicht fehlen, so ihr darum bittet.“

Sagte Petrus: „Ja, Herr, wohl wissen wir, dass Du uns stets die Kraft gibst, deren wir bedürfen, so wir darum bitten; aber gar zu oft nur vergessen wir gerade das Bitten, weil wir uns schon für recht stark halten und denken, aus eigener Kraft siegen zu können! Und dieses Kraftgefühl erfüllt uns mit großer Zuversicht, die sich aber gar zu leicht in große Zerknirschung verwandelt, wenn irgendein Umstand die gar zu große Schwäche des menschlichen Herzens und die Wankelmütigkeit trotz aller guten Vorsätze beweist. Sollen wir denn aber nun gar nicht trachten, aus eigener Kraft auch etwas tun zu können?“

Antwortete Ich: „Wer nach Vereinigung mit Gott strebt, wird zuerst trachten, Seinen Willen zu erfüllen und den eigenen unterzuordnen; denn nur der im Menschen lebendig gewordene und tatkräftige Gotteswille kann und wird niemals Schiffbruch leiden. Ist der Mensch aber eigenwillig und sucht etwas auszufüllen, ohne sich darum zu kümmern, ob seine beabsichtigte Tat auch dem Willen Gottes entspricht, so darf er sich nicht wundern, wenn diese Tat nicht zu seinen Gunsten ausschlägt.

Dieses Kraftgefühl, von dem du sprichst, ist aber oft nichts anderes als ein geistiger Hochmut, der sich vorgedrungen vor anderen Menschenbrüdern fühlt und daher etwas Außergewöhnliches leisten möchte zur eigenen Eitelkeitsbefriedigung oder auch aus Bewunderungssucht vor anderen.

Hütet euch daher vor diesen Trieben; denn Meine Anhänger sollen arm im Geiste sein, wie ihr wisset, damit sie eben alles von Mir erhalten und Gott wahrhaft schauen können!

Die aber, welche sich geistig reich wähnen, da sind eben die, welche meinen, Vollendete zu sein, mit ihrer Selbstüberwindung prunken und voll des geistigen Hochmutes werden. Siehe an die Pharisäer, wie sie glauben, nur Gott zu dienen mit allerlei nichtssagender Weisheit und Formelkram und doch nur sich selbst und ihrem Wohlsein dienen!

Diesen auch nur eine noch so kleine Weisheitslehre Meiner Himmel in ihr Herz einfließen zu lassen, ist rein unmöglich; denn es ist angefüllt von allerlei Reichtum ihres Seelendünkels, während nur dort gegeben werden kann, wo vollständige Armut herrscht. – Verstehst du das und die Brüder?“

Sagte Petrus, der hier, wie so oft, den Sprecher für die andern machte, nachdem er die anwesenden Brüder angeschaut hatte, die alle bejahende Zeichen machten: „Ja, Herr, das verstehen wir recht gut; denn Du hast schon öfter mit ähnlichen Worten derartige Lehren gegeben.

Aber etwas anderes möchten wir wohl von Dir wissen! Du sprachst von einer Wiedergeburt des Geistes und der Seele. Es ist uns dieser Unterschied sehr aufgefallen, weil wir da nie einen Unterschied gesucht hätten und wähnten, dass mit dem einmal vollendeten Aufgehen der Seele in den Geist auch alles erreicht ist, was erreicht werden kann. Wie steht es nun damit, willst Du Dich da nicht deutlicher erklären?“

Sagte Ich: „Was ihr jetzt fassen könnt, sollt ihr hören! Doch kann euch alles erst völlig klar werden in Meinem Reiche, wo ihr mit eigenen Augen und Sinnen die Bestätigung finden werdet. Aber nicht nur euretwegen, sondern auch eurer Nachfolger wegen müßt ihr wissen, was Ich mit der Wiedergeburt des Geistes meine und andeuten will. – So höret denn!“ (GEJ.11_051,01 ff)

  1. Die Wiedergeburt des Geistes

Der Herr: „Alle diejenigen, welche bereits auf Erden Mir und Meinem Worte nachfolgen, werden das jenseitige Ziel erreichen, welches Ich euch schon so oft als die Wiedergeburt der Seele bezeichnet habe: das ist also ein Hindurchdringen des Geistes in die Seele, die dadurch fähig wird, schon im Leibe in alle höhere Weisheit der Himmel einzudringen und nicht nur Herr ihrer selbst, sondern auch damit Herr ihrer Umgebung zu werden, ja, selbst auch der Natur und verborgener Kräfte, wenn sie trachtet, Meinen Willen aus Liebe zum Nutzen des  Nächsten zu erfüllen.

Die Mittel, um zum Ziele zu gelangen, heißen Glaube und wahre Liebe zum Nächsten. Solche wiedergeborenen Menschen können und müssen auch sehr gerechte Menschen sein, wie es solche auch zu allen Zeiten stets gegeben hat, die diese äußere Seelenvollendung besaßen; aber sie brauchten deswegen noch nicht bis zur Gemeinschaft mit dem persönlich wirkenden Gottgeiste gelangt zu sein.

Ja, bis jetzt war das überhaupt noch nicht möglich, weil außer Mir die Gottheit überhaupt noch nicht persönlich anschaubar vorhanden war! Alle die Gerechten vor Meinem Leibesleben, welche die Wiedergeburt der Seele erlangten, konnten dessenungeachtet noch lange nicht die Gottheit schauen, so wie ihr Sie schauet.

Es zeigen deswegen ihre Lehren auch an, dass das Eindringen in die höchste Vollendung ihnen als ein Aufgehen in die Unendlichkeit erschien, weil Gott Selbst, als unpersönliches Wesen, eben die Unendlichkeit bedeutet, in der das Wehen Seiner Kraft wohl geistig empfunden werden kann, anschaulich nicht aber der Seele damals in einer Person dargestellt werden konnte.

Erst nach Meinem Tode, wenn dieser Mein Leib aufgenommen sein wird als ein Kleid der allmächtigen, unendlichen Gottheit Selbst, werden alle diejenigen, die vor dieser Meiner Zeit das Leibesleben verlassen haben, auch imstande sein, durch Anschauung der nun persönlichen Gottheit in ewiger Gemeinschaft mit Dieser zu leben, und zwar in einer Stadt, welche Ich euch bereits gezeigt habe, als jene zwölf leuchtenden Säulen die Jerusalemer nächtlich erschreckten, und welche das wahre himmlische Jerusalem, die ewige Stadt Gottes, darstellt.

Dieses gemeinschaftliche ewige Zusammenwohnen Gottes mit Seinen Kindern ist die Wiedergeburt des Geistes. Sehr wohl werden nach Mir noch viele die Wiedergeburt der Seele erreichen können, daher auch sehr selig und glücklich sein, ohne aber diese höchste und letzte Stufe zu erringen.

Viele Abgesandte Meines Geistes kamen zur Erde nieder und zeigten den verirrten Menschen die Wege, wie sie zum Frieden und zur inneren Erleuchtung gelangen konnten, ohne aber imstande zu sein, die direkten Wege zu Mir zu zeigen, weil diese ja noch nicht geöffnet waren. Alle, welche also die früheren Wege wandeln wollen, können daher sehr wohl zur Wiedergeburt der Seele gelangen, aber nicht zur Gemeinschaft mit Mir.

Letzteres ist nur möglich durch den Glauben an Mich, dass Ich wahrlich bin Christus, der Gesalbte, dem alle Kraft und Herrlichkeit des Vaters ist gegeben worden, damit die Menschen glücklich und höchst selig werden durch den Sohn.

Ich bin die Pforte, – eine andere gibt es nicht! Wer die Wege zum Himmel betreten will, ohne Mich kennen zu wollen, der kann wohl einen hohen Grad von Vollkommenheit erreichen, nie aber in klare, anschauliche Gemeinschaft mit Gott Selbst gelangen. – Habt ihr das nun verstanden?“

Sagten alle: „Ja, Herr, das war doch klar gesprochen; wer sollte das nicht verstehen?“

Meinte Petrus nun wieder: „Herr, werden denn nun die, welche die Wiedergeburt erlangt haben, und welche drüben also nun recht selig leben, auch alle die Wiedergeburt im Geiste erlangen, oder ist es wohl möglich, dass diese auch stehenbleiben auf ihrer Vollendungsstufe?“

Sagte Ich: „Diese Frage könntest du dir eigentlich selbst beantworten; denn es ist doch ganz selbstverständlich, dass da niemand gezwungen wird! Ist aber ein Land durch einen breiten Strom getrennt, und es kommt ein geschickten Baumeister, der eine Brücke schlägt, und ruft nun alle, die bisher ans jenseitige Ufer nicht gelangen konnten, zusammen, mit ihm hinüberzugehen zum jenseitigen Ufer, – werden ihm da alle folgen? Jedenfalls der größte Teil, und die Zurückbleibenden werden gewiß nach einiger Zeit des Harrens, so sie sehen, dass die ersten nicht zurückkommen, auch hinübergehen, – noch dazu, wenn sie sehen, dass das jenseitige Ufer im hellen Sonnenschein daliegt und lieblich anzusehen ist!

Sieh, so ein Baumeister bin Ich! Und jeder wird bestrebt sein, den Aufgang der Brücke auch nach Mir zu finden; denn der innere Geist wird ihm sagen: `Es gibt noch ein höher, köstlicher Ding als das, was du dir bereitet hast durch dein gerechtes Leben; suche danach!`

Und jeder Suchende, der das Leibesleben abgeschüttelt hat, wird auch diese Brücke finden können, gleichwie, ob er durch Meine euch jetzt gegebene Lehre oder durch die eines von Mir erweckten anderen, früheren oder späteren Lehrers zu einem Gerechten geworden ist.

Solchen Gerechten trete Ich Selbst schon zur geeigneten Zeit als Brückenzöllner entgegen, und sie entrichten dann freiwillig ihre Maut, das ist, sie nehmen die Lehre an: Der Vater ist in dem Sohn, und wer den Sohn sieht, sieht auch den Vater! So werden sie dann ebenso aufgenommen wie alle die, welche von Anfang an Meine Wege wandelten.

Darum sollt ihr aber auch nicht verächtlich auf die Heiden sehen; denn Ich sage euch, es sind darunter Gerechtere, als da jemand unter dem Volke der Juden gewandelt haben, und darum werden auch die Heiden angenommen und die Juden verworfen werden!“

Sagte Petrus: „Herr, wenn es unter den Heiden so gerechte Menschen gibt, wie haben sie denn diese Gerechtigkeit erlangt?“

Antworte Ich: „Ich sagte dir ja schon, dass stets Abgesandte Meines Geistes diese belehrten, welche das Licht aus Meinen Himmeln überbrachten und die Menschen je nach ihrem Verständnis belehrten. Diese Abgeordneten lehrten aber vor allen Dingen das Versenken in das Innere des Geistes, so dass jeder, der in sich die Wahrheit finden wollte, diese auch finden konnte; das ist aber, wie ihr wisst, die Wiedergeburt der Seele.

Dieses Versenken habe Ich euch auch oft anempfohlen als ein geeignetes Mittel, die Seele frei und rein zu machen von allen Flecken und Makeln ihrer Selbstsucht und dadurch zu Mir zu gelangen. Übet euch auch darin, damit das innere Auge sich mehr öffne und ihr an euch erfahret, was der Geist alles offenbaren kann, wenn er erst in euch lebendig geworden ist!

Wie das aber geschieht, wisset ihr von Mir ganz genau, und so handelt denn auch danach!“ (GEJ.11_052,01 ff)

  1. Das geistige Schauen

Der Herr: „Es sind hier nun einige Worte über das geistige Schauen hinzuzufügen für die, welche Meine Wege wandeln und an sich selbst erkennen wollen, wieweit die Seele schon im Leibe entwicklungsfähig ist. Es soll hier nicht gelehrt werden, besondere wunderbare oder magische Eigenschaften zu erlangen, oder das Rezept gegeben werden, nur nach diesen zu streben, sondern es soll der Weg angegeben werden, wie die mannigfachen Herzenszweifel überwunden werden, die die Seele empfindet, solange sie das Fleisch nicht gelockert hat.

Dieses aber ist der wahre Zweck: unabhängig vom Fleische mit allen seinen Gelüsten, Zweifeln und Irrtümern zu werden, um in der eigentlichen, echten und wahren Welt, in welche die Seele nach dem Tode völlig frei und unabhängig eingehen soll, sich wohl zu fühlen und in sie eingehen zu können.

Es liegt auf der Hand, dass das Seelenleben ganz von selbst sich zeigen muß, wenn die einschnürenden Fesseln des Fleisches sich lockern. Und alle, die wohl mein Wort hören, sonst aber nichts von diesem inneren Seelenleben verspüren, stecken eben noch ganz in ihren Fleischesbanden, sind Hörer aber nicht Täter des Wortes.

Jeder, der die Fesseln abstreift, erhält einen klareren Blick über Menschen und Natur, zunächst nur in der Art, dass er meint, seine Beobachtungsgabe sei sehr geschärft; in Wahrheit aber ist es das Sichregen des Geistes, der freiere Bewegung erhält.

Sodann gewöhne sich der Mensch, in sich zu blicken, das heißt die Bilder zu erkennen, welche sein geistiges Auge unabhängig von seinen fleischlichen Augen sieht und beobachten kann, so wird er schnell, wenn er in der Liebe zu Mir steht und auf diesen Grund weiterbaut, zu den Eigenschaften des Geistes gelangen, welche ihr `Hellsehen` nennt, was jedoch keine magische, sondern eine ganz natürliche Eigenschaft der Seele ist, gegen welche sie sich allerdings ebenso verschließen kann, wie ihr im Fleische euch gegen die Ausbildung verschiedener Fähigkeiten verschließen könnet.

Bei Krankheiten, in denen oftmals eine Lockerung der Seele vom Körper stattfindet – die aber sodann wegen der Schwächung des Körpers eine Art ungesunden Hellsehens ist, weswegen da viele Unrichtigkeiten vorkommen -, ist ein Leben der Seele in ihrer dem Körper fremden Welt nichts Ungewöhnliches, und viele Phantasien sind da weiter nichts als Entsprechungsbilder der Seelenwelt, – Entsprechungsbilder darum, weil die Sprache des Geistes, mit der er zur Seele spricht, nicht Worte, sondern nur vollständige Begriffe sind, während Worte erst die Begriffe mühsam vermitteln.

Diese Fähigkeit auszubilden, die Sprache zu verstehen, welche als Entsprechungssprache wenigstens im Worte euch bekannt ist, ist nicht nur zu Lebenszeiten nützlich, sondern sogar notwendig, weil sonst nach dem Leibestode sich die Seele im Geisterreiche vorkommt wie ein Fremder, der in ein ihm stockfremdes Land eintritt, dessen Sprache er nicht versteht, und dem es nur mit größter Mühe gelingt, sich verständlich zu machen, – nur mit dem Unterschied, dass die Bewohner dieses Landes wohl den Fremdling, nicht aber dieser die Einheimischen begreift, die sich erst in die schwerfälligen Fesseln des Seelenlebens wieder einfügen müssen, um die ungewohnt gewordene, schwerfällige Körpersprache wieder anzunehmen, die den Verkehr nur durch Worte, nicht aber durch Gedankenreihen vermittelt.

Geistig vorgeschrittene Menschen bedauern daher auch oft die Unmöglichkeit, ihre Empfindungen genügend in Worten ausdrücken zu können, oder die Unmöglichkeit, den Gedankenflug so schnell zu fixieren, durch Schrift oder Sprache, wie der Geist es die Seele schnellstens erschauen lässt.

Das wäre alles nicht möglich, wenn es diese Sprache des Geistes in schnellen Bildern und Begriffsreihenfolgen nicht geben würde. Es gibt daher mehr, als Wort und Schrift vermitteln können, und niemand möge daher glauben, dass die höchst entwickelte Schriftsprache oder Rednergabe das Glänzendste sei, was die Seele des Menschen ausdrücken kann; denn das sind nur sehr schwache Ausflüsse des innersten Geistesbestrebens, die Seele teilhaftig werden zu lassen dessen, was in dem Geiste höchst vollendet verborgen liegt.

Niemand glaube auch daher, etwas Besonderes zu leisten, wenn er für einen Meister dieser äußeren Mittelwege gehalten wird. Er ist nur ein elender Stümper gegen die Reichhaltigkeit des inneren Meisters, der seine Gaben nicht nach außen hin entfaltet. Das Streben, diesen jedoch in sich durch Meine Kraft und durch die Liebe zu Mir zur vollendetsten Sprache zu bringen, heißt Meine Wege und Mir nachwandeln; denn Ich ging zur Erdenzeit im Fleische denselben Weg und musste mühsam Stufe für Stufe erringen gleichwie jeder andere Mensch.“ (GEJ.11_053,01 ff)

  1. Der Aufstieg

Der Herr: „Denn es geht mit der Wiedergeburt des Geistes und der Seele fast gerade also, wie mit dem Aufsteigen eines schon gefüllten sogenannten Luftballons.

Dieser wird während des Füllens mit Seilen, Stricken und allerart Schnüren an in die Erde eingeschlagenen Pfählen befestigt, damit er nicht mit der halben Füllung aufsteige und dann in der niedrigen Luftregion von allerlei Winden hin und her getrieben leicht an irgendeinem harten Baumaste sich verhänge und Risse bekomme.

Wenn er aber vollgefüllt ist und fähig, in die höchsten Regionen aufzusteigen, so müssen alsbald alle Seile, Stricke und Schnüre, die den Ballon früher an die Erde festhielten, abgeschnitten werden. Sonst wird der Ballon wohl an den Bindemitteln zerren, aber zum Aufsteigen in die freien Höhen wird er nicht kommen, bis nicht die letzte Schnur abgerissen ist.

Dieses Gleichnis aber lehrt, dass ein Mensch, wenn er auch noch so voll guter, wahrer christlicher Werke ist und sein Herz voll Liebe zu Mir und seinem Nächsten, er zwar alle Fähigkeiten in sich trägt, die volle Wiedergeburt des Geistes zu erlangen, aber es halten ihn daneben so einige Schnürchen mit der Welt auch noch im Verbande! –

Solange diese Schnürchen aber nicht völlig abgeschnitten sind, so lange kann auch sich der sonst selbst beste Mensch ebensowenig in die freie Höhe Meines Lebensreiches aufschwingen, wie ein vollgefüllter Ballon, den aber noch gewisse Schnüre an die Erde binden.“ (HiG.03_47.05.10,03 ff)

  1. Über die Ruhe in Gott

Denkt und stellet euch also die geistige Sonne vor! Das von ihr ausgehende Licht wird von der stets wogenden Fläche des geschaffenen Lebensmeeres aufgenommen, und dieses spielt mit solchem Lichte, und es entstehen daraus allerlei Zerrbilder, die wohl noch den matten Glanz von sich strahlen lassen, aber dabei jede Spur der göttlichen Urform zerstören; also ist das ganze Heidentum und nun auch das Judentum ein solches Verzerren alles rein Göttlichen.

Wenn ihr aber sehet einen ganz ruhigen Wasserspiegel, und es scheint die Sonne darein, so wird sie aus dem Wasserspiegel in derselben Majestät und Wahrheit widerstrahlen, als wie ihr sie sehet am Himmel. Und ebenso gehört ein ruhiges, leidenschaftsfreies Gemüt, das nur durch eine gänzliche Selbstverleugnung, Demut, Geduld und reinste Liebe erreicht werden kann, dazu, damit das Ebenmaß Gottes im Geiste des Menschen ebenso rein und wahr widerstrahle wie die Erdsonne aus einem ruhigsten Wasserspiegel.

Ist das bei einem Menschen der Fall, so ist in ihm alles zur Wahrheit gediehen, und seine Seele ist dann fähig, ihren Blick in die Tiefen der Schöpfungen Gottes zu richten und alles schauen zu können in aller Fülle der reinsten Wahrheit. Aber sowie es in ihr zu wogen anfängt, so werden die Urbilder zerstört, und die Seele befindet sich dann schon notwendig auf dem Felde des Truges und der Täuschungen aller Art und Gattung und kann nicht zur reinen Anschauung gelangen, bis nicht in ihr die völlige Ruhe in Gott eingetreten ist.“ (GEJ.02_148,08ff)

  1. Weitere Texte zur Wiedergeburt

1

Darum bin Ich gekommen in die Welt, um euch zu zeigen die rechte Umkehr zu Meiner Ordnung zurück und den rechten Weg, fortzuwandeln in derselben bis zur Erreichung der wahren Wiedergeburt des Geistes in der Seele, nach der kein böser Rückfall mehr denkbar und möglich  ist.

Dieses muß bei euch nun angebahnt werden, da denen, die einmal verkehrt worden sind, mit der alleinigen Umkehr der Seele wenig geholfen wäre. Die Seele muß zwar vorher ganz umkehren, bevor die Wiedergeburt des Geistes in die Seele zu erlangen ist; aber der ausgestopfte und ausgeflickte, also auf den rechten Weg gebrachte bessere Seelenzustand ist nicht haltbar, weil durch die Macht der Welt und ihre zeitlichen Vorteile eine pur ausgeflickte Seele nur zu leicht bei der nächsten, etwas stärker lockenden Gelegenheit wieder in ihre alte angewohnte Verkehrtheit verfällt.

Um das aber möglichst zu verhüten, habe Ich nun den neuen Weg also angebahnt, daß Mein Geist, den Ich nun als einen Funken Meiner Vaterliebe in das Herz einer jeden Seele lege und gelegt habe, durch eure Liebe zu Mir, und daraus wahrhaft und tätig zum Nächsten, genährt werde, in eurer Seele wachse und nach Erreichung der rechten Größe und Kraft sich völlig mit der gebesserten Seele vereine und eins werde mit ihr, – welcher Akt dann die Wiedergeburt des Geistes heißen soll und auch heißen wird.

Wer diese erreicht hat, der steht dann freilich ums unvergleichbare höher als eine für sich allein noch so vollkommene Seele, die zwar auch vieles vermag, aber dessenungeachtet dennoch ewig nicht alles, was dem völlig Wiedergeborenen vorbehalten ist.

Dieser Funke Meiner Liebe aber wird in das Herz einer Menschenseele erst dann gelegt in der Fülle, wenn ein Mensch Mein Wort vernommen und es in seinem Gemüte gläubig und mit aller Liebe und Wahrheit angenommen hat; solange dies nicht der Fall ist, kann kein noch so seelenvollkommener Mensch zur Wiedergeburt des Geistes gelangen. Denn ohne Mein Wort, das Ich nun zu euch rede, kommt der Funke Meiner Liebe nicht in das Herz eurer Seele, und wo er nicht ist, kann er auch nicht wachsen und gedeihen in einer Seele und somit in derselben auch nicht wiedergeboren werden.“ (GEJ.04_220,06)

2

Sagte Ich: „Versprechen ist um vieles leichter, als das Versprochene halten! Ihr hänget noch zu sehr an der Welt und an euren großen Schätzen, an denen viel Blut von Witwen und Waisen klebt, und das ist für die Weltmenschen stets jene große Kluft, über die sie höchst schwer kommen.

Doch wie bei Gott alle Dinge möglich sind, so ist es auch dem noch so verstockten Weltmenschen und Sünder möglich, sich bald und wirksam zu ändern, wenn er ernstlich im vollen Glauben und Vertrauen auf Gott das tut, was die göttliche Weisheit ihm rät. Er muß da an sich selbst durch einen plötzlichen Umschwung seines Willens ein wahres Wunder wirken, und zwar in der gänzlichen Selbstverleugnung bezüglich aller seiner früheren Schwächen, Gewohnheiten, Gelüste und argen Leidenschaften, die aus ungegorenen und sehr unlauteren Naturgeistern seines Fleisches in die Seele aufsteigen und sie verunreinigen und verunstalten.

Nun zählet aber nach, mit wie vielen allerartigen Leidenschaften ihr behaftet seid! Fasset den ernstesten Willen, sie alle zu verlassen und dann Mir nachzufolgen! Könnet ihr das, so könnet ihr auch bald zu einer inneren Lebensvollendung gelangen; aber ohne das ist es sehr schwer und sehr mühevoll.“

Sagten die Pharisäer: „Was den ernsten Willen anbelangt, so soll es bei uns an solchem keinen Mangel haben; denn hatten wir doch des ernstesten Willens zur Sünde in Hülle und Fülle, warum sollten wir ihn nicht auch haben zur Erfüllung des Guten?“

Sagte Ich: „Ja, ja, da habt ihr eben nicht unrecht geredet! Aber der Wille zur Sünde findet im Menschen stets eine große Unterstützung, und zwar in den Anreizungen und Leidenschaften seines Fleisches; aber für den Willen zum Guten findet er in seinem Fleische gar keine Unterstützung, sondern allein im Glauben an einen wahren Gott, und besonders in der Liebe zu Ihm, und dazu auch in der Hoffnung, daß die von Gott ihm gemachten Verheißungen in volle Erfüllung gehen werden.

Wer sonach durch den festen und lebendigen Glauben, durch die Liebe zu Gott und zum Nächsten und durch die ungezweifelte Hoffnung alle die argen Leidenschaften seines Fleisches bekämpfen kann und sonach völlig Herr über sich wird, der wird dann auch bald Herr der ganzen äußeren Natur und befindet sich eben dadurch, daß er vollkommen Herr über sich geworeden ist, auch schon im ersten Grade der wahren, inneren Lebensvollendung, obwohl es da noch zu öfteren Malen an allerlei Versuchungen keinen Mangel haben wird, die ihm zur Begehung einer oder der anderen leichten Sünde reizen werden.

Versteht er nun auch, mit allen seinen Sinnen dahin einen festen Bund zu schließen, daß sie sich von allen irdischen Anreizungen abwenden und sich pur dem rein geistigen Wesen zukehren, so ist das schon ein sicheres und lebenslichtvolles Zeichen, daß der innere Geist aus Gott die Seele ganz durchdrungen hat, und der Mensch befindet sich da im zweiten Grade der inneren, wahren Lebensvollendung.

In diesem Grade ist dem Menschen auch jene Stärke und Lebensfreiheit eigen geworden, daß er, weil er in seiner Seele ganz erfüllt ist mit dem Willen Gottes und nach demselben handeln kann, keine Sünde je mehr begehen kann; denn da er selbst rein geworden ist, so ist ihm auch alles rein.

Aber obwohl der Mensch da schon ein vollkommener Herr der gesamten Natur ist und die hellste Überzeugung in sich hat, daß er ummöglich mehr fehlen kann, da all sein Tun von der wahren Weisheit aus Gott geleitet wird, so ist und bleibt er dadurch doch nur im zweiten Grade der inneren Lebensvollendung.

Aber es gibt noch einen dritten und allerhöchsten Grad der innersten Lebensvollendung.

Worin aber besteht denn diese, und wie kann der Mensch sie erreichen?

Diese besteht darin, daß der vollendete Mensch, wohl wissend, daß er nun als ein mächtiger Herr der ganzen Natur ohne Sünde tun kann, was er nur immer will, aber dennoch seine Willenskraft und Macht demütig und sanftmütig im Zaume hält und bei jedem seinem Tun und Lassen aus der pursten Liebe zu Gott nicht eher etwas tut, als bis er unmittelbart von Gott aus dazu beordert wird, – was eben für den vollendeten Herrn der Natur auch noch eine recht starke Aufgabe ist, weil er in seiner vollen Weisheit allzeit erkennt, daß er nach dem in ihm selbst wohnenden Willen aus Gott nur recht handeln kann.

Doch ein noch tiefer gehender Geist erkennt es auch, daß zwischen dem sonderheitlichen Willen Gottes in ihm und dem freiesten und endlos allgemeinsten Willen in Gott noch ein großer Unterschied besteht, weshalb er seinen sonderheitlichen Willen ganz dem allgemeinsten göttlichen Willen vollkommen unterordnet und nur dann aus schon immer eigener Kraft etwas tut, wenn er dazu unmittelbar von dem alleinigen und eigensten Willen in Gott beordert wird. Wer das tut, der ist in sich zur innersten und allerhöchsten Lebensvollendung gelangt, welche da ist die Lebensvollendung im dritten Grade.

Wer diese erlangt, der ist auch völlig eins mit Gott und besitzt gleich Gott die höchste Macht und Gewalt über alles im Himmel und auf Erden, und niemand kann sie ihm ewig mehr nehmen, weil er vollkommen eins mit Gott ist.

Aber zu dieser höchsten Lebensvollendung, in der sich die Erzengel befinden, kann niemand gelangen, bevor er nicht den ersten und zweiten Grad der Lebensvollendung erlangt hat.

Es hat aber ein jeder Erzengel die Macht, alles das in einem Augenblick zu bewirken, was endlos alles Gott Selbst bewirken kann; aber dessenungeachtet wirkt doch kein Erzengel pur aus sich etwas, sondern erst dann, wenn er dazu von Gott Selbst beheißen ward. Darum bitten selbst die höchsten Erzengel Gott allzeit, so sie diese oder jene Mängel, besonders bei den Menschen dieser Erde, sehen, daß Gott sie beheißen möge, dieses oder jenes zu tun.

Sehet diesen Jüngling an! Er befindert sich im vollen dritten Grade der inneren Lebensvollendung, und sein Wille ist schon so gut wie eine vollbrachte Tat; aber er tut dennoch aus sich heraus und für sich nichts, sondern nur das, was Ich will. So Ich ihm aber sage: `Nun handle pur aus dir und für dich!`, so wird er dann auch das tun und zeigen, was in ihm ist.“

Sagten die Pharisäer: „So ist der junge Mensch schon einem Erzengel gleich; denn Dein Inneres solle ja eben die Fülle des puren Geistes Gottes sein?“

Sagte Ich: „Ja, ja, selig der, der das in seinem Herzen glaubt!“ (GEJ.07_155,01ff)

3

Wenn der Mensch alsogestaltig durch die Wiedergeburt zur wahren Kindschaft Gottes gelangt, in die er von Gott, dem Vater, oder von der Liebe in Gott förmlich eingeboren wird, so gelangt er zur Herrlichkeit des Urlichtes aus Gott, das da eigentlich das göttliche Urgrundsein Selbst ist; dieses Sein ist der eigentliche, eingeborene Sohn des Vaters also, wie das Licht in der Wärme der Liebe inwendig verborgen ruht, solange die Liebe es nicht erregt und aus sich hinausstrahlen läßt. Dieses heilige Licht ist sonach aber auch die eigentliche Herrlichkeit des Sohnes vom Vater, zu der jeder Wiedergeborene gelangt und allda selbst gleich wird dieser Herrlichkeit, die da ist ewig voll Gnade (Gottes-Lichtes) und voll Wahrheit, die da ist die wahre Wirklichkeit oder das Fleisch gewordene Wort. – – “ (GEJ.01_003,01)

4

Borems belehrende Worte über den Weg zur Seligkeit: „…Jeder muss der Demut engste Pforte passieren und muß dem Herrn alles anheim stellen. Nichts als die alleinige Liebe, mit der tiefsten Demut gepaart, darf uns bleiben! Uns darf nichts beleidigen. Wir dürfen nie denken und sagen, dies und jenes gebühre uns irgend mit Recht. Denn wir alle haben nur ein Recht, nämlich das Recht der Liebe und der Demut. Alles andere ist ganz allein des Herrn!

Wie aber der Herr Selbst Sich bis auf den äußersten Punkt gedemütigt hat, also müssen auch wir es tun, so wir dahin kommen wollen, wo Er ist!

Wer dir eine Ohrfeige gibt, dem erwidere sie nicht, sondern halte ihm noch die andere Wange hin, auf daß Friede und Einigkeit herrsche unter euch! Wer von dir den Mantel verlangt, dem gib auch den Rock dazu! Wer dich zu einer Stunde Geleit nötigt, mit dem gehe zwei Stunden, auf dass du ihm Liebe erweisest im Vollmaße! Den Feind segne, und bete für die, so dich verfluchen! Nie vergelte jemand Böses mit Bösem und Schlechtes mit Schlechtem, sondern tuet denen Gutes, die euch hassen – so werdet ihr wahrahft Kinder Gottes sein!

Solange ihr aber euer Recht irgend anderwärts suchet als allein nur im Worte Gottes, solange ihr noch der Beleidigung Stachel in euch traget, ja, solange ihr der Meinung seid, es geschehe euch in diesem oder jenem ein Unrecht – so lange seid ihr noch Kinder der Hölle und des Herrn Gnade ist nicht in euch.

Gottes Kinder müssen alles ertragen können, alles erdulden! Ihre Kraft sei allein die Liebe zu Gott und die Liebe zu ihren Brüdern, ob sie gut oder böse sind.

Wenn sie darin fest sind, dann auch sind sie vollkommen frei und fähig, in das Reich Gottes aufgenommen zu werden.“ (Bischof Martin. BM.01_068,17ff)

5

Jesus während der Beschreibung des geistigen Teils der Saturn-Religion: „…Es genügt für durchaus nicht, so da jemand allein das Vermögen hätte, Geister zu schauen, so, wie es bei euch auf Erden nicht selten der Fall ist, daß so manche Menschen dergleichen sie allzeit ängstigende und erschreckende Erscheinungen erschauen, davon aber dennoch nichts mehr begreifen und erfassen als ein Stockblinder von den Farben des Regenbogens. Sondern zur vollen oder wahren Wiedergeburt gehört nicht so sehr diese Hellsichtigkeit, als vielmehr die Bestimmtheit in jeder Handlung, d.h. daß sie so gestaltet ist, wie sie vom Uranbeginn begründet wurde in aller göttlichen Ordnung und Weisheit.

Wie und wann kann aber solches stattfinden? – Solches kann nur also und dann stattfinden, wenn der Geist durch die genaue Befolgung der vorgeschriebenen Wege Gottes sich zuerst aus der Materie rektifiziert (läutert), dann in einem Brennpunkt sich selbst wiedergefunden und endlich als ein solches nun in sich selbst bestehendes vollkommenes Ganzes oder als eine vollkommene Einheit hinausgetreten ist aus aller Sinnlichkeit der Materie und da seine neuen geistigen Sinne ganz entschieden und vollkommen geöffnet hat für die Eindrücke und Verhältnisse derjenigen Welt, von welcher er selbst ein ureigentümlicher Bewohner ist.

Hat der Mensch diese Stufe erreicht, dann beginnt in seinem ganzen Wesen eine andere Tätigkeit zu wirken. Sein Schauen wird ein anderes, sein Hören ein anderes, sein Fühlen, sein Empfinden ein anderes. Alle seine Gedanken werden zu Formen, die er schaut, und sein Wille wird zur vollbrachten Tat. Seine Worte werden bestimmt und einen sich mit dem Gedanken und mit dem Willen. Der Raum hat mit ihm nichts mehr zu schaffen, und der Zeitenlauf hat ihm die letzte Minute gezeigt. Denn im freien geistigen Sein hört, sieht, fühlt, empfindet, denkt, will, handelt und spricht er über Zeit und Raum hinaus, d.h. für ihn gibt es nur eine Gegenwart, in welcher sich eine ewige Vergangenheit und eine ewige Zukunft freundlichst die Hände bieten. Und seinem Auge ist ein der Sinnlichkeit nach endlos fernes Ding so nahe, wie sein eigener Gedanke… Zu der vollkommenen Erfüllung aber ist nicht nur die Notzüchtigung (notwendige Zucht) der eigenen Natur genügend, sondern alle diese ihm bekannten Bedingungen des Lebens müssen ihm zu einer ganz persönlichen Fertigkeit werden.

Erst wenn er in allem dem ein vollkommener Meister geworden ist, wird er in sich selbst frei, und alle seine Lebenskraft wird vereint ausgeboren aus aller seiner Sinnlichkeit. Wenn eine solche Ausgeburt geschehen ist, dann ist auch bei ihm das eingetreten, was euch schon bekannt ist unter dem Ausdruck der `Wiedergeburt des Geistes`.“  (Der Saturn. Sa.01_044,16)

6

Also muß ja notwendig ein jeder, der in das Leben seines Geistes eingehen will, sich täglich auf eine Zeitlange in die vollkommene Ruhe seines Geistes begeben und muß in dieser nicht etwa mit allerlei Gedanken umherschweifen, sondern er muß einen Gedanken nur fassen und diesen als ein bestimmtes Objekt unverwandt betrachten.

Der beste Gedanke ist hier freilich der Herr. Und wenn jemand solches mit Eifer und aller möglichen Selbstverleugnung fort und fort tun wird, so wird dadurch die Sehe wie das Gehör seines Geistes stets mehr und mehr an innerer Schärfe gewinnen, und nach einer eben nicht zu langen Zeit werden diese beiden Sinneswerkzeuge des Geistes so sehr erhöht werden, daß er mit der größten Leichtigkeit dort geistige Formen von der wunderbarsten Art erblicken wird, wo er vorher nichts als eine formlose Leere zu erschauen wähnte. Und so wird er auch mit eben der Leichtigkeit Töne und Worte vernehmen, wo ihm ehedem eine ewige Stille zu sein schien. Ich meine, ihr werdet mich verstehen, was ich euch damit habe sagen wollen…“ (GS.02_044,16ff)

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