„Schafft die weiße Rasse ab – mit allen notwendigen Mitteln“

Von Noel Ignatiev, übersetzt von Deep Roots. Das Original Abolish the White Race – By Any Means Necessary erschien in der Ausgabe 1 des Journals „Race Traitor“ (Winter 1993) und ist online auf Ignatievs Webjournal Race Traitor-journal of the new abolitionism verfügbar. (Was mit diesem neuen „abolitionism“ abgeschafft werden soll, dürfte einleuchten; man beachte auch die „nette“ Kopfzeile auf jeder Seite dieser Webseite: „RACE TRAITOR, Verrat am Weißentum ist Loyalität zur Menschheit.“)

Die weiße Rasse ist eine geschichtlich konstruierte soziale Formation – geschichtlich konstruiert, weil sie (wie das Königtum) ein Produkt der Reaktionen mancher Leute auf historische Umstände ist; eine soziale Formation, weil sie die Tatsache einer Gesellschaft ist, die keiner von der Naturwissenschaft anerkannten Einteilung entspricht.

Die weiße Rasse schneidet durch ethnische und Klassengrenzen. Sie ist nicht inhaltsgleich mit jenem Teil der Bevölkerung von europäischer Abstammung, nachdem viele jener, die als „farbig“ eingestuft werden, einige ihrer Abstammungslinien nach Europa zurückverfolgen können, während afrikanisches, asiatisches oder indianisches Blut in den Adern vieler fließt, die als weiß betrachtet werden. Genausowenig impliziert die Mitgliedschaft in der weißen Rasse Reichtum, nachdem es viele arme Weiße gibt wie auch manche in Reichtum und Komfort lebende Menschen, die nicht weiß sind.

Die weiße Rasse besteht aus jenen, die an den Privilegien der weißen Haut in dieser Gesellschaft teilhaben. Ihre elendsten Mitglieder teilen einen Status, der in mancher Hinsicht höher ist als jener der erhabensten Personen, die davon ausgeschlossen sind, wofür sie dem System ihre Unterstützung geben, das sie herabsetzt.

Der Schlüssel zur Lösung der gesellschaftlichen Probleme unseres Zeitalters besteht in der Abschaffung der weißen Rasse. Bis diese Aufgabe vollbracht ist, werden sich selbst Teilreformen als trügerisch erweisen, weil der weiße Einfluß jede Frage in der U.S.-Gesellschaft durchdringt, egal ob innen- oder außenpolitischer Art.

Die Abschaffung der weißen Rasse zu befürworten, unterscheidet sich von dem, was man „Antirassismus“ nennt. Der Begriff „Rassismus“ hat sich dazu entwickelt, auf eine Vielzahl von Einstellungen angewendet zu werden, von denen manche sich gegenseitig ausschließen, und ist dazu abgewertet worden, wenig mehr zu bedeuten als eine Tendenz, manche Menschen wegen ihrer Hautfarbe nicht zu mögen. Außerdem gibt der Antirassismus die natürliche Existenz von „Rassen“ zu, auch wenn er gegen soziale Unterscheidungen zwischen ihnen ist. Die Abolitionisten behaupten im Gegenteil, daß Menschen nicht sozial bevorzugt wurden, weil sie weiß waren, sondern daß sie als „weiß“ definiert wurden, weil sie bevorzugt wurden. Rasse selbst ist ein Produkt gesellschaftlicher Diskriminierung; solange die weiße Rasse existiert, sind alle Bewegungen gegen den Rassismus zum Scheitern verurteilt.

Die Existenz der weißen Rasse hängt von der Bereitschaft jener ab, die ihr zugeordnet werden, ihre rassischen Interessen über Klassen-, Geschlechts- oder jegliche sonstigen Interessen zu stellen, die sie haben. Die Abtrünnigkeit von genügend ihrer Mitglieder, um sie als verhaltensbestimmenden Faktor unzuverlässig zu machen, wird Erschütterungen auslösen, die zu ihrem Zusammenbruch führen werden.

RACE TRAITOR zielt darauf ab, als intellektuelles Zentrum für jene zu dienen, die die Abschaffung der weißen Rasse anstreben. Es wird zum Widerspruch gegenüber der Konformität ermutigen, die sie aufrechterhält und Beispiele für Abtrünnigkeit von ihren Reihen populär machen, die Kräfte analysieren, die sie zusammenhalten, und jene, die sie auseinanderzureißen versprechen. Ein Teil seiner Aufgabe wird es sein, Debatten unter Abolitionisten zu fördern. Wenn möglich, wird es praktische Maßnahmen unterstützen, geleitet vom Prinzip: Verrat am Weißentum ist Loyalität gegenüber der Menschheit. Löst den Club auf.

Die weiße Rasse ist ein Club, der bestimmte Menschen bei ihrer Geburt ohne ihr Einverständnis aufnimmt und sie dazu erzieht, seinen Regeln zu entsprechen. Denn der Großteil der Mitglieder geht unter Akzeptanz der Vorteile der Mitgliedschaft durchs Leben, ohne über den Preis nachzudenken. Wenn Individuen die Regeln in Frage stellen, erinnern die Polizisten sie schnell an alles, was sie dem Club verdanken, und warnen sie vor den Gefahren, die ihnen blühen, wenn sie ihn verlassen.

RACE TRAITOR zielt darauf ab, den Club aufzulösen, ihn zu zerbrechen, ihn zu sprengen. Manche Leute, die mit unserem Ziel sympathisieren, haben uns gefragt, wie wir die Mehrheit der sogenannten Weißen für den Antirassismus gewinnen wollen. Andere, üblicherweise weniger freundlich Gesinnte, haben gefragt, ob wir Millionen, vielleicht Hunderte Millionen Menschen physisch auszulöschen planen. Keiner dieser Pläne ist das, was wir im Sinn haben. Der schwache Punkt des Clubs ist sein Bedürfnis nach Einstimmigkeit. So wie der Süden bei der Auslösung des Bürgerkriegs erklärte, daß er sein ganzes Territorium benötige und es haben wolle, muß die weiße Rasse die Unterstützung all jener haben, die sie als ihre Angehörigen bezeichnet hat, oder sie hört zu existieren auf.

Anderswo in dieser Ausgabe [Anm. d. Ü.: der originalen Druckausgabe von 1993] werden die Leser eine Darstellung von John Browns Überfall auf Harper’s Ferry und mancher der Ereignisse finden, die er in Bewegung setzte. Vor dem Bürgerkrieg anerkannten die führenden Sprecher der Sklavenhalter, daß die Mehrheit der weißen Nordstaatler, die vor allem durch die Anwesenheit der flüchtigen Sklaven beeinflußt wurden, die Sklaverei als ungerecht betrachtete. Die Südstaatler verstanden auch, daß die Opposition ineffektiv war; wie sehr die Weißen des Nordens das Sklavensystem auch mißbilligten, die Mehrheit machte dabei mit, statt den gewöhnlichen Komfort ihres Lebens zu riskieren, wie mager er auch in vielen Fällen gewesen sei.

Als John Brown Harper’s Ferry angriff, reagierten führende Sklavereibefürworter aus dem Süden erzürnt: sie verhängten einen Boykott gegen Produkte aus dem Norden, forderten neue Zugeständnisse von der Regierung in Washington und begannen sich auf den Krieg vorzubereiten. Als sie John Brown als repräsentativ für die Meinung im Norden darstellten, irrten sich die Führer des Südens; er repräsentierte nur eine kleine und isolierte Minderheit. Aber sie hatten auch recht, denn er drückte die Hoffnungen aus, die in der Nordstaatenbevölkerung trotz Jahrzehnte des Kriechens vor den Sklavenhaltern immer noch fortbestanden. Virginia fürchtete John Brown und seine kleine Bande von Anhängern nicht, aber seine Seele, die weitermarschieren würde, auch wenn sein Körper vermodernd im Grab lag.

Als der Süden als Vergeltung für Harper’s Ferry die Meinung im Norden weiter einzuschüchtern suchte, tat er das nicht aus Paranoia, sondern aus der realistischen Einschätzung, daß nur eine Erneuerung der nationalen Gelübde für die Sklaverei ein System retten konnte, dessen stolze Fassade ein zerbrechliches Fundament verbarg. Durch die Arroganz ihrer Forderungen zwangen die Führer des Südens die Menschen im Norden, Widerstand zu leisten. Nicht Ideen, sondern Ereignisse waren bestimmend. Jeder Schritt führte unausweichlich zum nächsten: Landgier des Südens, Lincolns Sieg, Sezession, Schwarze als Arbeiter, Soldaten, Bürger, Wähler. Und so wurde der Krieg, der begann, ohne daß eine Person von hundert das Ende der Sklaverei vorhersah, innerhalb von zwei Jahren in einen Krieg gegen die Sklaverei.

Es ist unsere Glaubensüberzeugung – und mit denen, die sie nicht teilen, werden wir nicht diskutieren – daß die Mehrheit der sogenannten Weißen in diesem Land sich weder tief noch bewußt für die weiße Vorherrschaft engagieren; wie die meisten menschlichen Wesen in den meisten Zeiten und an den meisten Orten würden sie das Richtige tun, wenn es bequem wäre. Wie ihre Gegenstücke vor dem Bürgerkrieg machen die meisten bei einem System mit, das sie stört, weil die Konsequenzen, wenn man es herausfordern würde, erschreckend sind. Sie verschließen ihre Augen vor dem, was um sie herum geschieht, weil es leichter ist, es nicht zu wissen.

In seltenen Momenten wird ihr nervlicher Friede zerschmettert, ihre Gewißheit wird erschüttert, und sie sind gezwungen, den Alltagsverstand in Frage zu stellen, nach dem sie normalerweise leben. Ein solcher Moment geschah in den Tagen, die unmittelbar auf das Urteil im Fall Rodney King folgten, als eine Mehrheit der weißen Amerikaner bei Umfragen zuzugeben bereit waren, daß die Schwarzen gute Gründe zum Rebellieren hatten, und manche schlossen sich ihnen an. Gewöhnlicherweise sind diese Momente kurz, sobald die Waffen und die Reformprogramme eingesetzt werden, um die Ordnung wiederherzustellen, und, was wichtiger ist, das Vertrauen, daß die Dinge in guten Händen sind und sie sich wieder schlafen legen können. Sowohl die Waffen als auch die Reformprogramme sind auf Weiße wie auf Schwarze gerichtet – die Waffen als Warnung und die Reformprogramme als Salbe führ ihr Gewissen.

Kürzlich bog einer unserer Redakteure, der mit den Verkehrsgesetzen von New York City nicht vertraut war, bei einer roten Ampel illegalerweise nach rechts ab. Er wurde von zwei Cops in einem Streifenwagen angehalten. Nachdem sie seinen Führerschein untersucht hatten, entließen sie ihn mit einer höflichen Ermahnung.  Wäre er schwarz gewesen, hätten sie ihm wahrscheinlich einen Strafzettel verpaßt und ihn vielleicht sogar aufs Revier mitgenommen. Eine Menge Geschichte war in diesem kleinen Austausch verkörpert: Die Cops behandelten den Missetäter zumindest teilweise deshalb mit Nachsicht, weil sie, nachdem sie ihn angesehen hatten, annahmen, daß er weiß und daher loyal sei. Ihre Höflichkeit war eine Gewohnheit, die sowohl gutes Verhalten belohnen als auch zu zukünftiger Kooperation anregen sollte.

Wenn der Fahrer sie beschimpft oder einen Aufkleber mit der Aufschrift „Avenge Rodney King“ [„Rächt Rodney King“] an seinem Auto gehabt hätte, dann hätten die Cops vielleicht anders reagiert. Wir geben zu, daß keine Geste eines einzelnen Individuums aller Wahrscheinlichkeit nach viel Konsequenz hätte. Aber wenn genügend von denen, die weiß aussehen, die Regeln des Clubs brächen, um die Cops an ihrer Fähigkeit zweifeln zu lassen, eine weiße Person durch bloßes Ansehen zu erkennen, wie würde das das Verhalten der Cops beeinflussen? Und wenn die Polizei, die Gerichte und die Behörden im Allgemeinen anfangen würden, unterschiedslos die Behandlung zu verteilen, die sie normalerweise für Farbige reservieren, wie würde der Rest der sogenannten Weißen reagieren?

Wie viele dissidente sogenannte Weiße wären nötig, um die Nerven des weißen Clubvorstands aus dem Gleichgewicht zu bringen? Das kann man unmöglich wissen. Ein John Brown – vor dem Hintergrund eines Widerstands gegen die Sklaverei – reichte für Virginia. Und doch waren es nicht die Abolitionisten, nicht einmal der überragende John Brown, die die Massenverschiebungen im Bewußtsein der Bürgerkriegszeit herbeiführten. Ihre heroischen Taten waren höchstens Teil einer Kette von Ereignissen, zu denen wechselseitige Aktionen und Reaktionen in einem Maßstab gehörten, der alles übertraf, was sie voraussehen hätten können – bis ein Krieg, der damit begann, daß beide Seiten um die Sklaverei kämpften (der Süden, um aus der Union auszuscheiden, der Norden, um ihn drinzuhalten), damit endete, daß eine große Armee durch das Land marschierte und sang: „As He died to make men holy, let us fight to make men free.“ [„So wie Er starb, um die Menschen heilig zu machen, laßt uns kämpfen, um Menschen frei zu machen“]

Die Momente, wenn die routinemäßigen Annahmen über Rassen zerbrechen, sind die seismische Verheißung, daß irgendwo im tektonischen Fluß eine neue Verwerfung Druck aufbaut, ein neues Harper’s Ferry vorbereitet wird. Seine Natur und sein Timing können nicht vorhergesagt werden, aber daß es kommt, darüber haben wir keinen Zweifel. Wenn es kommt, wird es eine Reihe von Beben auslösen, die zur Auflösung der weißen Rasse führen werden. Wir wollen bereit sein, um wie John in Jerusalem einzumarschieren. Was für ein Journal ist das?

RACE TRAITOR existiert nicht, um Konvertiten zu gewinnen, sondern um jene zu erreichen, die mit den Bedingungen der Mitgliedschaft im weißen Club unzufrieden sind. Sein hauptsächliches Zielpublikum werden jene für gewöhnlich „Weiße“ genannten Menschen sein, die auf die eine oder andere Art das Weißentum als ein Problem verstehen, daß die Ungerechtigkeit fprtbestehen läßt und sogar die Wohlgesinnten unter ihnen daran hindert, sich einmütig dem Kampf um die menschliche Freiheit anzuschließen. Indem wir diese Dissidenten auf eine Entdeckungsreise ins Weißentum und dessen Unbehagen mitnehmen, hoffen wir, zusammen mit anderen am Prozeß der Definierung einer neuen menschlichen Gemeinschaft teilzunehmen. Wir wollen weder die Mittäterschaft selbst der unterdrücktesten Weißen am System der weißen Vorherrschaft kleinreden noch die Bedeutsamkeit momentanen Abweichens von weißen Regeln übertreiben.

Wir sollten sagen, daß es einige Artikel gibt, an deren Veröffentlichung wir nicht interesseirt sind. Nachdem wir keine Konvertiten suchen, werden wir wahrscheinlich keine Artikel veröffentlichen, die verschiedene Organisationen über ihren rassischen Opportunismus belehren. Genausowenig werden wir wahrscheinlich Artikel veröffentlichen, die für interrassische Harmonie werben, weil dieser Ansatz die unterschiedliche Behandlung von Weißen und Schwarzen zu oft intakt läßt und auf subtile Weise die Vorstellung bestätigt, daß unterschiedliche Rassen unabhängig von gesellschaftlichen Unterscheidungen existieren.

In der ursprünglichen Filmversion von „Robin Hood“ mit Errol Flynn in der Hauptrolle) sagt der Sheriff von Nottingham zu Robin: „Du sprichst Verrat.“ Robin erwidert: „Fließend.“ Wir hoffen, dasselbe zu tun.

Aus Race Traitor No. 1 (Winter 1993)

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Noel Ignatiev ist der Gründer und Mitherausgeber des Journals „Race Traitor“ und der New Abolitionist Society. Er ist der Sohn jüdischer Einwanderer aus Rußland und gründete in den 1980ern marxistische Diskussionsclubs.

Links:

Harvard Hates the White Race? von Paul Craig Roberts, VDARE.com, 4. September 2002
Danke, Tim Wise! von William Rome
Zu wenig und zu spät, Timmy von William Rome

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