Charakterwäsche

Eine Besprechung von Caspar von Schrenck-Notzings Buch Charakterwäsche. Die Re-education der Deutschen und ihre bleibenden Auswirkungen. Leopold Stocker Verlag (Ares-Verlag), Graz-Stuttgart: 2004, Erweiterte Neuausgabe
, 328 Seiten, 19.90 Euro, ISBN 3-9024 75-01-3.  Von Reinhard Uhle-Wettler (Quelle: Deutschland Journal 2007).

CharakterwäscheDer Autor ist Publizist, bekannt durch zahlreiche politische Bücher. Er gründete 1970 die lange Jahre hoch angesehene konservative Zeitschrift „Criticon“, deren Herausgeber er bis 1997 war. Rechtzeitig zum „Gedenkjahr 2005“ anläßlich der 60. Wiederkehr der Kapitulation der deutschen Wehrmacht und der damit verbundenen geschichtspolitischen Aktionen deutscher Gesinnungsethiker hat der Leopold Stocker- Verlag das Standardwerk der Umerziehung durch die amerikanischen Besatzer neu herausgegeben.

Das ist angesichts des totalitären geistigen Klimas in Deutschland und Österreich eine mutige und sehr verdienstvolle Tat. Geht es doch um nichts Geringeres als die Tatsache, daß die meisten Deutschen mit dem Programm der Sieger im Kopf herumlaufen und dieses erbittert gegen jede „Programmpflege“ im Sinne von

Korrektur und Verbesserung verteidigen. Geschichtsrevision wird bekanntlich hierzulande als Revisionismus im gleichen Atemzug mit Rechtsextremismus genannt.

Um es vorweg zu nehmen, der Autor läßt expressis verbis keinen Zweifel: „Die Umerziehung der Deutschen ist erfolgreich abgeschlossen.“ Sie begann, dies war dem Rezensenten neu, schon im und nach dem I. Weltkrieg, erreichte mit tatkräftiger Unterstützung deutscher Emigranten im und nach dem II. Weltkrieg ihren Höhepunkt und hat sich – dem Wandel der politischen Verhältnisse angepaßt – als Selbstläufer (self-re-education) bis zum heutigen Tage wirkmächtig erhalten. „Das Ziel der Umerziehung war … den deutschen Volkscharakter einschneidend zu verändern, damit die politische Rolle Deutschlands in Zukunft unter Kontrolle gehalten werden könne.“ Ein Heer von Militärs, Wissenschaftlern, Literaten, Politikern und Geheimdienstleuten war über Jahrzehnte in zahlreichen hochfinanzierten Organisationen mit dieser Aufgabe beschäftigt. Es bediente sich dabei neben den üblichen Mitteln von Gewalt und Zwang (automatischer Arrest, Berufsverbot, Kriegsverbrecherprozesse einschließlich Todesstrafe usw.) der Informationskontrolle und vor allem wissenschaftlicher Methoden der Beeinflussung durch Psychologie und Soziologie oder anders: sozialpsychologischer Techniken. Führend auf diesem Gebiet war das unrühmlich bekannte Frankfurter Institut für Sozialforschung. Natürlich machte die „Charakterwäsche“ gerade auch vor Kunst und Kultur nicht halt. Ein durch den Sender Phoenix ausgestrahlter Film: „germany made in USA“ bestätigte diesen Sachverhalt eindrucksvoll. Heutzutage wundert sich der uninformierte „Normalbürger“ über die Diktatur der sogenannten „political correctness“, Zensur durch Totschweigen, „Trauerarbeit“ mit Erweckungs-/ Erlösungscharakter sowie Isolation z.B. durch Verdächtigungen der Verfassungsschutz- berichte.

Das entspricht der Konzeption der „indirect rule“, die auf der Kolonialerfahrung der Briten beruht. Sollte da etwas schief laufen, kann man auf den sehr auslegungsfähigen § 130 StGB Volksverhetzung oder notfalls, wie im Falle des unbotmäßigen Abgeordneten Martin Hohmann auf eine Anzeige des Zentralrates der Juden bauen.

Hochinteressant ist die Bedeutung des Zeitfaktors. Die Umerziehung war auf lange Sicht angelegt. Ein Zeitraum von etwa 20 bis 30 Jahren erschien angemessen! Das entspricht etwa einer Generation.

Das Studium des anschaulich und übersichtlich abgefaßten Buches erfordert allerdings einige Anstrengung, da es eine Fülle gut belegter Fakten und Zitate enthält, über die der Leser nachdenken muß, um sie richtig einzuordnen. Zahlreiche Anmerkungen über Stimmen und Literatur besonders aus dem englischsprachigen Raum und zugänglichen Archiven der Sieger belegen die außergewöhnliche Quellenkenntnis des Autors.

Die Aktualität des Buches wird durch die in der Neuausgabe eingefügten Schlußkapitel: Von New York nach Berlin, eine intellektuelle Luftbrücke; Vergangenheitsbewältigung; Der sogenannte Historikerstreit; Die Re-education – von der Propaganda zur Politischen Kultur aufschlußreich bewiesen. Im Abschnitt „Der politische Krieg“ berichtet der Autor über ein Buch des amerikanischen Professors und Geheimdienstmannes James Burnham: „The Struggle fort he World“ von 1947(!), in dem es um die Auseinandersetzung mit der Sowjetunion geht. „ Die USA sollten in den >Dritten Weltkrieg< mit einer weltweiten Propagandaoffensive eintreten. Ziel dieses Krieges zwischen der >Freiheit< und der >totalitären Sklaverei< dürfte nicht der Frieden sein, sondern nur der Sieg. Obsolete Vorstellungen, wie von dem >gleichen Recht der Nationen< und dem Verbot der Einmi- schung in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten, müßten fallen. Die USA solle bereit sein, ihre Interessen mit Gewalt durchzusetzen.“ Das klingt wie ein Leitfaden für den derzeitigen Präsidenten George W. Bush und könnte auch dem Buch des bekannten Professors Zbigniew Brzezinski „Die einzige Weltmacht“ entnommen sein.

Wer das alles gelesen hat, dem kommen Zweifel über die politische Kompetenz unserer wirklichkeitsfremden politischen Klasse. Ihre Naivität und mangelnde politische Begabung wird ganz offensichtlich maßgeblich vom Programm der Umerziehung gesteuert, das wohl weitgehend unbekannt geblieben und darum um so wirkungsvoller ist.

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