Zitatesammlung zur „Neuen Weltordnung“

Von Axel B. C. Krauss

(Unter dem Titel Die FAZ über Eberhard Hamer: Gepfeffertes Geschichtsgraffiti für Studienabbrecher am 26.03.2013 auf der Netzseite von eigentümlich frei veröffentlicht)

Plädoyer eines rechtspopulistischen Spinners für einen Professor

„Pfefferspray und Pumpernickel für den Ernstfall“, so lautete die Überschrift einer peinlichen Diffamierungssudelei aus der Feder von Johannes Pennekamp, veröffentlicht im Wirtschaftsteil der „FAZ“ am 23. März dieses Jahres.

Professor Eberhard Hamer, so der „FAZ“-Journalist, vertrete ein krudes Weltbild. Pennekamp: „Eine Weltregierung aus wenigen wohlhabenden amerikanischen Familien habe einst den Plan ausgeheckt, sich die Welt untertan zu machen. Ihr Ziel sei es, Staaten mit Geld zu überschwemmen und zu tributpflichtigen Schuldnern zu degradieren. ‚Noch nie ist so ein mächtiges Weltreich über 200 Länder erschaffen worden‘, behauptet Hamer, der bis Sommer 1994 an der Fachhochschule Bielefeld als Professor für Wirtschaft und Finanzpolitik tätig war und heute als Vorstand des Mittelstandsinstituts Niedersachsen e.V. fungiert. Hinter dem Verschwörungsszenario stecken in Hamers Augen Bankiersfamilien, ‚die Rothschilds‘, ‚die Rockefellers‘. Mal erklärt er die ‚Weltregierung der US-Hochfinanz‘ für das Böse, mal sind es die geistigen Kinder der Kommunisten, die heute im ‚Politbüro in Brüssel‘ eine Diktatur ausübten. Warum Politiker und Medien dabei mitspielen? Sie seien nichts anderes als Marionetten eines ominösen Geheimbundes. Wenn sie Befehlen nicht oder nur zögerlich folgten, so wie die Bundespräsidenten Köhler und Wulff, würden sie abgesägt oder ausgetauscht, behauptet der 80 Jahre alte Redner, der sich durch die Ereignisse der Krise in seinen Ansichten bestätigt sieht. Wie all die anderen im Raum signalisiert er Zustimmung zu einem Weltbild, das in sich geschlossen ist und viele einfache Erklärungen liefert – solange man den größten Teil der Welt einmal ausblendet und keine Berührungsängste mit längst überwunden geglaubten Ressentiments hat.“

So weit zum üblichen Beinchenheben an Abweichlern und Zweiflern oder Fragenstellern aller Art, die ihre geistigen Kompetenzen noch nicht vollständig den Jurys von Castingshows übertragen haben. Das war übrigens auch in einem übertragenen Sinne gemeint. Man ist den Kummer ja gewohnt, auch die dreikäsehohe Schnoddrigkeit und Impertinenz, die sich weniger aus überprüfbaren, stichhaltigen Gegenargumenten als aus sich canyonartig erstreckenden Bildungslücken in Sachen Wirtschafts- und Politikgeschichte auf amerikanisch-nationaler sowie internationaler Ebene speisen. Denn so krude, wie Pennekamp es sich erträumt, sind Hamers Ansichten beileibe nicht. Dazu gleich mehr.

Zunächst eine kleine Korrektur oder Ergänzung, was Hamers Vorwurf an die Massenmedien betrifft. Zwar gibt es dort durchaus auch Marionetten, wie zum Beispiel ein Artikel der „Deutschen Wirtschafts Nachrichten“ vor kurzem dankenswerterweise  offenlegte, indem er auf die Einbindung einiger deutscher Top-Journalisten in „NATO-affine Strukturen“ einging. Wodurch sich auch schon ganz prima das unübersehbare komödiantische Talent mancher deutschen Zeitungsimitate zum Erzählen von Qualitätswitzen im Interesse demokratievernarrter Bombenteppichhändler, über Geheimdienstkanäle operierender Freiheitswaffenlieferanten, staatlich zertifizierter Terroristenzüchter und anderer selbstloser Menschenrechtsmakler erklären lässt. Dazu gleich ein erstes Zitat von Mahatma Gandhi: „Welchen Unterschied macht es für die Toten, die Waisenkinder und die Obdachlosen, ob dieser Wahnsinn der Zerstörung im Namen von totalitären Staaten oder unter dem heiligen Namen von Freiheit und Demokratie durchgeführt wird?“ Nun ist der Mahatma schon vor längerer Zeit verschieden und kann diese Worte daher leider nicht mehr der aktuellen Kriegsgeilheit höchstpersönlich hinter die Schweinsöhrchen schreiben. Sehr schade. Man stelle sich vor, wie dieser Selbstdenker von Format in einer Talkshow mit deutschen Politpudeln, Unterschriftenleistern, Grüßaugusteln, Abnickern, Gleichstromschwimmern, Märchenerzählern und anderen Ferngesteuerten diskutiert, die bekanntlich woanders denken lassen. Zum Beispiel  im AFRICOM in Stuttgart, bei den Deutschlandchefs von Goldman Sachs und JP Morgan oder in der Sesamstraße, um ihren begrenzten Wortschatz hin und wieder durch topaktuelle Modewörter zu bereichern („Populismus!“).

Allerdings darf man dabei nicht vergessen, dass wir es in Deutschland schließlich auch mit einem hocheffizienten öffentlichen Schul- und Bildungswesen zu tun haben, das weit überdurchschnittlich gut ausgebildete Zeitgenossen produziert, von denen nur die Allerbesten es auf die heiligen Flure und in die geweihten Redaktionsbüros derjenigen schaffen, die mit den Leitwölfen heulen beziehungsweise den Joint Chiefs nach der Trillerpfeife schreiben. Es sind ja nicht alle Marionetten, sondern manche im Erzählen von Wirtschafts- und Politthrillern mit internationalem Flair ganz einfach nur Pfeifen. Dafür aber können sie nichts, da man ihnen ihr ganzes Leben lang wertvolle historiographische Literatur und sich redlich mühende Aufklärungsarbeit in Sachen „Verschwörungen“ oder „Geheimgesellschaften“ mit der Begründung madig machte, Autor all dieser Bücher sei in Wahrheit Adolf Hitler gewesen, der lediglich unter zahlreichen Pseudonymen schrieb. Alles igitt und pfui-bah!

Ich möchte in diesem Artikel aufgeschlossenen Lesern aus dem braunen Sumpf rechtsextremistisch-anti-Euro-populistischer Vulgärhetzer einige Schmankerl präsentieren – Äußerungen bekannter persönlichkeitsgestörter Paranoiker aus der großen Politik der letzten zwei bis drei Jahrhunderte, Zitate geistig verwirrter Historiker, besonders krude und absurde, alarmistisch-hysterische Meinungen, Merkwürdigkeiten aller Art, kurz und gut, es wird sicher für jeden angehenden, leichtgläubigen Neonazi und Rechtspopulisten etwas dabei sein. Angesichts der schier erdrückenden Fülle abartig-absurder Indizien und teils auch längst überwunden geglaubter Beweise für die Existenz verschwörerischer Absichten auf den großindustriellen und hochfinanziellen Etagen der Machtpyramide der Welt dürfte klar sein, dass ich im Rahmen dieses Artikels nur stichprobenhaft darauf eingehen kann, weshalb man mir zweifellos vorwerfen wird, alles völlig falsch verstanden, skrupellos rechtskonservativ aus dem Kontext gerissen und auf gar keinen Fall genug differenziert zu haben. Ich bitte deshalb gleich vorweg um Entschuldigung für meine geistige Umnachtung, meine Wahnvorstellungen und meine unentschuldbare Dummheit, nicht glauben zu wollen, man könne durch Anhäufen monopolistisch erzeugter Papier- beziehungsweise Schuldenberge gesellschaftlichen Wohlstand mehren. Mea culpa!

Gibt es die in alternativen Medienkreisen und auch von Professor Hamer thematisierte „Neue Weltordnung“, auch bekannt als „New World Order“, überhaupt? Ja, definitiv. Glücklicherweise aber ist diese geschlossene Interessengemeinschaft, die von einigen der reichsten und mächtigsten Dynastien Amerikas mit europäischem Finanzierungshintergrund und starker Affinität zu Zentralismus, Kollektivismus und Monopolismus sorgfältig aufgebaut wurde, noch nicht in den Rang einer „Weltregierung“ aufgestiegen, was sie selbstverständlich auch nie wird – das ist schon mal die gute Nachricht. Denn solche größenwahnsinnigen technokratischen Illusionen sind von vornherein zum Scheitern verurteilt. Jeder Versuch, weltumspannende Großreiche zu errichten, ist bisher immer noch zuverlässig gescheitert. Es dürfte mithin äußerst fraglich sein, ob man die Menschheit durch ruinöse finanzielle Taschenspielertricks („Fiat“- beziehungsweise „Ponzischema“ der Zentralbanker) und rücksichtslose militärische Gewalt vereinen beziehungsweise unter ein gemeinsames administratives Dach zwingen kann.

Springen wir nun einfach mal in die Stromschnellen der Geschichte und picken einen Namen aus der Flut verfügbarer Persönlichkeiten heraus, die sich zu diesen Themen sehr dezidiert geäußert haben, um uns dann an weiteren daran anknüpfenden Fallbeispielen und Zitaten in loser Folge durch die Jahrzehnte zu hangeln. Natürlich sollte man alles Folgende nicht einfach für absolut bare Münze nehmen und unbesehen glauben oder die in den diversen Äußerungen vertretenen Ansichten kritiklos teilen, sondern es sich lieber als „Brotkrumenspur“ vorstellen, anhand derer man selbst weiter recherchieren und sich in diese komplexe Materie einarbeiten kann. Um für sich selbst dann vielleicht etwas besser die Frage beantworten zu können, ob unsere Massenmedien, die den größten Teil der Welt bekanntlich gerne einfach ausblenden, wirklich schon der Weisheit letzter Schluss sein können. Und ob Herr Professor Hamer wirklich so falsch lag.

Film ab.

Im späten 18. Jahrhundert erhielt ein freimaurerischer Professor von der Universität Edinburgh namens John Robinson eine Einladung der von Adam Weishaupt im Jahre 1776 gegründeten „Illuminaten“ (auch bekannt als „Bayerische Illuminaten“ oder „Illuminierte Freimaurer“). Nach einer Untersuchung dieses Geheimbundes veröffentlichte Robinson ein Buch, in dem er seine Eindrücke und Erfahrungen mit den Geheimniskrämern schilderte. Es trug den recht deutlichen und ausführlichen Titel „Proofs of a Conspiracy Against All the Religions and Governments of Europe Carried on in the Secret Meetings of the Free Masons, Illuminati and Reading Societies“ („Beweise für eine Verschwörung gegen alle Religionen und Regierungen Europas, geplant in den geheimen Treffen der Freimaurer, Illuminaten und Literaturzirkel“).

Adam Weishaupt? Illuminaten? Geheimbünde? Sind das nicht alles Mythen? Der weltbekannte Vertreter für geschlossene Weltbilder und krude Verschwörungstheoretiker Winston Churchill schien anderer  Meinung gewesen zu sein. Churchill, der im Jahre 1912 Direktor des in London abgehaltenen und unter anderem von Rockefeller („Competition is a sin!“ – „Wettbewerb ist eine Sünde!“) finanziell sehr großzügig geförderten „Ersten internationalen Kongresses für Eugenik“ war, schrieb in einem am 8. Februar 1920 auf Seite 5 des Londoner „Illustrated Sunday Herald“ veröffentlichten Artikel: „Von den Tagen Spartacus Weishaupts [Adam Weishaupt, Gründer der Illuminaten, gab sich den Spitznamen „Spartacus“] zu denen Karl Marx‘ und bis zu Trotzki (Russland), Bela Kun (Ungarn), Rosa Luxemburg (Deutschland) und Emma Goldman (Amerika) wuchs diese weltweite Verschwörung zum Umsturz der Zivilisation und zur Umbildung der Gesellschaft auf der Basis verhinderter Entwicklung, eifersüchtiger Böswilligkeit und unmöglicher Gleichheit. Sie spielte, wie die moderne Autorin Mrs. Nesta H. Webster so gekonnt schilderte, eine deutlich erkennbare Rolle in der Tragödie der Französischen Revolution. Sie war die Hauptursache jeder subversiven Bewegung im 19. Jahrhundert; und nun hat dieses Bündnis aus herausragenden Persönlichkeiten aus der Unterwelt der großen Städte Europas und Amerikas das russische Volk am Schopfe gepackt und wurde zum unangefochtenen Meister dieses enormen Imperiums.“

Der grob gestrickte Spinner Walter Rathenau schlug 1909 in eine ähnliche Kerbe. „300 Männer, alle miteinander bekannt, bestimmen über das wirtschaftliche Schicksal Europas und wählen ihre Nachfolger aus den eigenen Kreisen.“ Es wird gemunkelt, dass der Verschwörungsforscher Dr. John Coleman auf dieser Äußerung Rathenaus aufbaute, als er behauptete, ein ominöses „Komitee der 300“ kontrolliere eine „geheime, hochrangige Parallelregierung, die England und Amerika beherrscht“.

Der englische Premierminister Benjamin Disraeli sagte 1856 vor dem House of Commons: „Es hat keinen Zweck, zu leugnen – weil es sich unmöglich verbergen lässt –, dass ein großer Teil Europas, darunter Italien und Frankreich sowie weite Teile Deutschlands, ganz zu schweigen von anderen Ländern, bedeckt sind mit einem Netzwerk aus Geheimgesellschaften. Und welche Ziele verfolgen sie? Sie verschleiern sie gar nicht. Sie wollen keine rechtsstaatlichen [oder verfassungsmäßigen] Regierungen. Sie wollen die Besitzverhältnise der Länder ändern, die bisherigen Besitzer vertreiben und geistlichen Einrichtungen ein Ende bereiten.“ Von Disraeli stammt auch das berühmte Zitat, die Welt würde von „ganz anderen Personen regiert, als diejenigen es sich vorstellen, die nicht hinter den Kulissen stehen“.

Hüpfen wir mal rüber zu US-Präsident Woodrow Wilson: „Einige der größten Männer der Vereinigten Staaten aus Industrie und Handel haben Angst vor jemandem, vor etwas. Sie wissen, dass es irgendwo eine Kraft gibt, so organisiert, so raffiniert, so wachsam, so verzahnt, so komplett, so beherrschend, dass sie besser nur flüstern, wenn sie sie verdammen.“ Felix Frankfurter (1882-1965), Richter am Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten: „Die wahren Herrscher Washingtons sind unsichtbar und üben ihre Macht hinter den Kulissen aus.“ In einem Brief vom 23. November 1933 schrieb Präsident Franklin D. Roosevelt an Colonel Edward Mandell House, Berater Präsident Wilsons und eine zentrale Figur in der unter anderem vom Rockefeller- und Morgan-Imperium mitfinanzierten bolschewistischen Revolution in Russland: „Die Wahrheit ist, wie sie und ich wissen, dass die Regierung seit den Tagen Andrew Jacksons einem finanziellen Element in den großen Zentren gehört.“ Roosevelt merkte ebenfalls an: „In der Politik geschieht nichts zufällig. Wenn etwas geschieht, können sie darauf wetten, dass es auch so geplant war.“ Im Jahr 1922 bemerkte der Bürgermeister von New York, John F. Hylan: „Die wahre Bedrohung unserer Republik ist die unsichtbare Regierung, die sich wie ein gigantischer Oktopus über unsere Stadt, unseren Staat und unsere Nation erstreckt. Der Kopf dieser Krake besteht aus den Interessen von Rockefellers Standard Oil sowie einer kleinen Gruppe mächtiger Bankhäuser, die allgemein als ‚internationale Banker‘ bezeichnet werden. Sie lenken die US-Regierung für ihre eigenen selbstsüchtigen Zwecke.“

Eben erwähnter Colonel House, der sich selbst als „marxistischen Sozialisten“ bezeichnete und einer der Mitgründer des Council on Foreign Relations (CFR) war, der amerikanischen Schwester des englischen Royal Institute for International Affairs, veröffentlichte im Jahr 1912 ein Buch mit dem Titel „Philip Dru: Administrator“. Darin schrieb er über eine „Verschwörung“ in den Vereinigten Staaten mit dem Ziel der Errichtung einer Zentralbank, der Etablierung einer abgestuften (progressiven) Einkommenssteuer sowie der Absicht, beide politische Parteien (Republikaner und Demokraten) zu kontrollieren. Nur wenige Jahre später waren alle drei Ziele umgesetzt und sind bis heute amerikanische Realität. Zu den größten Finanziers des höchst umstrittenen CFR, einer zentralen Denkfabrik der US-Außenpolitik, aus deren Mitgliederkreis sich seit jeher führende US-Politiker, Medienmogule, Herausgeber und Journalisten (heute zum Beispiel „Anchormen“ großer Nachrichtensender) sowie Militärs rekrutieren, zählten übrigens auch die Rockefellers.

Richard Buckminster Fuller (1895-1983), ein amerikanischer Schriftsteller, Philosoph und Architekt, vertrat ein ähnlich krudes Weltbild wie einige der Vorgenannten: „Die USA werden nicht von ihrer vermeintlich ‚demokratischen‘ Regierung gelenkt“, schrieb er kurz vor seinem Tod im Jahr 1983. „Nichts ist lächerlicher als die Rolle, die der Präsident der Vereinigten Staaten zu spielen hat, dessen Macht nahezu Null ist. Nichtsdestoweniger tun die Medien und der Großteil der über 30-jährigen US-Bürger gerade so, als wäre der Präsident der Oberbefehlshaber.“ David Wallechinsky und Irving Wallace, Autoren des berühmten „The People‘s Almanac“, schrieben einst: „Es gibt viele treibende Kräfte in der US-Gesellschaft, aber die mit Abstand mächtigsten sind die miteinander verzahnten Direktorien der Großbanken, Konzerne und Versicherungsgesellschaften mit Unterstützung der Führer des Militärs. Oder in den Worten des ehemaligen Präsidenten Dwight Eisenhower, der ‚militärisch-industrielle Komplex‘.“

Was man dazu wissen muss: Der industrielle Teil dieses Komplexes befand sich vor allem in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts in fester Hand der Rockefellers und Morgans, weshalb in der einschlägigen Literatur auch vom „Rockefeller-Morgan-Komplex“ dieser Zeit die Rede ist. Dazu ein Beispiel aus Anthony C. Suttons sehr empfehlenswertem Buch „Wall Street und die bolschewistische Revolution“: „Vor dem Ersten Weltkrieg wurde die finanzielle und unternehmerische Struktur der Vereinigten Staaten von zwei Konglomeraten dominiert: Standard Oil oder den Rockefeller Enterprises sowie dem Morgan-Industrienkomplex: Finanz- und Transportunternehmen. Die unternehmerischen Allianzen Rockefellers und Morgans beherrschten nicht nur die Wall Street, sondern, über miteinander verzahnte Direktorien, nahezu das gesamte wirtschaftliche Gewebe der Vereinigten Staaten.“ Man sollte sogleich hinzufügen, dass sich daran nicht nur nach dem Ersten, sondern auch dem Zweiten Weltkrieg nicht viel geändert hat. Im Gegenteil: David Rockefeller, einer der Sprösslinge der Dynastie, gehört heute zu den mächtigsten Männern Amerikas. Er war einer der führenden Köpfe im CFR, Mitgründer und -lenker der Trilateralen Kommission und saß im Steering Committee der Bilderberger. Im Jahr 1976 traf sich der australische Präsident Malcolm Fraser bei seinem Staatsbesuch in den USA zuerst mit David Rockefeller – noch vor Präsident Gerald Ford. „Das ist wahrhaft unglaublich“, schrieb daraufhin Autor Anthony Ralph Epperson, „weil David Rockefeller weder gewählt wurde noch irgendein Regierungsamt bekleidet, das es ihm erlauben würde, die US-Regierung offiziell zu vertreten“.

Im Jahr 1906 klagte die US-Regierung John D. Rockefellers Standard Oil wegen Verletzung des Sherman Anti-Trust Act an. Das Oberste Bundesgericht kam am 15. Mai 1911 zu folgendem verschwörungstheoretisch bloggenden Schluss: „Sieben Männer und eine großunternehmerische Maschine konspirierten gegen ihre Mitbürger. Für die Sicherheit der Republik ordnen wir hiermit an, dass diese gefährliche Verschwörung bis zum 15. November beendet sein muss.“ Danach löste sich Standard Oil zwar in zahlreiche Einzelgesellschaften auf, diese aber verblieben alle unter Rockefellers Kontrolle – ganz einfach durch Besetzung der Vorstände mit altgedientem „Rockefeller-Personal“ oder Leuten, die der Familie nahestanden (zum Beispiel durch Heirat), durch Anteilsmehrheiten und andere finanzielle Abhängigkeiten. Aus der späteren Verschmelzung einiger dieser Einzelfirmen gingen unter anderem Mobil Oil, Chevron sowie eine weltbekannte Firma namens Exxon hervor. Eine in den späten 30-er Jahren angefertigte Studie der Securities and Exchange Commission kam zu dem Schluss, die Anteile der Rockefellers seien ausreichend, um der Familie „Kontrolle über sämtliche dieser Unternehmen zu ermöglichen“.

Ja so sind‘s, die alten Rittersleut. Wo wir gerade bei den Rockefellers und der bolschewistischen Revolution waren, lassen wir doch mal eine der zentralen Figuren letzterer höchstpersönlich zu Wort kommen. Leo Trotzki: „Sie werden eine Revolution haben, eine fürchterliche Revolution. Welchen Verlauf sie nimmt, hängt stark davon ab, was Mr. Rockefeller Mr. Hague befiehlt. Mr. Rockefeller ist ein Symbol der amerikanischen Herrschaftselite und Mr. Hague ist ein Symbol ihrer politischen Werkzeuge.“ Also, ich neige dann doch eher zu Hamer.

Amerikas erster Verteidigungsminister, James Forrestal, drohte gegen Ende der 40-er Jahre des letzten Jahrhunderts damit, die von ihm gesammelten mehr als 3.000 Seiten mit Notizen über die „wahren Absichten“ seiner Vorgesetzten zu einem Buch zu binden. Präsident Truman bat daraufhin um seinen Rücktritt – offiziell natürlich aus anderen Gründen als der angekündigten Veröffentlichung –, eine Bitte, der Forrestal  am 2. März 1949 nachkam. Weitere zwei Monate später begab sich Forrestal, ebenfalls auf Anordnung Trumans, in das Bethesda Naval Hospital für eine „Routineuntersuchung“. Der verantwortliche Arzt teilte seinem Bruder mit, es gehe James gut, allerdings durften sich die beiden nicht sehen – das Besuchsrecht wurde strikt verweigert. Am Tag, als sein Bruder ihn aus dem Krankenhaus abholen wollte, fand man James Forrestal tot – mit einer Schlinge um den Hals. Offiziell wurde behauptet, er sei zu dieser Zeit bereits wahnsinnig geworden und habe Selbstmord begangen. Seltsamerweise schien Forrestal aber immerhin noch klar genug denken zu können, um den Koreakrieg vorherzusagen, teilte er doch einem Freund kurz vor seiner Einweisung ins Krankenhaus mit, dass schon in naher Zukunft amerikanische Soldaten in Korea sterben würden. Er sagte dies 15 Monate vor dem „Überraschungsangriff“ Nordkoreas auf den Süden. Die Notizen und Tagebücher Forrestals wurden nach seinem Tod von der Regierung beschlagnahmt; etwas mehr als ein Jahr später wurden sie in „bereinigter“ Form der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Eine der wesentlichen politischen Kräfte hinter dem Vietnam- und Koreakrieg: das CFR.

Colonel L. Fletcher Prouty diente als Liaison zwischen dem Pentagon und der CIA zwischen 1955 und 1963. Nachdem er tiefe Einblicke in die Strukturen und Funktionsweisen der Nachrichten- und Geheimdienste sowie des Militärs gewann, schrieb er im Jahr 1973, die Vereinigten Staaten würden regiert von einer „geheimen Gruppe“, einem „inneren Heiligtum einer neuen religiösen Ordnung“, das nur „sich selbst Rechenschaft ablegt“. „Die Macht dieser Gruppe“, so Prouty, speise sich aus „ihrer ungeheuer weit gespannten, regierungsinternen und geheimen Infrastruktur“.

Der Verleger John F. McManus sagte einst über Präsident Bill Clinton: „Bill Clinton weiß sehr genau, dass er nur deshalb Präsident wurde, weil die Mitglieder der Geheimgesellschaft, der auch er angehört, ihn dafür ausgewählt haben und von ihm erwarten, ihre Pläne auszuführen.“ „Geheimgesellschaft“ bezog  sich wahrscheinlich auf Clintons Mitgliedschaft bei den Bilderbergern; Clinton war allerdings auch Mitglied des CFR sowie der Trilateralen Kommission, ebenso der größte Teil der Führungsspitze seines Kabinetts.

Apropos Bilderberger. Dr. Kitty Little, die während des  Zweiten Weltkriegs für das englische Ministry of Aircraft Production tätig war, hatte einmal eine nette Anekdote darüber zu erzählen. Sie nahm im Jahr 1940 an einem Treffen einer „Studiergruppe“ der Labour Party an der Universität Oxford teil. An diesem Abend sprach auch ein junger Mann auf der Veranstaltung, der behauptete, Teil eines Plans für eine „marxistische Übernahme“ westlicher Gesellschaften zu sein. Er sei Mitglied einer „namenlosen Organisation“, deren Ziel es sei, marxistische Systeme in England, Europa und in Teilen Afrikas zu errichten. Er erklärte ferner, aufgrund des üblichen Misstrauens gegenüber Extremisten würden Mitglieder dieser Organisation bevorzugt als „Moderate“ oder „Liberale“ auftreten, was ihnen praktischerweise erlaube, ihre Kritiker als „rechtsgerichtet“ („right-wingers“) zu diffamieren. Er sei ausgewählt worden, um die politische Abteilung der Gruppe zu leiten; außerdem erwarte er, irgendwann Premierminister Großbritanniens zu werden. Bei diesem jungen Mann handelte sich um Harold Wilson. Er wurde einige Jahre darauf Premierminister; die Gruppe, auf die er sich bezog, wurde später bekannt unter dem Namen „Bilderberger“.

„Sollten die Bilderberger wirklich keine Verschwörung darstellen, geben sie sich allerdings alle Mühe, wie eine verdammt gute Imitation einer solchen aufzutreten“, schrieb der Journalist C. Gordon Tether in der Londoner „Financial Times“ im Jahr 1975. Etwa ein Jahr später wurde er wegen eines Streits über Zensur vom Herausgeber der „FT“, Max Henry Fisher, gefeuert. Fisher war Mitglied der Trilateralen Kommission.

Ben Badgikian, ehemaliger Dekan der School of Journalism an der University of California in Berkeley, berichtete im Jahr 1982, dass 50 Unternehmen den Großteil der Massenmedien in den Vereinigten Staaten kontrollierten. Im Januar 1990 war diese Zahl auf 23 geschrumpft. Gegen Ende 1997 waren es noch zehn. Heute befinden sich die US-Massenmedien in den Händen von gerade mal fünf oder sechs Medien- und Unterhaltungskonzernen, deren Vorstände in auffällig hoher Dichte besetzt sind mit Köpfen aus dem CFR, der Trilateralen Kommission oder den Bilderbergern. Diese Konzerne wiederum gehören im Wesentlichen den größten Banken und Industriekonzernen Amerikas, deren Vorstandsmitglieder wiederum in großer Zahl ganz gerne an Sitzungen des CFR, der Trilateralen Kommission oder der Bilderberger teilnehmen. Wie klein die Welt doch ist, hihi. Dorf? Wohl eher Fingerhut.

Die Autoren Martin A. Lee und Norman Solomon schrieben 1990: „Durch elitäre, die politische Richtung vorgebende Gruppen wie das Council on Foreign Relations oder den ‚Business Roundtable‘ steuern sie das Schiff des Staates auf den von ihnen gewünschten Kurs. In den Vorständen von General Electric, CapCities, CBS, der ‚New York Times‘ und der ‚Washington Post‘ sitzen Mitglieder des Council on Foreign Relations.“

Und so könnte es nicht nur Hunderte von Bildschirmseiten lang, sondern bücherregalweise weitergehen. Es gibt mehr als genug Material, das die Behauptung Hamers, es gebe eine massive Einflussnahme der Rockefeller-Dynastie nicht nur auf das nationale politische Geschehen und gesellschaftliche Leben Amerikas bis zum heutigen Tage (siehe dazu auch das Interview mit dem Libertären Aaron Russo auf Youtube: „Reflections and Warnings – An Interview with Aaron Russo“) , sondern auch auf internationaler Ebene, nicht nur nahelegt, sondern beweist. Dasselbe gilt für das Morgan-Imperium, das in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg immer und immer wieder in die Schlagzeilen geriet, besonders in Gestalt des Bankhauses JPMorgan, einem der finanziellen Hauptstützpfeiler der NWO-Geldaristokratie.  JPMorgan war zum Beispiel auch verwickelt in den Skandal um die P2-Loge in Italien, einen faschistischen Geheimbund, der im Rahmen der Enthüllungen über die NATO-Geheimarmee „Stay Behind“ (in Italien bezeichnet als „Gladio“) in die Schlagzeilen geriet, in die LIBOR-Affäre, in Drogengeldwäsche in Verbindung mit der Vatikanbank im Auftrag der CIA und so weiter und so weiter. So ein Quatsch. Papst Benedikt ist doch aus gesundheitlichen Gründen zurückgetreten, stand doch in der Zeitung!

Nun kann man sich zweifellos darüber streiten, ob man deshalb von einer „Verschwörung“ sprechen muss. Ich mag dieses Wort schon deshalb nicht, weil es zu stark negativ konnotiert ist und in den Köpfen vieler Menschen leider sofort entsprechende Assoziationen auslöst: alles Spinner! Was übrigens auch so gewollt ist – nicht umsonst ließ man auch im deutschen Mainstream in letzter Zeit kaum eine Gelegenheit verstreichen, jede nicht offiziös abgesegnete Meinung sofort als „krude Verschwörungstheorie“ zu deklarieren. Vielleicht sollte man lieber von einer „Interessengemeinschaft“ oder einem „Machtkomplex“ sprechen, bestehend aus Elementen in Politik, Hochfinanz, Militär und Geheimdiensten, die die von ihnen im Verlauf der letzten 100 Jahre (seit Gründung der Federal Reserve) aufgebauten Machtstrukturen möglichst lange zu erhalten und weiter auszubauen trachten. Die Existenz dieses Machtkomplexes ist mittlerweile völlig unstrittig. Das ist keine krude Weltsicht, sondern Faktenwissen. Schon Präsident Dwight D. Eisenhower warnte in seiner Abschiedsrede an seine Landsleute vor der Entstehung eines „militärisch-industriellen Komplexes“ von „ungeheurem Ausmaß“, der sich jeder Kontrolle zu entziehen und das politische Gefüge der USA zu unterwandern und zu zerstören drohe. Auch John F. Kennedy sprach von einer „ruthless and monolithic conspiracy“, einer ruchlosen und gigantischen Verschwörung, die statt mit Offenheit und Transparenz mit den Methoden der Geheimhaltung, Heimtücke, Verschleierung und Lüge operiere.

Um abschließend nur kurz auf die Äußerungen Hamers über das Haus Rothschild einzugehen: Wer eine ernsthafte Untersuchung der Geschichte des Geld- und Bankenwesens der letzten 250 bis 300 Jahre vornehmen will, wird sehr schnell ganz automatisch auf diesen Namen stoßen. Das lässt sich gar nicht vermeiden. Wer davor zurückschreckt, braucht gar nicht erst anzufangen. Verlorene Liebesmüh. Ebensogut könnte man versuchen, eine Geschichte der katholischen Kirche zu schreiben – allerdings unter der strengen Auflage, kein Sterbenswort über den Vatikan zu verlieren. Aus offensichtlichen Gründen völlig unmöglich. Die Rothschild-Bankiersdynastie ist nun mal der „Vatikan“ des internationalen Finanzwesens – was kein ernstzunehmender Wirtschaftshistoriker jemals bestreiten würde. Dass man dabei natürlich aufpassen sollte, nicht in antisemitisches Sumpfgelände zu geraten, dürfte sich von selbst verstehen. Eine seriöse Kritik darf sich nur auf die Finanz- und Machtpolitik der Rothschilds beziehen und selbstverständlich nicht auf ihre jüdische Abstammung. Das eine hat mit dem anderen nichts zu tun.

Meiner Meinung nach ist Herrn Professor Hamer nicht das Geringste vorzuwerfen. Er gehört zu denjenigen Menschen, die sich höchst berechtigte Sorgen um die weltwirtschaftliche Entwicklung machen und völlig legitime Fragen nach den Ursachen des derzeitigen Chaos stellen. Wenn man deshalb als Panikmacher gilt oder als jemand, der angeblich ein krudes Weltbild vertritt – sei‘s drum. Hat der Euro doch in den letzten Jahren eine steile Karriere hingelegt, so wie jedes Papiergeld in der Geschichte. Kann ja nur aufwärts gehen. Kein Grund zur Sorge. Oder wie ein bekannter Kabarettist es so treffend formulierte: Das Problem sind nicht die Verrückten, wir müssen uns um die Normalen kümmern. Und da es heute normal zu sein scheint, sich wegen harmloser Dirndlkommentare mit den eigenen Fäkalien einzureiben oder Lebensmittelskandale aufzuplustern wie sonst nur stolze Pfauen ihr Gefieder, um sich nicht den weitaus größeren, wichtigeren Problemen stellen zu müssen, muss es zum Ausgleich eben auch ein paar vielfarbig schillernde Verrückte geben. Sonst wäre die Welt zu langweilig.

26. März 2013

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: