Rassismus – Die kuriosen Ursprünge eines nutzlosen Wortes

Der englische Originalartikel von Samuel Francis erschien unter dem Titel The Origins of ‘Racism’ – the Curious Beginnings of a Useless Word in der Ausgabe  Vol.10, No.5, Mai 1999 von American Renaissance. Übersetzt von Osimandia, Zitate aus einer ursprünglich auf deutsch erschienen Abhandlung wurden rückübersetzt. Links und Bilder stammen nicht aus dem Originalartikel, sondern wurden bei der Übersetzung eingefügt. 

racistDas Oxford English Dictionary ist ein vielbändiges Grundlagenwerk, das eines der bemerkenswertesten Errungenschaften westlicher Gelehrsamkeit darstellt – das Standard-Wörterbuch der englischen Sprache auf der Grundlage “historischer Prinzipien”. Anders als die meisten Wörterbücher liefert das OED auch Informationen über das erste historische Auftreten und den erstmaligen Gebrauch von Wörtern. Die  Spannbreite der Gelehrsamkeit im OED ist oft erstaunlich, aber für Leser von American Renaissance ist einer der interessantesten Einträge der zum Wort “Rassismus”.

Gemäß der zweiten Ausgabe des OED (von 1989) stammt der früheste bekannte Gebrauch des Wortes “Rassismus” im Englischen aus einem 1936 erschienenen Buch des amerikanischen “Faschisten” Lawrence Dennis mit dem Titel “The Coming American Fascism”.

Der zweite Gebrauch des Begriffs in der englischen Sprache, den das OED anführt, ist der Titel eines Buches, das zwischen 1933 und 1934  auf deutsch geschrieben wurde, das aber erstmalig 1938 ins Englische übersetzt und veröffentlicht wurde: “Racism” von Magnus Hirschfeld, übersetzt von Eden und Cedar Paul.

[Anm.d. Ü.: Ich belasse den Buchtitel in englisch, weil die deutschsprachige Abhandlung Hirschfelds nicht den Titel “Rassismus” trug. Ich konnte bisher nicht rausfinden, wie er sie nannte, aber auf einigen der englischen Seiten, die diesen Artikel nachveröffentlicht haben, wird “interessierten Investigatoren” empfohlen, das zu recherchieren. Das Buch selber ist auch in englisch selten und schwer erhältlich – Amazon.uk bietet genau ein gebrauchtes Exemplar für 150 Pfund an. Eine offenbar kritische Abhandlung mit dem Titel “Magnus Hirschfeld: The Man Who Invented “Racism“ and His Evil Legacy“ von Alexander Baron ist so gut wie gar nicht mehr erhältlich. Eine antiquarische Online-Buchhandlung vermeldet das letzte Auftauchen eines gebrauchten Exemplars im April 2011.]

Da Hirschfeld vor der Veröffentlichung von Dennis’ Buch im Folgejahr verstarb und das Wort in seinem Buch bereits ausgiebig benutzt hatte, erscheint es nur fair, ihn und nicht Dennis als den Urheber des Wortes “Rassismus” anzuerkennen. [Anm. d.Ü.: Lt. Wikipedia konnte Lawrence Dennis deutsch, kann also Hirschfelds Abhandlung durchaus vor der Übersetzung gelesen haben]. Im Falle des Adjektivs “rassistisch” schreibt das OED den ersten bekannten Gebrauch Hirschfeld selbst zu.

Wer war Magnus Hirschfeld, und was hatte er uns über “Rassismus” zu sagen?

Magnus Hirschfeld

Magnus Hirschfeld

Magnus Hirschfeld war ein deutsch-jüdischer Medizinwissenschaftler, dessen Hauptwerk das war, was später als “Sexologie” bekannt wurde – wissenschaftliche Studien über Sex. Wie Havelock Ellis in England und Alfred Kinsey in den USA war auch Hirschfeld nicht nur einer der ersten, der systematisch Information über Sexualität zusammentrug, sondern auch ein Apostel der sexuellen “Befreiung”. Sein Hauptwerk waren Studien zu Homosexualität, er veröffentlichte aber auch viele Bücher zu anderen Themen, sowie Monographien und Artikel, die sich mit Sex befassten. Er schrieb eine fünfbändige Abhandlung über “Sexologie” sowie rund 150 weitere Werke und war an der Produktion von fünf Filmen über das Thema beteiligt. Es ist nur fair, festzuhalten, dass hinter seinen Werken die Absicht stand, eine Botschaft zu vermitteln – und zwar die, dass die traditionelle christliche und bürgerliche Sexualmoral unterdrückerisch, irrational und heuchlerisch sei, und dass die Emanzipation von ihr einen großen Schritt nach vorne bedeuten würde. Seine bewundernden Übersetzer Eden und Cedar Paul schreiben in ihrem Vorwort zu “Racism” von seinem “unermüdlichen Engagement für das Anliegen von Personen, die aufgrund der Tatsache, dass ihre Sexualhormone auf ungewöhnliche Art funktionieren, von ihren glücklicheren Mitmenschen verfolgt werden.” Lange vor der “sexuellen Revolution” in den 1960er Jahren führte Magnus Hirschfeld einen Kreuzzug für die “Normalisierung” der Homosexualität und anderen abnormalen sexuellen Verhaltensweisen. Hirschfeld war Gründer eines Instituts für Sexualwissenschaften in Berlin und trug dazu bei, die “Sexologie” auf internationaler Ebene zu organisieren. 1922 wurde er in München von Antisemiten angegriffen und beinahe dabei getötet. Im Mai 1933 schlossen die Nazis sein “Institut für Sexualwissenschaften” und Hirschfeld floh nach Frankreich, wo er bis zu seinem Tod im Jahr 1935 blieb.

Sein Buch “Racism” widmet sich weitgehend einer hochpolemischen “Widerlegung” einiger der grundlegenden Rasseideologien des 19. und 20. Jahrhunderts. Die Autoren, die Hirschfeld kritisierte, waren neben seiner Lieblingszielscheibe, den Nationalsozialisten selbst, Personen wie Arthur de Gobineau, Georges Vacher de Lapouge, Houston Stewart Chamberlain und andere, die üblicherweise als “Pseudowissenschaftler” bezeichnet werden. Tatsächlich ist dieser Begriff aber unangemessen. Einige von ihnen erhoben überhaupt nicht den Anspruch, als Wissenschaftler zu schreiben, sondern als politische Theoretiker, während für andere der Begriff “vorwissenschaftliche” Autoren zum Thema Rasse besser geeignet ist, da sie mit unzureichenden Informationen, Konzepten, Methodiken und Terminologien arbeiten mussten. Während Hirschfeld möglicherweise richtig damit lag, ihre gröberen Fehler zu verwerfen, ist sein Höhnen über sie aufgrund  dieser Fehler so, als ob man Kopernikus und Kepler dafür verhöhnen würde, dass sie einige irrige Vorstellungen aus der mittelalterlichen Astronomie beibehalten hatten.

Selbst wenn Hirschfeld mit seiner Kritik an den frühen Rassetheoretikern recht gehabt haben sollte, liegt das oft daran, dass er leichte Ziele gewählt hat. Seine “Widerlegung” des “Rassismus” besteht weitgehend aus irrelevanten Gemeinplätzen, die selbst von extremen Anhängern der These rassischer Unterschiede als Selbstverständlichkeit  akzeptiert werden – dass alle Menschen Teil einer Spezies sind und miteinander Nachkommen zeugen können, dass Bluttransfusionen zwischen verschiedenen Rassen möglich sind, dass es “etwas wie eine vollkommen reine Rasse nicht gibt”, dass die Rassen in der großen Mehrheit ihrer physischen Merkmale gleich sind, dass die Größe des Gehirns keinen bedeutsamen Hinweis auf Intelligenz oder Charakter zulässt, usw. Seine “wissenschaftliche” Beweisführung ist häufig lediglich anekdotische Evidenz oder schlicht und einfach seine persönliche Meinung, die er als unumstrittene Wahrheit präsentiert.

Gedenktafel am Magnus-Hirschfeld-Ufer in Berlin gegenüber dem Bundeskanzleramt.

Gedenktafel für Magnus Hirschfeld und andere am Magnus-Hirschfeld-Ufer in Berlin gegenüber dem Bundeskanzleramt. Zur feierlichen Enthüllung der zwei Betonblöcke hatte der Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg den Staatssekretär für Kultur André Schmitz, die Vorsitzende der Jüdischen Gemeinde zu Berlin Lala Süskind, Dr. Günter Grau von der Magnus-Hirschfeld-Gesellschaft und Axel Hochrein vom Vorstand der Hirschfeld-Eddy-Stiftung als Festredner geladen. Zur Frage, wer das Monument bezahlt hat, gibt vermutlich ein Blick in den Spiegel Auskunft.

In einem Kapitel zählt er die Namen derer auf, die er für die 70 herausragendsten Figuren der Weltgeschichte hält, und verkündet, dass alle derartigen Listen, wenn sie ohne Voreingenommenheit erstellt werden, zeigen, dass sich Genies und andere Personen von herausragendem Talent nicht im geringsten bezüglich ihrer Augenfarbe oder einer bestimmten Schädel- oder Nasenform oder irgendwelcher anderer ‘ethnologischer’ Merkmale vom Rest unterscheiden. Das Bestimmende bei Menschen sei nicht Rasse sondern Individualität. Es scheint Hirschfeld nicht aufzufallen, dass alle bis auf 8 oder 9 dieser 70 welthistorischen Figuren weiße Europäer sind. Es sind keine Neger auf seiner Liste und nur zwei Asiaten (Konfuzius und Sun Yat Sen).

Es ist interessant, dass Hirschfeld bei all seiner Geringschätzung des Konzepts des “Rassismus”  nicht ein einziges Mal IQ-Studien oder die beträchtlichen psychometrischen Forschungsergebnisse über Rassen erwähnt, die auch schon in den 1930er Jahren vorlagen. Der Großteil von Hirschfelds Polemik zielt auf die Verfechter innereuropäischer Rassenunterschiede (nordisch, alpin, mediterran, dinarisch usw.) und nicht auf die Unterschiede zwischen Weißen und anderen Großrassen, obwohl er die letzteren Unterschiede ebenfalls entschieden leugnet.  Merkwürdigerweise zitiert er das Werk von Franz Boas und dessen Schüler gegen “Rassismus” nicht, obwohl diese Arbeiten im damaligen Europa verfügbar waren. Er bezieht sich auch nicht ausdrücklich auf die Ideen der Frankfurter Schule, obwohl Hirschfelds eigene Behauptung, dass “Rassismus” in Angst, mangelndem Selbstbewusstsein und anderen sozialen und psychologischen Pathologien begründet ist, den Ideen, die von der Frankfurter Schule formuliert wurden, sehr ähnelt. Er scheint sich auch trotz seines eigenen jüdischen Hintergrunds und der Bedrohung der Juden durch die Nazis nicht mit Antisemitismus zu beschäftigen; in ein oder zwei Passagen kritisiert er Juden für deren eigenen Ethnozentrismus und wirft den Zionisten vor, einen neuen “Rassenhass” zwischen Juden und Arabern verursacht zu haben. Darüberhinaus ist Hirschfeld ein entschiedener Verteidiger der Eugenik, allerdings nicht entlang rassischer Trennlinien, und befasst sich in einem kurzen Kapitel auch mit einer Unterscheidung, die er “Gobinismus oder Galtonismus” nennt – das heißt, er greift darin die Vorstellungen des französischen “Rassisten” Arthur de Gobineau an und verteidigt die von Francis Galton, der den Begriff “Eugenik” prägte und der Pionier dieser Entwicklung war. Heute werfen die meisten “Rassismus”-Kritiker Galton und Gobineau in einen Topf anstatt zwischen ihnen zu unterscheiden.

Als ernstzunehmende Kritik der Sichtweise, dass gesellschaftlich signifikante Unterschiede zwischen den Rassen existieren, versagt Hirschfelds Buch, und selbst als Polemik gegen die eher politischen und unbestätigten Behauptungen, die vor ungefähr einem Jahrhundert aufgestellt wurden, ist es schwach. Die Bedeutsamkeit des Buches liegt jedoch nicht so sehr in seinem Inhalt, als vielmehr darin, was es uns über das Wort “Rassismus” erzählt und wie die Feinde des weißen Rassebewusstseins es für ihre eigenen Zwecke entwickelt und angewandt haben.

Hirschfeld bezeichnet seine eigenen politischen Ideale als “Panhumanismus”, eine Form des politischen, kulturellen und rassischen Universalismus. Die Übersetzer Eden und Cedar Paul schreiben “Wir sind der Ansicht, dass die Leser von ‘Rassismus’ seine sehr ausgeprägte Orientierung zur politischen Linken bemerken werden… [Hirschfeld] war jemand, der voll begriffen hat, dass eine sexuelle Reform ohne eine vorangehende wirtschaftliche und politische Revolution unmöglich ist.”

In seinem Buch “Racism” liefert Hirschfeld etwas, was in seinem Kern eine Definition von “Panhumanismus” ist: “Wie eng auch immer die Bande der Nachbarschaft, Gemeinschaft, Familie oder die eines gemeinsamen Wohnortes, einer gemeinsamen Sprache und Bildung, der Nation und des Landes sein mögen, kann das Individuum nur eine einzige verlässliche Einheit finden, in der es nach dauerhafter spiritueller Blutsverwandschaft streben kann – die der Menschheit als Ganzes, die der gesamten menschlichen Rasse.” Mit einer einzigen Ausnahme ist er gnadenlos in seiner Anklage gegen ethnozentrische Loyalitäten gegenüber Nationen, Rassen und Kulturen: “Immer und überall außer in Sowjetrussland: Fremdenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit, Fremdenfeindlichkeit.” Später informiert er uns: “Es mag zu früh sein, davon zu sprechen, aber vielleicht ist das Problem von Nationalitäten und Rassen bereits auf einem Sechstel der Erdoberfläche gelöst worden [das heißt in Stalins Russland].”

“Rassismus” ist also ein Begriff, der seinen Ursprung innerhalb der politischen Linken  hat, und ist so definiert und mit Bedeutungen versehen, wie es die Linke haben will, sodass er von Unterstützern eines weißen Rassebewusstseins zu keinem konstruktiven Zweck benutzt werden kann. Jeder, der den Begriff dazu benutzt, sich selbst oder seine eigenen Ansichten zu beschreiben, hat zugelassen, sich auf feindliches Territorium locken zu lassen, und die Debatte bereits verloren. Er mag versuchen, das Wort anders zu definieren, aber er wird den Großteil seiner Zeit damit verbringen müssen, zu erklären, dass er damit nicht das meint, was alle anderen damit meinen. Als Begriff, der dazu geeignet ist, die Ideen ernsthafter Anhänger weißen Rassebewusstseins zu kommunizieren, ist er nutzlos, und es war die Absicht derer, die ihn entwickelten, dass er für diesen Zweck nutzlos ist.

Modisches Schimpfwort

Modisches Schimpfwort ohne objektiven Bedeutungsinhalt

Wenn man verstanden hat, dass  der Ursprung des Wortes “Rassismus” in Hirschfelds Polemik liegt, wird allerdings klar, dass der Begriff für jeden anderen Zweck nutzlos ist. Niemand scheint je das Wort dazu benutzt zu haben, seine eigenen Ideen oder solche, mit denen er übereinstimmt, damit zu beschreiben; das Wort ist immer nur von den Feinden der Ideen, die es zu beschreiben vorgibt, benutzt worden, und hat daher keinerlei objektiven Bedeutungsinhalt außer Polemik. Wenn niemand seine eigenen Ideen als “Rassismus” bezeichnet und das Wort ausschließlich dazu gebraucht wird, eine Sammlung von Vorstellungen zu beschreiben, die angeblich unwahr und böse sind, dann hat es keinen anderen Wert als den, ein modisches Schimpfwort zu sein, dessen Zweck einfach nur ist, jeden zu dämonisieren, der die Ideen ausdrückt, die es vorgibt zu beschreiben.

Es ist unmissverständlich klar, dass Magnus Hirschfeld selbst tiefe ideologische, berufliche und persönliche Animositäten gegen diejenigen hegte, für die er das Wort nutzte, und diese Animositäten galten möglicherweise sogar der gesamten Gesellschaft, die er seine ganze Karriere hindurch mit sexueller Unterdrückung verband, und die er durch eine Art globalen Kommunismus unter dem Etikett “Panhumanismus” ersetzt sehen wollte. Was auch immer die Fehler oder Verdienste seiner Polemik gegen “Rassismus” sein mögen, seine eigene Gegnerschaft gegenüber Rassebewusstsein war weder ganz rational noch unbefangen. Es wird Zeit, dass die Feinde rassischen, nationalen und kulturellen Bewusstseins wie Hirschfeld und die Frankfurter Schule aufhören, zu behaupten, sie hätten das Monopol auf rationales Denken und geistige Gesundheit, und dass die Obsessionen und Motivationen, die ihre eigenen Ideologien und ihr politisches Verhalten formen, derselben sorgfältigen Überprüfung unterworfen werden, die sie gegenüber den Gesellschaften und Völkern pflegen, die durch ihre Denkweise zerstört werden könnten.

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