„Ich hasse Jesus“: Die jüdisch-ethnischen Wurzeln des anglikanischen Kanonikers und linken Medienstars Giles Fraser

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Von Francis Carr Begbie, übersetzt von Deep Roots. Das Original The Jewish ethnic roots of Anglican Canon and left-wing media star Giles Fraser erschien am 28. April 2013 im Occidental Observer. (Bild von mir eingefügt.)

Wenn es um schamlose Eigenwerbung geht, dann können wenige dem prominentesten progressiven Kleriker der Church of England, Reverend Dr. Giles Fraser, das Wasser reichen.

Sekunden nachdem er über die Ziellinie des Londoner Marathons taumelte, twitterte der anglikanische Kleriker an die Welt, daß er dabei geholfen habe, Geld für ein Theaterprojekt in den Slums von Ghana aufzutreiben, das Prostituierte mittels getanzter Rollenspiele lehren würde, ihre Zuhälter zu verlassen.

Diese schmerzlich trendige Sache, fast schon jenseits der Parodie, war bei Giles Fraser nicht anders zu erwarten, dessen geschäftige und lukrative Karriere als Britanniens führender linker Medienpriester ihn zum prominentesten Kirchenmann des Landes gemacht hat.

Es ist heutzutage schwer, von Reverend Dr. Fraser und seinen linken Ansichten in den britischen Medien wegzukommen. Von seinen vielen Kanzeln im Guardian, im Evening Standard und allgegenwärtig in der BBC predigt er sein Evangelium der Political Correctness in der Unterstützung der Schwulenehe, lesbischer Bischöfe und des Multikulturalismus oder indem er darüber klagt, daß manche verbleibende Londoner Stadtviertel immer noch zu weiß seien.

Während der biblische Anteil seiner Predigten auf fast homöopathisches Niveau verdünnt ist, lieben ihn die Redakteure dennoch, weil sie wissen, daß der Gesegnete Giles immer halten wird, was er verspricht, wenn es darum geht, sich an das Narrativ des linksliberalen politischen Konsens zu halten.

Das heißt, zumindest bis zum 12. Juli letzten Jahres. Denn damals veröffentliche der Guardian eine Kolumne, die manche Leser beinahe zu einem Wutanfall veranlaßte.

In einem Artikel mit dem Titel This German circumcision ban is an affront to Jewish and Muslim identity [„Dieses deutsche Beschneidungsverbot ist ein Affront für eine jüdische und moslemische Identität”] kritisierte Giles Fraser eine Entscheidung eines deutschen Richters, die Beschneidung in einem außergewöhnlichen Fall eines jüdischen Kindes aus medizinischen Gründen gegen den Willen der Eltern zu verbieten.

Er schrieb: „Die Vorstellung, daß ausgerechnet die Deutschen darüber nachdenken sollten, jüdische Praktiken zu kriminalisieren… es sollte nicht einmal nötig sein, daß ich diesen Satz vollende.“

Der Artikel rief eine wütende Reaktion von Lesern hervor, die sagten, daß unnötige rituelle Genitalverstümmelung an einem Kind, das zu jung ist, um seine Einwilligung zu geben, an einem jüdischen Jungen nicht akzeptabler ist als an einem moslemischen Mädchen.

Aber er verwirrte auch viele. Wie konnte der normalerweise trittsichere Medien-Kirchenmann die verkündete Weisheit der herrschenden Kulturlinken so falsch eingeschätzt und mit seiner Botschaft so schlimm danebengegriffen haben?

Es war nicht so, daß er nicht zuvor schon umstritten gewesen wäre. Er sagte offen, daß er nicht daran glaube, daß Christus am Kreuz gestorben ist, um die Menschheit zu retten – für viele ein Eckstein des christlichen Glaubens -, und er weigert sich sogar, ein Kreuz zu tragen, und sagt, daß es Grausamkeit repräsentiere.

Was war also überhaupt so wichtig an einer rückständigen religiösen Prozedur, die von einer anderen Religion in einem anderen Land durchgeführt wurde? Warum wurde sie von diesem postmodernsten aller Kleriker verteidigt?

Die Antwort liegt in dem seltsamen Hintergrund von Giles Fraser selbst. Denn obwohl er ein Priester in der Church of England ist, wurde er als Jude geboren und selber nach jüdischem Brauch beschnitten, als er acht Tage alt war.

Er schrieb einmal:

Ich wurde vom Mohel auf dem Küchentisch meiner Großmutter in St. John’s Wood beschnitten, als ich acht Tage alt war. Es wurde nicht aus Gesundheitsgründen durchgeführt. Es war eine Identitätserklärung. Was immer mit der schlüpfrigen Identifikation gemeint ist „Jude zu sein” – mein Vater ist einer, meine Mutter nicht -, es hattte etwas damit zu tun.

Die Beschneidung kennzeichnete mich als dazugehörig. Jahre später, als meine Frau gegen die Beschneidung unseres neuen Sohnes war, weil sie grausam und unnötig sei, gab ich widerwillig nach. Intellektuell wußte ich, daß wenig „jüdisch sein“ zu beschützen übrig war. Immerhin war meine Frau keine Jüdin, und ich war ein christlicher Priester geworden. Halachisch gesehen ergab es keinen Sinn.

Trotzdem scheint es ihn weiter gequält zu haben.

Trotz all dem habe ich immer noch Schwierigkeiten damit, daß mein Sohn nicht beschnitten ist. Der Philosoph Emil Fackenheim, selbst ein Überlebender des Konzentrationslagers von Sachsenhausen, ist berühmt dafür, daß er den 613 Geboten der hebräischen heiligen Schriften ein neues 614. Gebot hinzugefügt hat: Du sollst Hitler keine posthumen Siege verschaffen. Diese neue Mitzwa bestand darauf, daß die Aufgabe der eigenen jüdischen Identität bedeute, Hitlers Werk für ihn zu tun. Juden ist von den Märtyrern des Holocaust geboten, als Juden zu überleben.

Meine eigene Familiengeschichte – von Miriam Beckerman und Louis Friedeburg, die zu Frasers wurden (eine Namensänderung, um dem Antisemitismus zu entkommen) über ihren Enkel, der zum Reverend Fraser wurde (lange Geschichte) bis zum unbeschnittenen Felix Fraser – kann als Verrat an diesem 614. Gebot gelesen werden.

All dies muß sicherlich einige aus seiner Kirchengemeinde in der heruntergekommenen Innenstadtpfarre St. Mary’s Newington im südlichen London verblüfft haben. Wer ist also Giles Fraser, und ist er Christ oder Jude?

Er enthüllte gegenüber der Jewish Chronicle, daß – während seine Mutter keine Jüdin war – die Familie seines Vaters prominente Nord-Londoner Juden waren, die seit dem 18. Jahrhundert in London gelebt hatten und im Board of Deputies aktiv gewesen waren. Sie änderten ihren Namen während des Zweiten Weltkriegs von Friedburg auf Fraser, um Antisemitismus zu vermeiden. Der Bericht der Jewish Chronicle merkte an, daß es seine Großmutter Miriam Beckerman nichts auszumachen schien, als er in seiner Zeit in Oxford zum Christentum konvertierte:

Meine Oma war ungemein stolz, als ich Kaplan von Wadham wurde. „Mein Enkel, der Priester“, pflegte sie zu sagen. Als ich an die Theologieschule ging, sagte sie: „Achte darauf, dein Hebräisch zu lernen!“ Ich leitete ihr Begräbnis. Ich tat es in einem Krematorium in Cambridgeshire, als ich als Priester arbeitete. Ich sagte Kaddisch.

Seine christliche Konversion fand in der unwahrscheinlichen Umgebung von einer von Englands exklusivsten Privatschulen statt, in Uppingham, als er sechzehn war. Er war ein „revolutionärer Kommunist“ im Teenageralter, der den atheistischen Philosophen Nietzsche zu studieren begann:

Nietzsche drang mit einem ganzen Spektrum neuer und aufregender Fragen in mein Bewußtsein ein. Ich nahm die gottesfeindliche Linie völlig als selbstverständlich an … Weil Nietzsche solch ein leidenschaftlicher Atheist war, war meine Abwehr gegen seine ungewöhnlich intensive Religiosität und seinen elliptischen Wunsch nach Erlösung ausgeschaltet. Was, wie ich annehme, der Grund dafür ist, daß die Gottesfrage unter meinem intellektuellen Radar einschlich.

Er erklärte später: „Nietzsches frommer Glaubensmangel führte zu meiner eigenen Konversion zum Christentum.“ Also alle Klarheiten beseitigt.

Über die Auflösung der Spannungen zwischen seinem jüdischen Hintergrund und seinen christlichen Rollen hat er gesagt:

Es ist ein innerer Kampf. Ich glaube nicht, daß es einen Weg gibt, sie aufzulösen. Ich lebe mit der Wunde. Es ist genauso sehr eine persönliche Geschichte darüber, wo man herkommt … Ich habe ein starkes Gefühl der Jüdischkeit des Christentums. Ich würde die hebräischen heiligen Schriften und die Theologie wahrscheinlich beträchtlich besser kennen als viele säkulare Juden der Welt. Insofern habe ich wahrscheinlich mehr mit den Rabbis gemeinsam. Ich identifiziere mich sehr stark mit Freunden, die Juden sind. Ich mußte kürzlich zusammen mit einem Rabbi eine jüdische Trauung durchführen. Jesus war Jude, und die hebräischen heiligen Schriften sind ein Teil der Christlichen Heiligen Schrift.

Ich möchte wirklich nicht „Juden für Jesus“ sein. Ich bin nur ein Priester, der zufällig einen jüdischen Hintergrund hat, mit einem starken Identitätsgefühl. Ich bin nicht im mindesten daran interessiert, Juden zum Christentum zu bekehren. Ein Teil von mir denkt, daß es wirklich falsch ist. Mir ist schmerzlich bewußt, wie Christen in falsche Konversionen und Pogrome verwickelt waren. Das Christentum hat eine lange Geschichte der Unterdrückung hinsichtlich Juden. Es erfand den Antisemitismus, daher kann ich das bei all der schändlichen Geschichte nicht akzeptieren, und es fällt mir schwer, das von all dieser Geschichte wegzuziehen.

Der Vorfall wegen der Beschneidung wäre nicht das erste Mal, daß er die traditionelleren Mitglieder der Church of England irritiert hat, die ihn als „großtuerischen Heuchler“ und „schamlosen Selbstdarsteller“ betrachten, der die Kirche als Plattform für Eigenwerbung benutzt hat.

Nirgendwo war dies klarer als bei seiner Einladung von Horden antikapitalistischer Protestler der „Occupy”-Bewegung auf die Eingangsstufen der St. Paul’s Cathedral, wo er bis 2011 Domherr war.

Traditionalisten fühlten, daß er die Unabhängigkeit von St. Paul’s durch seine Unterstützung von etwas gefährdete, das zu einem betrunkenen und drogenbetäubten Pöbel degenerierte. Als er seinen Rücktritt aus Protest gegen die Entscheidung, das Gebäude für die Protestierer zu sperren twitterte, sahen viele das als eine heroische Geste, und eine Facebook-Seite wurde eingerichtet, um Zeugnis für sein Opfer abzulegen.

Aber andere sahen es als bloß ein weiteres unnötiges, inszeniertes Manöver, das für die Fernsehkameras durchgeführt wurde. Auch seine Proteste, arm zu sein, klangen nicht plausibel, als seine Einkünfte so schnell stiegen wie seine Bekanntheit. In den Monaten nach seinem Abschied brachte er es auf acht gutbezahlte Auftritte im landesweiten Fernsehen oder Radio der BBC.

The Guardian sprang auch mit etwas ein, das zu einem Vollzeitjob wurde, das Schreiben einer Kolumne mit namens „Loose Canon“ und von Meinungskommentaren für die Zeitung.

Durch den Rücktritt war er finanziell ein gemachter Mann geworden. Die wöchentlichen Fernseh- und Radioauftritte in der BBC, der sechsstellig bezahlte Job beim Guardian, Gebühren für Ausbildungsberatung, die Gastprofessur an der London School of Economics – sie alle bedeuten, daß er in die Liga der Spitzenverdiener in der Church of England emporgeschossen ist und den Erzbischof von Canterbury locker überholt hat.

Nicht schlecht für einen bescheidenen Pfarrer, dem immer noch ein Gehalt bezahlt wird, der eine Gratisunterkunft im zentralen London, eine Pension der Church of England und eine Beihilfe bei Privatschulgebühren hat.

Trotz seines Posierens als Rebell hat Giles Fraser die Art von leichtem Vorankommen genossen, die man nur mit Geld und als privilegierter Insider haben kann.

Nach seiner teuren Privatschule hatte er eine ausgedehnte Periode in der akademischen Welt an einer Vielzahl von Universitäten, bevor er Kaplan wurde und dann Dozent in Philosophie am Wadham College in Oxford. Wikipedia sagt, daß er auch Bücher über Friedrich Nietzsche verfasst oder mitverfasst hat.

Nach dem Verlassen der akademischen Welt zog er den genau ausgesuchten Job eines Pfarrers in Putney an Land, einer der beachtetsten und gefragtesten Pfarren in London. Als er zum Domherrn der St. Paul’s Cathedral ernannt wurde, schien es, als hätte er endlich sein Potential ausgefüllt.

Aber ihm scheinen die Kompromisse und die Teamanstrengungen solch eines prominenten Jobs mißfallen zu haben, geschweige denn der Geistlichenkragen, mit dem er kaum jemals zu sehen ist.

Seine trinkfreudige und gesellige Persönlichkeit scheint weit besser zu den Medientypen zu passen, mit denen er oft beim Wettrinken in den Bars um den Guardian und die City of London gesehen wird.

Dem Vernehmen nach ein liederlicher und amüsanter Trinkgenosse, ist er nicht abgeneigt, bewundernd in das großzügige Dekolleté einer Journalistin zu spähen und zu fragen, ob ihre Brüste echt sind.

Bei all seiner Beliebtheit in den nationalen Medien ist jenseits der politischen Tendenz schwer zu erkennen, was seine Anziehungskraft ist. Seine verschwurbelten und gewundenen Kolumnen enthalten niemals irgendetwas Erinnernswertes. Seine Schreibe ist eine undurchsichtige und oft unverständliche Mischung aus Anekdoten, Psychogeschwätz und Selbsthilfe. Zu den typischen Beispielen gehört „man braucht seinen eigenen Hass, bevor man ihn überwinden kann“ und „Christen sollten zu Flashmobs der Hoffnung werden.“

Seine Kolumnen sind mit Verweisen auf Philosophen übersät, die von der Kulturlinken geliebt werden – John Rawls, Heidegger, René Gerard, Karl Marx und viele weitere. Die biblischen Verweise sind kaum zu sehen.

Was immer seine Mängel als Autor sein mögen, sein Geschick als freiberuflicher Geschäftsmann steht weniger in Zweifel. Er hat die Einsicht der Freiberufler gut gelernt, daß es viel profitabler ist, den Leuten zu sagen, was sie hören wollen, als der Überbringer unbequemer Wahrheiten zu sein.

Was treibt also Britanniens prominentesten religiösen Medienquälgeist an? Je genauer wir uns Giles Fraser ansehen, desto mehr häufen sich die Widersprüche. Er wirbt für die Schwulenehe, während er den Egoismus heterosexueller Heiratszeremonien verunglimpft.

Er hat offen gesagt, daß er nicht glaubt, daß Christus geopfert wurde, um die Menschheit zu retten – für viele ein Eckstein des christlichen Glaubens – und weigert sich, ein Kreuz zu tragen, weil er sagt, dass es Folter repräsentiert. Er feierte Ostern, indem er das Johannesevangelium als antisemitisch verdammte.

Kurz vor Ostern dieses Jahres gab er in seiner Kolumne eine weitere überraschende Erklärung ab:

Ich hasse Jesus. Ja, Sie haben richtig gelesen. Das tue ich. Ich hasse Jesus. Drei kleine Worte, von denen Sie vielleicht glauben, daß sie für jeden Christen unmöglich auszusprechen sind, besonders kurz vor Ostersonntag.

Es folgte ein langatmiger, verschwurbelter Artikel, in dem er zurückruderte und vielleicht gesagt haben könnte, daß er Jesus hasse, weil er seinen Maßstäben nicht gerecht werden könne – oder sowas.

An dieser Stelle könnte man fragen, ob Fraser ein Krypto-Jude ist, der seine Position in der anglikanischen Gemeinde dazu benützt, traditionelle christliche Lehren zu zersetzen – ein Phänomen, das tatsächlich eine lange Geschichte hat, die von der Spanischen Inquisition bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil reicht (siehe hier und hier). Und kürzlich kündigte ein schwedischer Bischof und Sproß der jüdischen Medienfamilie Bonnier eine Kampagne an, die christliche Texte von judenfeindlichen Verweisen säubern und das Alte und Neue Testament als einander bestärkend statt gegeneinander stehend darstellen sollte.

Auf jeden Fall ist ein Gebiet, auf dem Frasers Überzeugungen außer Zweifel stehen, linke Identitätspolitik. Er scheint viel glücklicher dabei zu sein, das Evangelium des Multikulturalismus zu predigen und erhöhte Vielfalt und offene Grenzen zu fordern.

Aber selbst seine Toleranz gegenüber anderen hat Grenzen. Beim Besuch eines traditionellen Kirchenfests in Kennington im südlichen London bewegte er sich um die mit dem Union Jack drapierten Stände und mischte sich unter die Pymms-trinkenden älteren Herren, konnte aber seine Abneigung nicht verbergen.

Man fühlt sich ungehobelt, wenn man kritisiert. Aber alles, was ich bemerken konnte, war, wie weiß das Ganze war“, schnaubte er.

Tatsächlich ist die falsche Art von Weißen, besonders die mit einer traditionellen Anschauung, garantiert das eine, das ihm gegen den Strich geht. Er hat eine besondere Abneigung gegen Evangelikale. Aus irgendeinem Grund scheint er eine tiefe Verachtung gegen sie zu hegen und spottet öffentlich über ihren Glauben an „Cheesus“.

Was immer die Wahrheit bezüglich seiner Überzeugungen ist, er hat die sichere Nase eines Schleimers dafür, wie die wahren Winde der Macht wehen – in Richtung unserer linken Kulturelite, und der Reverend Dr. Giles Fraser hat jedes Mal ihre Unterstützung bekommen.

Der ehemalige Erzbischof von Canterbury, Dr. Carey, entdeckte dies, nachdem er die kürzlichen Ausplünderungen und Strafverfolgungen von Christen als Verfolgung kritisierte. Dafür wurde der Ex-Erzbischof zum Ziel eines gemeinen und persönlichen Angriffs des Domherrn Fraser, der einer der ersten linken Kritiker war, die ihn angriffen.

So wie Giles Frasers Medieneinkünfte gewachsen sind, so ist anscheinend auch seine Verachtung der Kirche gewachsen, deren Mitglied er nominell ist.

Als er am „Occupy”-Protest gegen die NATO in Chicago teilnahm, twitterte er, daß die Church of England zu einer „nationalen Schande” geworden sei und immer „Fundamentalisten” nachgegeben hätte.

Und in seiner letzten Kolumne für die Church Times schrieb er:

Ich bemerke, daß ich immer weniger Respekt für die Führung (mangels eines besseren Wortes) einer Organisation habe, die oft wenig mehr zu tun scheint, als ihren eigenen Fortbestand anzustreben. In der Tat finde ich die schönfärberischen Erklärungen vieler Bischöfe schlicht peinlich.

Zum Rücktritt von Papst Benedikt twitterte er:

Es gibt keinen Papst mehr auf der Welt. Um ehrlich zu sein, wäre ich recht froh, wenn wir es dabei beließen.

Heutzutage scheint der Domherr es vorzuziehen, seine Energie in andere Bereiche zu stecken. Er schreibt gegenwärtig ein Buch über jüdische Assimilation im zwanzigsten Jahrhundert und nimmt Hebräischunterricht am University College. Er hat für eine jüdische Gruppe eine Diskussion über protestantischeKirchenund den Holocaust mitgeleitet und half einer anderen, die Jüdische Buchwoche zu präsentieren.

Antisemitismus beschäftigt ihn neuerdings sehr. Während einer kürzlichen Tour durch die Synagogen Ungarns sprach er davon, daß das Gespenst des Judenhasses wieder zum Vorschein komme – nicht von Islamisten, betonte er, sondern von der einheimischen weißen Bevölkerung.

In einer langen Meditation über den Gründer des modernen Zionismus, Theodor Herzl, schrieb er:

Ich bin ein Zionist. Theodor Herzls „Der Judenstaat. Versuch einer modernen Lösung der Judenfrage“ in einem Budapester Café wieder zu lesen, gegenüber der erstaunlich schönen Synagoge in der Dohány-Straße, fühlt sich wieder einmal so aktuell an. Herzl wurde 1860 im Haus neben der Synagoge geboren und hatte dort seine Bar-Mizwa. … Vieles von dem, was er vorhersagte, entwickelte sich nicht so, wie er erwartete. „Die Juden hätten, wenn sie sich einmal in ihrem eigenen Staat niedergelassen hätten, wahrscheinlich keine Feinde mehr“ war eine seiner naiveren Vorhersagen. Aber Herzls Gefühl, daß selbst assimilierte Juden nicht immer durch ihre Integration in die umgebende Gesellschaft geschützt sind, war gut getroffen.

Eines Tages lehnte der Kleriker an der Bar in einem Pub, als er ein Schauspiel sah, das sein Herz mit Freude erfüllte.

Tausende Moslems sammelten sich in Scharen entlang der Straßen des Londoner East End und beantworteten den Ruf des Muezzin zum Gebet, der vom Dach der größten Moschee in der Stadt herunterheulte. Als er sich mit dem Vorsitzenden der Moschee traf, entdeckte er, daß ihre Gemeinden vieles gemeinsam hatten. Beide haben unter dem Rassismus der einheimischen weißen Engländer gelitten:

[Ich] erkläre Dr. Bari, daß ich eine jüdische Familie habe. Juden und Moslems sind im East End auf ähnliche Probleme gestoßen. Früher waren es Mosley und seine Faschisten, und jetzt ist es die EDL [English Defence League]. Es ist eine Wiederholung.

Und da führt er mich hinaus, um mir die kleine Synagoge in der Field Street zu zeigen, die sich an den Busen der Moschee schmiegt. Auf einer Seite wird ein riesiges neues islamisches Frauenzentrum gebaut, das nach der Mutter von Jesus benannt ist.

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