Gedanken eines Botschafters zum Antisemitismus in Europa

Vorwort der Übersetzerin (Osimandia).: Die folgende Rede wurde vom “amerikanischen” Botschafter in Belgien Howard Gutman am 30. November 2011 im Rahmen einer Konferenz gegen Antisemitismus in Europa gehalten und auf der Seite der Amerikanischen Botschaft in Belgien im Original veröffentlicht.  Es wird nicht ganz klar, wo und vor welchem Publikum er sie gehalten hat, aber aus dem Kontext erfährt man, dass es sich bei der Zuhörerschaft wohl um Anwälte handelte. An so mancher Stelle wären mir durchaus kommentierende Einschübe dazu eingefallen, allerdings nicht allzu viele, die man nicht möglicherweise als gehässig hätte auffassen können. Es hätte auch als Bevormundung unserer Leser verstanden werden können.

Daher habe ich mich entschieden, vollkommen darauf zu verzichten und die Rede kommentarlos zur Verfügung zu stellen, sodass das Gesamtwerk auf jeden unsere Leser ungestört wirken kann. Möglicherweise beantwortet diese Rede auch die eine oder andere Warum-Frage, die sich Personen aus dem Dunstkreis der islamkritischen Szene so häufig stellen. Der Artikel wird auch unter Stimmen unserer “Freunde” verlinkt, wo sich weitere Informationen finden, die zur Klärung dieser quälenden Warum-Fragen vielleicht einen Beitrag leisten könnten.

Nun aber “gebe ich das Wort” an Botschafter Gutman:

Es ist mir eine Freude und Ehre, Sie alle zu treffen und einige Gedanken zum Thema des Antisemitismus im heutigen Europa mit Ihnen zu teilen.

Zunächst lassen Sie mich ein paar Entschuldigungen anbringen. Als ich gebeten wurde, eine Rede zu halten, war mir nicht klar, dass ich auch die “Eröffnung” und das “Willkommenheißen” übernehmen muss. Und unser heutiges Thema ist zu bedeutsam, um sich all zu lang mit Willkommensworten aufzuhalten.

Also: Herzlich Willkommen! Wenn Sie zum ersten Mal in Belgien sind – die Pommes frites, die Schokolade und das Bier sind umwerfend, und probieren Sie unbedingt die ovalen Lütticher Waffeln, und zwar ganz ohne Belag und frisch aus dem Waffeleisen.

Ok. So viel zum Willkommen.

Die zweite Entschuldigung ist eine Vorabentschuldigung dafür, dass ich wohl nicht sagen werde, was Sie von mir erwarten. Wie Sie wissen, besteht auf Konferenzen, bei denen es um Voreingenommenheit, Vorurteile, Diskriminierung und sogar Hass geht, immer die Versuchung, ein paar Einzelfälle von Gewalt oder Hass vorzustellen, die Alarmglocke zu läuten, mögliche Gegenmaßnahmen aufzuzeigen, den Applaus anzunehmen und sich wieder hinzusetzen.

Aber nicht für mich, die Themen sind zu komplex und zu fließend, um es sich mit dem einfachen Weg leicht zu machen. Dieses Thema ist zu wichtig und die Zeit eines jeden einzelnen von uns ist zu kostbar, um dieses Zusammentreffen lediglich zum Anlsass zu nehmen, gemeinsam den Hass zu verurteilen. Natürlich müssen wir und alle Wohlmeinenden aus der Bruderschaft der Menschen Hass verurteilen. Aber das ist der Anfangspunkt der Diskussion, nicht ihr Ende.

Also werde ich vermutlich nicht genau das sagen, was Sie zu hören erwarten und vielleicht auch zu hören hoffen. Ich respektiere Sie alle viel zu sehr, um das zu tun.

Aber lassen Sie uns damit beginnen, den Zusammenhang zu erläutern, wer ich bin und vor welchem Hintergrund ich mich diesem Thema nähere.

Meine Geschichte ist überhaupt nicht untypisch für die Vereinigten Staaten – tatsächlich steht sie  sogar im Herzen des amerikanischen Traums. Mein Vater, Gitman Mogilnicki, wuchs in der polnischen Stadt Biala Rawska auf. Als die Deutschen begannen, die Polen unter Druck zu setzen, verließ er die Stadt und versuchte, sich dem Widerstand anzuschließen. Nachdem er vom Widerstand zurückgewiesen worden war, weil er zu jüdisch aussah, kehrte er nach nicht mehr als einer Woche Abwesenheit zurück, nur um festzustellen, dass der jüdische Teil der Stadt nicht mehr existierte. Er verbrachte den Krieg zusammen mit einigen anderen Entkommenen in den Wäldern, wo er nie gefasst wurde und in ausgehobenen Gräben schlief, um dem Kugelhagel zu entkommen, den die Deutschen über den Boden feuerten, und indem er in riskanten nächtlichen Expeditionen in die Stadt Nahrungsmittel stahl.

Er hat sich oft gefragt, ob irgendjemand aus der Stadt Biala Rawska in die Lager gebracht worden war anstatt einfach an Ort und Stelle abgeschlachtet worden zu sein. Aber nachdem er die Jahre nach dem Krieg damit verbracht hatte, vergeblich nach auch nur einem Überlebenden zu suchen, kam er schließlich zu dem Schluss, dass wenn die Stadtbewohner in Lager gebracht  anstatt an Ort und Stelle getötet worden wären, mit Sicherheit wenigstens eine Person überlebt hätte. Es war aber einfach niemand mehr da.

Nachdem er bis 1950 sowohl nach Überlebenden als auch nach einer Anstellung in Warschau und Berlin vergeblich gesucht hatte, entschloss er sich zu einem Neuanfang in den Vereinigten Staaten. Aber die Vereinigten Staaten hatten Quoten, welche die Zahl der Einwanderer aus Polen begrenzten. Also besorgte sich mein Vater illegal einen gefälschten Pass, in dem er seinen Vor- und Familiennamen vertauschte, und so wurde aus Gitman Mogilnicki aus Biala Rawska, Polen, zunächst Mosher Gutman aus Danzig und dann Max Gutman aus dem Bekleidungshandel-Viertel in der Lower East Side Manhattans, New York.

Getragen von “die nächste Generation soll es einmal besser haben”, besuchte ich öffentliche Schulen. Mein Vater starb, als ich 16 war, niemals hatte er mit mir über den Krieg gesprochen und mir nicht einmal seinen wirklichen Namen offenbart. Nach seinem Tod ging ich nach der Schule in einem Restaurant arbeiten, wo ich die Tische abwischte, und konnte danach durch ein Stipendium zunächst die Columbia University und dann die Juristische Fakultät in Harvard besuchen. Nachdem ich als einer der Besten meines Jahrgangs abgeschlossen hatte, fand ich eine Anstellung bei unserem höchsten Gericht, dem Obersten Gerichtshof der Vereinigten Staaten, eine Ehre, die ungefähr den 40 Jahrgangsbesten der juristischen Fakultät zuteil wird, verbrachte zwei Jahre als Spezialassistent des Direktors für Gegenspionage und Terrorismusbekämpfung beim FBI und 27 Jahre als Rechtsanwalt in einer führenden Kanzlei und als Berater für Regierungsbeamte und politische Kandidaten der Demokratischen Partei. Ich war im Vorstand des Washington Hebrew Home für Senioren und Mitglied zweier verschiedener Synagogen (shulen) in Washington, DC – einer reformierten und einer orthodoxen.

Während der Präsidentschaftskampagne von Barack Obama beteiligte ich mich an vielen Aktivitäten, die Politik, Redenschreiben, Pressearbeit, die Beschaffung von Spendengeldern und vieles mehr umfassten. Einer meiner Zuständigkeitsbereiche war die Bemühung um jüdische Wählerstimmen. Obwohl es während der Wahlkampagne viel Unterstützung seitens der jüdischen Gemeinde gab, hatte ich mit einem erheblichen Verdacht innerhalb der jüdischen Gemeinde zu kämpfen, ob ein Schwarzer, der Barack Hussein Obama heißt, wirklich ein guter Freund Israels und der jüdischen Gemeinschaft sein könne.

Und seit ich nach Belgien gekommen bin, habe ich meine Geschichte allgemein bekannt gemacht, und sie wurde von allen Seiten wohlwollend aufgenommen. Ich habe mich sehr ausgiebig um jüdische Gemeinden bemüht, habe in Flandern, Brüssel und Wallonien und sogar vor dem Jüdischen Weltkongress Reden über Barack Obamas Verhältnis zu der jüdischen Gemeinschaft und zum Nahen Osten gehalten. Die Rede, in der ich ausführe, dass Barack Obama dadurch, dass er in der arabischen Welt glaubwürdig ist, Israels bester und wertvollster Freund ist, kann auf unserer Website abgerufen werden und ist jedermann, der sich dafür interessiert, zugänglich. Und ich nehme regelmäßig an jüdischen Gemeinschaftsereignissen wie Gedenk- und  Ehrentagen sowie Feierlichkeiten teil.

Ich habe mich aber auch sehr ausgiebig um die muslimischen Gemeinden bemüht. Ich habe bedeutende Kontakte zu den überwiegend marokkanischen und türkischen Gemeinden überall in Belgien aufgenommen – in Molenbeek, in Anderlecht, in Hasselt und vielen anderen Gegenden. Gerade heute habe ich mich mit den Führern einer flämisch-nationalistischen Partei getroffen, um das israelisch-palästinensische Problem und seine Auswirkungn  auf die Position der USA in Hinblick auf die UNESCO und andere UN-Organistaionen zu diskutieren, sowie auch mit der größten Moschee in Belgien, um dort dasselbe Problem sowie die Ost-West-Beziehungen zu diskutieren.

Einmal jährlich bin ich in meiner Residenz Gastgeber für ein Iftar  [islamisches Fastenbrechen], wo ich in meinem Ballsaal mit 180 Führern der muslimischen Gemeinde gemeinsam das Abendessen einnehme. Ich bin im Besitz von Kopien einer Kolumne, die vor zwei Jahren vom ehemaligen Bürgermeister von Dschidda in Saudiarabien gechrieben wurde, der damals saudischer Botschafter in Belgien war, in der er über die Fortschritte der Obama-Regierung bezüglich der Ost-West-Beziehungen spricht, nachdem er an einem unserer Iftars teilgenommen hatte.

Und ich verfolge das Thema Antisemitismus in Europa sehr genau und denke häufig darüber nach. In den vergangenen Monaten kündigte Jacques Brotchi, ein Bundessenator und führender Neurochirurg aufgrund von Meinungsverschiedenheiten über Antisemitismus seine Zusammenarbeit mit einer Brüssler Universität auf, und wir sind damit befasst, diese Entwicklungen weiterhin zu beobachten. Wir sind dem nachgegangen bis hin zur letzten Woche, als eine jüdische Schülerin an einer belgischen Schule unter rassistischen Beschimpfungen zusammengeschlagen worden war.

Auf gewisse Weise habe ich einen einzigartigen Zugang zu diesen Angelegenheiten. Und dieser Zugang hat mich davon überzeugt, wie kompliziert und wechselhaft diese Angelegenheiten sind. Verallgemeinerung bezüglich Antisemitismus in Europa sind in der Tat gefährlich – und bergen immer das Risiko der übertriebenen Vereinfachung oder das, verschiedene Phänomene durcheinanderzuwerfen.

Lassen Sie uns also die Analyse mit dem klarsten und einfachsten Ausgangspunkt beginnen. Es gibt und gab seit langem ein gewisses Ausmaß an Antisemitismus, an Hass und Gewalt gegenüber Juden durch einen kleinen Teil der Bevölkerung, der andere hasst, weil sie anders sind oder als anders wahrtgenommen werden, weitgehend aus dem Grund, um des Hasses selber willen zu hassen. Solche Antisemiten sind Leute, die nicht nur Juden hassen, sondern auch Moslems, Schwule, Zigeuner und vermutlichen jeden, den man als Minderheit oder verschieden bezeichnen kann. Socherart Hass ist selbstverständlich bösartiger Natur und muss bekämpft werden. Wir dürfen niemals aufhören, ein Auge darauf zu haben oder ihn als Randgruppenphänomen oder das Handeln von Verrückten abtun, denn wir haben in der Vergangenheit gesehen, wie er sich aufhetzen lässt und wachsen kann. Und es ist dieser Hass, an dessen Aufdeckung, Bekämpfung und Bestrafung Anwälte wie Sie mit Wachsamkeit arbeiten können, möglicherweise auch in Zusammenarbeit mit existierenden Menschenrechtsgruppen.

Ich habe persönlich nicht viel von diesem Hass in Europa gesehen, obwohl er von Zeit zu Zeit sein hässliches Haupt erhebt. Ich habe keinen Grund zu der Annahme, dass er derzeit auf irgendeine Weise zunimmt. Aber wir können selbstverständlich nie den Blick davon abwenden, und insbesondere Sie als Anwälte können bei diesem Prozess behilflich sein. Das ist auf gewisse Weise der einfache Teil der Analyse.

Wenden wir uns dem komplexeren Teil zu.

Was ich in der Tat im Wachstum begriffen sehe und was auch zunehmend ins Blickfeld der Aufmerksamkeit von Zeitungen und unter Politkern und Gemeinden rückt, ist ein anderes Phänomen. Es ist das Phänomen, das Jacques Brotchi vor ein paar Monaten dazu bewegte, seine Position im Verwaltungsrat der Universität aufzugeben, und das letzte Woche zu der massiven Aufmerksamkeit führte, als die jüdische Schülerin zusammengeschlagen wurde. Es ist das in Europa angesiedelte Problem der Spannung, des Hasses und manchmal sogar der Gewalt zwischen einigen Mitgliedern der muslimischen Gemeinden oder arabischen Immigrantengruppen und Juden. Es ist eine Spannung und vielleicht sogar Hass, der weitgehend aus der Spannung zwischen Israel und den Palästinensergebieten sowie benachbarten arabischen Staaten im Nahen Osten über das fortdauernde israelisch-palästinensische Problem geboren ist und dieses wiederspiegelt.

Es ist ein sehr ernstzunehmendes Problem. Auch dieses Problem muss diskutiert werden und es muss nach Lösungen dafür gesucht werden. Kein jüdischer Student – und auch kein muslimischer Student oder ein Student irgendeiner anderen Herkunft oder Religion – sollte sich jemals wegen seiner Herkunft oder Religion auf einem Universitätscampus eingeschüchtert fühlen, sodass es dazu führt, dass führende Akademiker aus Protest ihren Abschied nehmen. Kein jüdischer Schüler an einem Gymnasium – und kein muslimischer Schüler an einem Gymnasium oder ein Schüler irgendeiner Herkunft oder Religion – sollte wegen seiner Herkunft oder Religion zusammengeschlagen werden.

Aber dieses zweite Problem unterscheidet sich meiner Ansicht nach in vielerlei Hinsicht von dem klassischen Engstirnigkeits-Hass gegen jene, die anders sind, und gegen Minderheiten ganz allgemein – der Typ von Antisemitismus, den ich oben besprochen habe. Es ist komplexer und erfordert mehr Gedanken- und Analysearbeit. Diese zweite Form dessen, was als “wachsender Antisemitismus” bezeichnet wird, bringt merkwürdige Phänomene und Ergebnisse hervor.

So wurde ich von Belgiern in diesem Land zum Beispiel überall freundlich angenommen. Ich bekomme immer höflichen Applaus und manchmal auch mehr als das.

Aber die längste und lauteste Ovation, die ich jemals in Belgien bekommen habe, kam von der Oberschule mit einem der höchsten Prozentsätze von Schülern arabischer Herkunft. Es war in Molenbeek. Die Zuhörerschaft wurde von Mädchen mit Kopftüchtern und Jungen mit dem Vornamen Mohammed dominiert, die aufstanden und einen jüdischen Amerikaner stürmisch bejubelten, der zwei Synagogen angehört und dessen Vater ein Holocaustüberlebender war.

Lassen Sie mich nur eben eine oder zwei Minuten aus einem Video von diesem Besuch mit ihnen teilen [Anm. d.Ü.: Dieses Video war auf der Seite nicht verlinkt, sodass wir unseren Lesern dieses erbauliche Erlebnis leider vorenthalten müssen]

Diese Jugendlichen waren nicht in dem Sinn antisemitisch, wie ich den Begriff jemals verstanden habe. Und ich erhalte ähnliche Reaktionen von Imamen, bei Iftars und mit den muslimischen Gemeinden überall in Belgien. Und doch weiß und höre ich gleichzeitig mit dem Jubel für diesen Juden hier, dass innerhalb derselben Schule und Zuhörerschaft in Molenbeek, unter denen bei denselben Iftars, und quer durch die muslimischen Gemeinden, die ich besuche, und tatsächlich sogar quer durch Europa, eine beträchtliche Wut und Abneigung und ja, manchmal sogar Hass und manchmal sogar nur zu wachsende Einschücherung und Gewalt gegen Juden zu beobachten ist, und zwar als Folge der fortdauernden Spannungen zwischen Israel einerseits und den Palästinensergebieten und anderen arabischen Nachbarn im Nahen Osten andererseits. Das ist in der Tat ein komplexes Problem. Es bedarf seiner eigenen Analysen und Lösungen. Und der Analyse, die ich vorstelle, ist nicht damit gedient, dass man das Problem mit Vorkommnissen antijüdischer Überzeugungen und Taten aus der Vergangenheit oder jenen, die heute noch unter Minderheitenhassern vorkommt,  unter dem einheitlichen Etikett “Antisemitismus” in einen Topf wirft.

Ich glaube, dies ist das Feld, wo Gemeindevorsteher – jüdische, muslimische und die dritter Parteien – wo Diplomaten und Religionsführer, wo Anwälte und andere Professionelle aus beiden Gemeinschaften, wo Mütter und Väter, wo Universitäts- und Schulverwaltungen den größten Unterschied dadurch schaffen können, dass sie daran arbeiten, die Übertragung politischer und militärischer Spannungen des Nahen Ostens in soziale Probleme in Europa zu begrenzen. Aber es ist auch das Feld, bei dem – sowohl glücklicherweise als auch unglücherweise – der größte Teil der Lösung in den Händen der Regierungsvertreter in Israel, den Palästinensergebieten und in den arabischen Ländern des Nahen Ostens verbleibt. Es ist das Feld, wo jede neue Siedlung, die in Israel angekündigt wird, jede Rakete, die über eine Grenze fliegt, jeder Selbstmordattentäter in einem Bus und jeder Vergeltungsschlag das Problem verschärft und für diejenigen, die hier in Europa gegen Hass und Engstirnigkeit kämpfen, einen Rückschlag bedeutet.

Ich sagte, dass es sowohl ein glücklicher als auch ein unglücklicher Umstand ist, dass der größte Teil der Lösung für dieses zweite Problem in den Händen Israels, der Palästinenser  und der arabischen Nachbarstaaten im Nahen Osten liegt. Es ist ein glücklicher Umstand, weil es bedeutet, dass anders als beim traditionellen Minderheitenhass ein Weg zum Besseren und zu einer Lösung wenigstens existiert. Es ist von äußerster Bedeutung für den Nahen Osten – aber auch von äußerster Bedeutung für die jüdischen und arabischen Gemeinschaften in allen Ländern rund um den Globus – dass der Nahost-Friedensprozess fortgeführt wird, dass die Siedlungen weniger werden, dass Fortschritte hin zu einem dauerhaften Frieden gemacht werden und dass dann ein solcher Frieden auch den Nahen Osten erreicht. Wenn ein dauerhafter Frieden im Nahen Osten erreicht wäre, wenn die israelisch-arabische Aufmerksamkeit sich stattdessen gemeinsam und in Zusammenarbeit auf so ernsthafte allgemeine Bedrohungen wie den Iran richten würde, wäre diese zweite Form ethnischer Spannung und Engstirnigkeit hier in Europa – die ganz klar heute im Wachsen begriffen ist – ganz klar im Abflauen begriffen. Ich habe eine Vision von dem Tag, an dem er verschwunden sein wird. Frieden im Nahen Osten wäre in der Tat gleichbedeutend mit einer gewaltigen Verminderung dieser Form von etwas, das hier in Europa als “Antisemitismus” etikettiert wird.

Es ist gleichzeitig ein etwas unglücklicher Umstand, dass der größte Teil der Ursache und damit auch der Lösung für diese Spannung und diesen Hass in Europa, für die zunehmenden Probleme an belgischen Universitäten, für Beschimpfungen auf der Straße, bei Regierungen und Menschen liegt, die einen ganzen Kontinent entfernt sind. Denn in gewisser Hinsicht können Bürger, Eltern, Religions- und Gemeindeführer hier in Europa nur versuchen, für Verständnis und Geduld zu werben, während die Durchsetzung der Gesetze diese Mission unterstützt, ohne vollständig in der Lage zu sein, die meisten Wurzeln des Problems und die effizientesten Heilmethoden anzugehen. Es ist eine Herausforderung für uns alle. Ich hoffe, es ist eine, die Sie in dieser Konferenz angehen werden. Vielen Dank und alles Gute.

***

Nachtrag:

Wir sind nicht die einzigen, die dieser Rede Aufmerksamkeit gezollt haben.

Sie hatte ein kleines Nachspiel für den Herrn Botschafter. Genau genommen war es sogar ein richtiger Sturm der Empörung im Wasserglas mit hochrangigen Darstellern. Nicht weil er Europäer beleidigt oder eine leicht … äh.. eigenwillige Geschichte zum Besten gegeben hat – Gott bewahre – sondern weil er sich angeblich antisemitisch geäußert hat.

Mitt Romney: “Präsident Obama muss seinen Botschafter in Belgien feuern, weil dieser Antisemitismus rationalisiert, heruntergespielt und mit der israelischen Politik gegenüber den Palästinensern in Zusammenhang gebracht hat.”

Newt Gingrich: “Präsident Obama soll seinen Botschafter in Brüssel dafür feuern, dass dieser bezüglich Antisemitismus so falsch liegt.”

Das Weiße Haus sah sich daraufhin gezwungen, ein Glaubensbekenntnis abzulegen: “Wir verurteilen Antisemitismus in all seinen Formen und glauben, dass es niemals irgendeine Rechtfertigung für Vorurteile gegenüber dem jüdischen Volk oder Israel geben kann.”

Howard Gutman (fast könnte er einem leid tun, aber nur fast): “Ich verurteile Antisemitismus in all seinen Formen aufs heftigste. Ich bedauere zutiefst, dass meine Ausführungen falsch aufgefasst wurden. Meine eigene persönliche Geschichte und die meiner Familie geben Zeugnis für die herausragende Wichtigkeit dieser Thematik und mein eigenes fortdauerndes Engagement im Kampf gegen den Antisemitismus.”

Einige jüdische Gruppen meinten, dass das sowieso langsam um sich greift und dass auch Verteidigungsminister Leon Panetta kürzlich auf ähnliche Weise mit der Bemerkung, er bedaure Israels Isolierung von regionalen Sicherheitspartnern [Türkei?], ins Klo gegriffen habe

Die Vereinigung Kinder jüdischer Holocaustüberlebender: “Jeder ist verduzt darüber, warum Präsident Obama Israel immer wieder unter Druck setzt, während er die Palästinenser buchstäblich mit Mord davon kommen lässt, und niemand kann sich erklären, was er sich davon verspricht, die Beziehungen zwischen den USA und Israel zu untergraben. ” Die Gruppe rief Obama auf, sich von Gutmans ”wilde Theorien” zu distanzieren.

Das Simon Wiesenthal Zentrum rief Außenministerin Hillary Clinton auf, Gutman zu maßregeln und “klarzustellen, ob Gutmans Äußerungen die US-Politik gegenüber Antisemitismus widerspiegeln oder verletzen.”

Und schlussendlich noch Obama Himself bei einer Spendengala: “Ganz offensichtlich ist uns kein Verbündeter wichtiger als der Staat Israel.” (…) “Diese Regierung – und ich versuche, mir dabei nicht allzusehr auf die Schulter zu klopfen – aber diese Regierung hat für die Sicherheit Israels mehr getan als jede vorherige Regierung.”

Wow!

Die USA führen sich auf wie eine Theokratie bei einem Verdacht von Gotteslästerung.

Quelle: Washington Post

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