Deutschland 1966: Aktion Sühnezeichen baut die Gaskammern in Auschwitz auf

Von Vaterland

Vor gut 46 Jahren, 1966 , reisen 100 junge Deutsche im Rahmen der Aktion Sühnezeichen nach Polen und arbeiten  im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz. Dort errichten sie u.a. Gaskammern. Der Leiter der Gruppe – sein Name wird in dem unten dokumentierten Zeitartikel nicht genannt – begründet die Bauarbeiten damit, dass die früheren Gaskammern deutscherseits gesprengt worden seien, um die Spuren zu verwischen. Er und seine Leute errichteten nun Gaskammern, damit die Besucher sie sehen und das Funktionieren dieser Todesfabrik kennnenlernen könnten.

Die „Aktion Sühnezeichen“ baut die Auschwitzer Gaskammern wieder auf

Rund 100 junge Deutsche sind in diesem Jahr in der „Aktion Sühnezeichen“ nach Polen gereist und haben dort drei Wochen lang in den ehemaligen Konzentrationslagern Auschwitz, Chelmno, Majdanek, Stutthof und Rogoznica gearbeitet. Ein Redakteur der in Krakau erscheinenden katholischen Zeitung „Tygodnik Powszechny“ besuchte die Arbeitsgruppe in Auschwitz.

Der polnische Journalist schildert den Tageslauf der Gruppe. „Sie wohnten im Block 22 und arbeiteten in den Ruinen der Gaskammern und des Krematoriums in Birkenau. Sie beteten in der Trauerkapelle im Hause der Salesianer-Pater – dem ehemaligen SS-Vorratslager.Nach dem Morgengebet und dem Frühstück begannen sie um 7 Uhr mit der Arbeit. Auf meine Frage über den Sinn dieser Tätigkeit erklärte der Gruppenleiter geradeheraus: In dieser Gaskammer mordeten die Deutschen unschuldige Menschen und bemühten sich, ihren Opfern noch zu Lebzeiten die Menschenwürde zu nehmen… Danach sprengten sie die Gaskammern und das Krematorium, um die Spuren zu verwischen. Die Ruinen verschlammten, teilweise wuchs Gras darüber. Wir säuberten sie und lassen sie neu erstehen, damit die Besucher sie sehen und das Funktionieren dieser Todesfabrik kennenlernen können. Auf diese Weise enthüllen wir das Verbrechen und büßen zugleich dafür.“ […]

Kompletter Artikel in Die Zeit, September 1966: Keine Deutschen sondern Freunde

Interessant an dem Zeitartikel ist auch die Formulierung des Gruppenleiters  ”die Deutschen” – nicht etwa “wir Deutsche”. Obwohl Gruppe und Gruppenleiter der Aktion Sühnezeichen selbst Deutsche sind, fühlt sich zumindest der Gruppenleiter offensichtlich nicht zum deutschen Volk gehörend. Merkwürdig für einen Mann, der lt. eigener Aussage mit dem Aufbau der Auschwitzer Gaskammern büßen will.

Überhaupt ist der Zeitartikel nicht besonders detailliert. Weder erfährt man den Namen des Gruppenleiters,  des Redakteurs des polnischen Blattes, noch die Namen der dafür verantwortlichen oder der jungen Teilnehmer der Aktion Sühnezeichen. Auch Bilder der Aktion publiziert der Zeitartikel nicht. Als Zeitdokument ist der Artikel trotzdem wert, bewahrt zu werden. Um so mehr, als ich – zumindest in den deutschen Medien Spiegel, FAZ, Süddeutsche etc.-  dazu in den Archiven nichts finden konnte.

Soviel war recherchierbar: Die DDR-Führung war von den Aktionen der Aktion Sühnezeichen nicht angetan, weil nach ihrem Selbstverständnis des antifaschistischen Staates eine Sühne nicht nötig war. Die oben publizierte Aktion in Auschwitz konnte auf Einladung des Internationalen Auschwitzkomitees trotz Widerständen von Seiten der DDR-Führung durchgeführt werden.

Ausführlichere Informationen zur NGO Aktion Sühnezeichen – Gründung, Teilung in Ost und West, Gründungsvater etc. – finden Sie hier: Schule der Opposition: Aktion Sühnezeichen. In der Bildgalerie findet sich auch ein Bild von der Aktion in Auschwitz 1966 [Bild 6]

Informationen zum Internationalen Auschwitzkomitee – Gründung, Gründungsmitglieder etc. sind schwieriger zu finden. Die hauseigene Webseite gibt dazu nur so viel her, als es  1952 von “Überlebenden des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz-Birkenau mit verschiedenen Zielsetzungen gegründet” worden war. Einer der Gründungsmitglieder war – das konnte ich eruieren –  Hermann Langbein. Wer genau 1966 im Auschwitzkomitee sich für die Aktion  ”Gaskammeraufbau in Auschwitz” verantwortlich zeichnete, konnte ich bisher nicht herausfinden.

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