Warum kommt Schwarzafrika nicht zur Ruhe?

von Hermann Aden, Hesel/Ostfriesland (dieser Artikel stammt aus dem Deutschland Journal 2010)

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2010 ist das internationale Afrika-Jahr. Wir Deutschen sprechen über unsere Zustände. Wir können das verantwortungsvoll aber nur tun, wenn wir uns im Vergleich zu Millionen von Menschen sehen, die mit neidvollem Blick auf uns sagen oder denken: Die deutschen Sorgen möchten wir haben! Afrika ist wie eine schwärende Wunde in dieser unerlösten Welt. Pastor a. D. Hermann Aden, der bereits vor 30 Jahren in Südafrika/Natal als Missionar tätig war, wirkte im Jahre 2009 wiederum für einige Monate dort als Pastor.

1. Desinteresse an Afrika

Während wir Europäer mit unseren eigenen Problemen beschäftigt sind, spielt der afrikanische Kontinent in unseren politischen Überlegungen kaum eine Rolle. Das wird schon daran deutlich, dass mehr europäische Journalisten in Israel stationiert sind als auf dem gesamten afrikanischen Kontinent. Erreicht uns dann doch einmal eine Nachricht aus Schwarzafrika, so sind es gewöhnlich Schreckensmeldungen von Stammeskriegen, Massakern unter der Zivilbevölkerung, despotischen Diktatoren, Hungersnöten oder Aidstoten. Während ursprüngliche Entwicklungsländer im ostasiatischen Raum zu Schwellenländern emporgestiegen sind und sich zu Konkurrenten westlicher Industrienationen entwickeln, verharren schwarzafrikanische Völker wirtschaftlich wie politisch auf niedrigem Niveau. Nach Angaben der Weltbank lebten 1981 in Südostasien, der damals ärmsten Region der Welt, noch 80 % der Menschen unter der 1,25 Dollar-Grenze (rund 85 Euro-Cent), 2005 waren es jedoch nur noch 18 % der Bevölkerung. In Schwarzafrika dagegen lauten die entsprechenden Zahlen für das Jahr 1981 51 % und hielten sich nahezu unverändert auch 2005 bei 50 %, der Hälfte der Bevölkerung standen nur 48 Euro-Cent pro Tag zur Verfügung. Gleichzeitig stieg auf diesem Erdteil die absolute Zahl der Armen von 200 Millionen auf 380 Millionen. Kürzlich stand in der „Welt“: „Südlich der Sahelzone gibt es kein einziges Land, das nicht von den Grundübeln des Kontinents: Armut und Unterentwicklung, brutaler Willkür und Korruption heimgesucht wird“. Die einzige Ausnahme bildete noch zu einem gewissen Grade dank seiner besonderen Geschichte und seiner anderen Bevölkerungszusammensetzung Südafrika, aber auch dieses Land befindet sich infolge einer ausufernden Kriminalität, der Korruption und einer Rassenpolitik der schwarzen marxistischen Regierung im freien Fall. Das vielgepriesene Modell einer Regenbogennation erwies sich als Illusion.

2. Folgen der Entkolonialisierung

Seit der von linken und liberalen Kräften Europas und Amerikas vehement geforderten Entkolonialisierung Afrikas, die dann in den sechziger Jahren verstärkt durchgeführt wurde, befreiten sich die afrikanischen Völker zwar von der kolonialen Vorherrschaft Europas, doch führte diese gerade gewonnene Freiheit in fast allen Staaten nach kurzer Zeit wieder in eine neue Unfreiheit unter einheimischen Despoten. Die im Zuge der Entkolonialisierung demokratisch gewählten Parteien gaben in fast allen Fällen die so gewonnene Macht nicht wieder ab, und so kam es statt der von idealistischen aber weltfremden Europäern und Amerikanern erwarteten Demokratien überall zu Einparteienregierungen, Militärdiktaturen, islamischen Gottesstaaten, kommunistischen Regimen oder zur Willkürherrschaft irgendeines nach oben getragenen Emporkömmlings. Das demokratische Experiment ist in Afrika völlig gescheitert. Wenn dennoch hier und da heute noch Wahlen stattfi nden, so haben die Herrschenden sich vorher dank ihrer Machtstellung durch Manipulation der Wahl so abgesichert, dass die Volksentscheidung zu ihren Gunsten ausfällt. Der Schwarzafrikaner ist für europäische Begriffe erstaunlich geduldig und leidensfähig, wenn es dann aber zu Unruhen und Aufständen kommt, sind sie häufig mit entsetzlichen Grausamkeiten verbunden. So starben bei den Bürgerkriegen im Sudan 1,5 Mill. Menschen, in Angola und in Mosambik waren es jeweils 1 Mill. Tote, bei den Auseinandersetzungen zwischen Hutus und Tutsi starben 800.000 Menschen, und im Kongo verloren 3,3 Mill. Schwarze ihr Leben. Selbst im relativ zivilisiert geltenden Südafrika

fielen seit der Machtübernahme durch den ANC jährlich 20.000 Menschen Morden zum Opfer. Auffallend ist es, dass viele dieser Verbrechen mit ausgesprochener Grausamkeit durchgeführt werden. Besonders in westafrikanischen Staaten wie Liberia oder Sierra Leone wurden ungezählten Menschen Gliedmaße wie Hände, Füße, Ohren oder Nasen abgehackt und abgeschnitten, wobei man die Opfer am Leben ließ. Sie sollten mit ihrem verstümmelten Aussehen eine Botschaft verkündigen, die Macht derer bekunden, die sie so zugerichtet hatten, offensichtlich eine alte afrikanische Tradition (Peter Scholl-Latour, Afrikanische Totenklage, C. Bertelsmann, 2001, S. 426). Im Kongo wurden Menschen gezwungen, das Fleisch ihrer ermordeten Familienangehörigen zu essen oder bei der Vergewaltigung ihrer Verwandtschaft nicht nur zuzusehen, sondern sich auch noch daran zu beteiligen (Christoph Buch, Dein Staat ist nichts, dein Stamm ist alles, Die Welt vom 11.6.2003). In Afrika gilt von alters her ein Menschenleben nicht viel. Schon bei den alten Zulukönigen gab es im Grunde nur eine Strafe, die Todesstrafe (Heinrich Filter, Ich diente zwei Herren, Missionshandlung Hermannsburg 2002, Seite 76 ff). Bei dem geringsten Verdacht lautete das Urteil: Verheiratung mit dem haarigen Mann, das bedeutete, der Verurteilte wurde gefesselt und vom Hinrichtungsfelsen in den Abgrund geworfen.

3. Entwicklungshemmungen

Eigenartigerweise imponiert diese brutale Machtdemonstration vielen Afrikanern. Bei einer Umfrage des Magazins „New African“ wurde nicht nur Nelson Mandela zum „größten Afrikaner aller Zeiten“ gekürt, sondern der Diktator Simbabwes, Mugabe, kam auf den dritten Platz der „Top 100 Afrikas“. Winnie Mandela wurde als „populärste Frau Afrikas“ mit Platz zwölf bedacht. Das Bild von Shaka Zulu (gest. 1828), dessen Heere weite Teile des heutigen Südafrikas entvölkerten, hängt heute in vielen südafrikanischen Häusern. Da Schwarzafrika bis ins 19. Jahrhundert hinein den geistigen Einflüssen der übrigen Welt gegenüber weithin verschlossen war, konnte sich dort das urmenschliche Verhalten, unbeeinflusst vom christlichen Gedanken der Barmherzigkeit, besonders unverfälscht erhalten. Eine moderne Demokratie mit garantierter Meinungsfreiheit und abgesicherten Menschenrechten und Pflichten kann sich nur unter bestimmten Voraussetzungen entfalten. Schon in Russland sind diese Voraussetzungen anscheinend nicht gegeben. Dort konnte sich nie ein Mittelstand, ein Bürgertum entwickeln, die Bevölkerung war jahrhundertelang der Leibeigenschaft ausgeliefert, und daran knüpfte sich nahezu nahtlos eine 70jährige kommunistische Diktatur an, in der alle selbstständig denkenden Menschen den zahllosen Säuberungsaktionen zum Opfer fielen. So fehlen Russland aufgrund seiner Geschichte die Voraussetzungen für eine funktionierende Demokratie. Dass sie sich in Westeuropa und Nordamerika entfalten konnte, lag an unserer Geschichte mit ihren abendländischen Wertvorstellungen, bedingt durch die griechisch-römische Antike, das Germanentum, die christliche Kirche und zu einem gewissen Grade noch durch die Aufklärung. Daraus entstand ein Menschenbild, das bei aller Betonung des Gemeinwohls dennoch den einzelnen Menschen als Persönlichkeit und Individuum respektierte und das sich in seinem ganzen Denken und Handeln letztlich Gott gegenüber verantwortlich weiß. Der abendländische Mensch befand sich deshalb in der Lage, den modernen, demokratischen Rechtsstand zu schaffen, den er aber zugleich gefährdet, wenn er die christlich-abendländischen Wurzeln als dessen Voraussetzung aufgibt und durch nihilistische oder totalitäre Ideologien ersetzt. Alle diese Voraussetzungen fehlten bis vor kurzem in Schwarzafrika, dessen Selbstverständnis sich aus ganz anderen Überlieferungen entwickelt hat, vor allem der des Animismus, nach dem die Welt erfüllt ist von Natur- wie Tiergeistern, vor allem Geistern verstorbener Menschen, die ihre übernatürliche Macht zum Vorteil, häufi ger aber zum Schaden der Menschen ausüben. Neben einer ganz blassen Gottesvorstellung, der aber kaum handelnd in Erscheinung tritt, konzentriert sich afrikanische Frömmigkeit in erster Linie auf die Ahnenverehrung sowie auf die magischen Praktiken der Medizinmänner, Wahrsager und Zauberer. Im Gegensatz zu

den meisten Religionen geht man nicht davon aus, dass der Mensch nach seinem Tode sich vor Gott verantworten muss, also Gutes belohnt bzw. Böses bestraft werden könnte, sondern er lebt als Ahnengeist zwar unsichtbar, aber dennoch real gegenwärtig auf der Erde in seinem Familienverband weiter, und zwar in derselben gesellschaftlichen Position, die er zu seinen Lebzeiten innegehabt hatte. Es fehlt also ein letztes Verantwortungsbewusstsein vor Gott, von dem sich in anderen Religionen und Kulturkreisen der Mensch in seinem moralischen Verhalten leiten lässt. So wird der Kralherr inmitten seines Viehkrals beerdigt, um so seinen Nachkommen mit seinen übernatürlichen magischen Kräften nahe zu sein, um die Gesundheit der Familienangehörigen, das Wachstum der Saat oder die Mehrung des Viehbestandes positiv beeinfl ussen zu können. Dieses Kraftfeld wird von den Zulu als „amandla“ bezeichnet, und je größer der Sippenverband ist, je mehr Familienglieder dazugehören, je größer ist die Lebenskraft der Sippe, je besser wird sie sich behaupten, ja durchsetzen können. Deshalb legt man Wert auf große Kinderzahlen, eine Geburtenplanung wird zumindest von den Männern nicht gewünscht. Mögen die zahlreichen Kinder auch in größter Armut aufwachsen, aber sie sind notwendig zur Mehrung der Lebenskraft der Sippe. Deshalb ist in Afrika ein Bevölkerungswachstum von über 3 % die Regel, so verzehnfachte sich die schwarze Bevölkerung Südafrikas in hundert Jahren von 3,5 Mill. auf 38 Mill. Oder die Kenias in den letzten 40 Jahren von 8 Mill. auf 34 Mill. Dadurch wird jeder wirtschaftliche Fortschritt schon im Ansatz zunichte gemacht, die vorhandenen nutzbaren landwirtschaftlichen Flächen sind übervölkert und werden vielfach durch eine falsche Bearbeitung der Bodenerosion zugeführt, und nicht zuletzt führt der Landhunger zu tätigen Auseinandersetzungen mit Nachbarvölkern, die mit denselben Problemen zu kämpfen haben. Nicht selten werden bis dahin ertragreiche größere Farmen von marxistischen Regierungen enteignet, die das Land an ihre Anhänger verteilen, wodurch die Farm als Lebensmittelproduzent ausfällt.

4. Wirtschaft

Ein weiterer Grund für die wirtschaftliche Stagnation des Kontinents sind die archaischen landwirtschaftlichen Methoden, die nur geringe Ernte hervorbringen lassen. Das Vieh ist in erster Hinsicht Statussymbol, die nicht kleinen Herden dienen der Repräsentation, je größer die Herde, je angesehener der Besitzer, auch wenn der Milchertrag nur gering ist und das Land durch Überweidung der Bodenverspülung ausgesetzt wird. Hier spielen uralte Stammesüberlieferungen mit, die man nicht einfach mit europäisch-rationalen Argumenten wegdiskutieren kann. Auch beim Ackerbau könnten nach europäischen Vorstellungen wesentlich höhere Erträge erwirtschaftet werden, wenn nicht auch hier im Animismus verwurzelte religiöse Vorstellungen eine sinnvolle Bearbeitung des Landes erschwerten. Da die gesamte Natur beseelt ist, kann der Mensch nicht einfach frei über sie verfügen. Auf europäischen Farmen gesammelte Erkenntnisse können deshalb auf eigenem Land nicht ohne weiteres verwertet werden. So konnten im früheren Rhodesien relativ wenige weiße Farmen das ganze Land ernähren und noch Überschüsse für den Export erwirtschaften, im heutigen Simbabwe dagegen herrscht nach der Enteignung der weißen Farmer und der Verteilung des Landes an schwarze Siedler Hungersnot. Eine ähnliche Entwicklung scheint sich in Südafrika anzubahnen: Weiße Farmen, von der Regierung aufgekauft und an Schwarze verteilt, erwirtschaften keine Überschüsse mehr für den Markt. Es brauchte wenigstens unter normalen Bedingungen in weiten Teilen Afrikas keine Unterernährung oder Hungersnöte zu geben, wenn nach rationellen Gesichtspunkten gewirtschaftet würde. Bei allen Ereignissen, die uns Europäer auf dem afrikanischen Kontinent befremden, sollten wir uns immer den andersartigen kulturellen Hintergrund dieses Erdteils bewusst machen. So auch bei den erwähnten Grausamkeiten. Der mit übernatürlichen Kräften und Fähigkeiten ausgestattete Ahnengeist kann diese ihm gegebenen Gaben zum Nutzen, aber auch zum Schaden der nach ihm lebenden Generation verwenden, um z. B. alte Rechnungen zu seinen Lebzeiten zu begleichen, etwa um sich an seinen Mördern zu rächen. Wenn man dagegen seinen Gegner durch Verbrennen ermordet, so verliert das Opfer durch den Feuertod zu einem gewissen Grade diese Kraft, sich als Ahnengeist an seinen Mördern zu rächen. Deshalb vernichtet man in Afrika seine Gegner vielfach durch das Feuer. So wurden in Südafrika in den achtziger Jahren in den Auseinandersetzungen zwischen den rivalisierenden schwarzen Gruppen Hunderte der politischen Gegner lebendig verbrannt. Dasselbe geschieht mit den Opfern, die von Stammesgerichten der Zauberei beschuldigt und überführt werden. Auch in der Vergangenheit war es eine verbreitete Methode, in Ungnade gefallene Zeitgenossen in ihren aus Gras hergestellten und deshalb leicht entzündbaren Rundhütten dem Feuertode auszuliefern. Eine ähnliche Auswirkung verspricht man sich vom Kannibalismus, der verstärkt im Kongo festgestellt wurde.

5. Korruption und Vetternwirtschaft

Ein weiter wichtiger Grund für Rückständigkeit des Kontinents ist die ausgeprägte Korruption und Vetternwirtschaft innerhalb der herrschenden politischen Klassen, die aber auch auf einen speziellen afrikanischen Hintergrund zurückgehen. Ganz im Gegensatz zu Europa besitzt das Individuum, der einzelne Mensch, nur einen geringen Stellenwert in der

Gesellschaft. Die Loyalität gilt der Familie, der Sippe, dem Stamm. Der einzelne muss sich in diese organisch gewachsene Gemeinschaft einfügen, unterordnen, nur so konnte in früheren Zeiten die Sippe überleben. Diese Gesellschaftsform finden wir heute noch bei den Buschmännern, dort gibt es kein persönliches Eigentum, die Jagdbeute, die der einzelne erjagt hat, gehört nicht ihm, sondern der Sippe. So gehört auch in der Bantugesellschaft das Land in erster Linie dem Stamm und war im Grunde genommen unverkäufl ich. (Dies Missverständnis war einer der Gründe für den Herero-Aufstand 1904 in Deutsch-Südwestafrika.) Auch die Viehherden gehörten weniger den Kralherren, sondern der Sippe, selbst die Ahnengeister waren noch daran beteiligt. Hat sich nun im heutigen Afrika der einzelne dank seiner Tüchtigkeit emporgearbeitet, so stellt sich bei ihm

seine weitläufi ge Verwandtschaft ein, um von seinem Erfolg zu profitieren. Dadurch wird aber die Eigeninitiative nicht gerade ermuntert. Warum soll man sich anstrengen, wenn der Erfolg der Arbeit anderen zugutekommt. Dieses Gemeinschaftsdenken wirkt sich nun besonders in der Politik aus. Hatte jemand eine führende politische Position errungen, so war er moralisch verpflichtet, seine Sippen- und Stammesangehörigen in wirtschaftlichen wie politischen Positionen unterzubringen. Man macht in Afrika weniger wegen seiner Tüchtigkeit Karriere, sondern wegen seiner Zugehörigkeit zum herrschenden Stamm, zur tonangebenden Rasse. Auffallend ist weiter, dass sich in der Politik keine wirklich anerkannte Opposition entfalten kann. Tagten in früheren Zeiten Stammesräte, so konnte dort endlos über strittige Fragen diskutiert werden, wenn sich dann aber schließlich eine Mehrheitsmeinung herausgebildet hatte, die vom Häuptling bestätigt wurde, so galt von nun an nur noch diese Meinung, eine Opposition wurde nicht mehr geduldet, sie wäre als zerstörerische Macht, als eine Bedrohung der Stammesgemeinschaft empfunden worden, nach der Redensart: zwei Bullen passen nicht in den Kral, einer hat zu verschwinden. Wenn deshalb bei demokratischen Wahlen im Zuge der Entkolonisierung der größere Stamm, der ja als Block nur eine Partei gewählt hatte, sich kleineren Stämmen gegenüber durchgesetzt hatte, so hielt er anschließend über Jahrzehnte an dieser Macht fest. Kleinere Stämme liefen dann häufig zum Mehrheitsstamm über, die Rolle einer Opposition wurden ihnen aber nicht zuerkannt. Als Mugabe seinerzeit in Simbabwe mit Hilfe des Mehrheitsstammes der Shona (80 %) die Macht erhalten hatte, ließ er Zigtausende der widerspenstigen Matabele (20 %) mit Unterstützung nordkoreanischer Spezialeinheiten ermorden. Wenn die kleine weiße Minderheit sich im südafrikanischen Parlament kritisch zu Wort meldete, wurde sie von schwarzen Regierungsvertretern niedergebrüllt und aufgefordert, auszuwandern. In Afrika geht man mit der Opposition nicht zimperlich um. In allen südafrikanischen Ländern (Angola, Mosambik, Simbabwe, Namibia und Südafrika) hat es seit der Machtübernahme durch schwarze marxistische Parteien keinen Machtwechsel wieder gegeben. Obwohl im Swasiland zwei Drittel der Einwohner von weniger als einem Dollar pro Tag leben müssen, 40 % der dortigen Menschen die unheilbare Immunschwäche Aids in sich tragen, die Lebenserwartung während der letzten zwanzig Jahre von 65 auf 29 Jahre gesunken ist und 10 % der Bevölkerung aus Aidswaisen besteht, ist der nahezu unumschränkt herrschende König Mswati III trotz

seiner 13 Ehefrauen, die alle ihren BMW fahren und eine frei verfügbare Kreditkarte besitzen, außerordentlich beliebt und geachtet. Erklärbar ist dies wohl nur durch die „unüberwindbare Harmoniesucht und Lethargie der Swasi“ (Ulrich Werner Schutze, Krankes Land (Swasiland), Die Welt vom 6.8.2008).

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6. Linker Zeitgeist

Die ganze Situation wurde dadurch zusätzlich erschwert, dass während des Zeitraums nach dem Zweiten Weltkrieg der weltanschauliche Zeitgeist der westlichen Welt von der Ideologie des Linksliberalismus geprägt wurde, deren Wertvorstellungen vom Gleichheitsgedanken der Französischen Revolution, vom Sozialismus und Marxismus bestimmt wurden. Nur, dieser westliche politische Schlüssel passte nicht in das afrikanische Schloss, um die Probleme des schwarzen Kontinents zu lösen. Gerade der Linksliberalismus hat kein Gespür für die vielschichtigen spezifisch afrikanischen Aufgaben und Schwierigkeiten. Vom Gleichheitsgedanken her dürfte es die gravierenden sozialen Unterschiede etwa zwischen einem europäischen Farmer und einem ihm benachbarten Zulukral nicht geben. Da sie sich aber nicht leugnen lassen, erklärt man sie sich vom marxistischen Klassenkampf-Denken her: Wo krasse wirtschaftliche Unterschiede vorhanden sind, kann es sich nur um Ausbeutung handeln. Dass in Ländern, in dem nur wenige oder gar keine Weißen siedeln, die wirtschaftliche Not der Eingeborenen-Bevölkerung deutlich größer ist als im südlichen Afrika mit seinen mehreren Millionen Europäern, interessierte nicht. So wurde der besonders im südlichen Afrika lebende Europäer grundsätzlich zum Ausbeuter und Rassisten abgestempelt, den es zum Wohle der Schwarzafrikaner zu entmachten galt. So wurden von Europa und Amerika aus über Jahrzehnte jene sog. Befreiungsbewegungen unterstützt, die gewalttätig eine klassenkämpferisch-marxistische Politik vertraten und die heute in allen größeren südafrikanischen Staaten die Regierung stellen und von denen keine die einmal gewonnene Macht, die sie z. T. bereits über dreißig Jahre innehaben, jeweils wieder abgegeben hat. Und die ihre Staaten, wie wir sahen, wirtschaftlich zugrunde richteten

und in Bürgerkriegen zerstörten.

7. Südafrika – Zerfall eines Staates

Dieser Verfall eines Staates wird besonders am Beispiel Südafrikas deutlich. Diese ohne Frage in erster Linie von Europäern aufgebaute Industrienation ist die Wirtschaftsmacht Afrikas schlechthin, an deren Börsen 483 Mrd. Dollar bewegt werden, während sämtliche übrigen Staaten Schwarzafrikas es zusammen nur auf 100 Mrd. Dollar bringen. Durch die neue „affirmative action“-Politik der jetzigen ANC-Regierung wurde jedoch ein Rassen-Proporz vorgeschrieben, wonach dem schwarzen Bevölkerungsanteil (etwa 75–80 %) der weitaus größte Teil des Reichtums des Landes und der Arbeitsplätze zusteht. Infolge dieser Politik wurden ungezählte Weiße aufgrund ihrer Hautfarbe aus dem Staatsdienst und der Wirtschaft entlassen; ihre Positionen wurden von Schwarzen übernommen, auch wenn diese gar nicht in der Lage waren, diese Posten auszufüllen. Es ging also nur um die Rasse. Eine Folge dieser Politik sind beispielsweise heutzutage stundenlange Stromausfälle, die besonders die Wirtschaft belasten, da mehrere Großkraftwerke wegen mangelnder Wartung und Planung stilliegen. Es sind besonders die Schwarzen selbst, die unter der verfehlten Wirtschaftspolitik des ANC leiden, so ist die Zahl der Armen mit weniger als einem Dollar pro Tag zwischen 1996 und 2005 von 1,9 Mill. auf 4,2 Mill. angestiegen. Eine Begleiterscheinung dieser ganzen Entwicklung ist eine ausufernde Kriminalität in Südafrika. Nach der Kriminalstatistik des Jahres 2006 fanden dort täglich 52 Morde statt, insgesamt in diesem Jahr 19.202, weiter 126.558 schwere Raubüberfälle mit Gewaltanwendung sowie 50.000 Vergewaltigungen. Selbst das Atomforschungszentrum Pelindaba wurde gestürmt. Hinzu kamen fremdenfeindliche Übergriffe einheimischer Schwarzer ausländischen Schwarzen gegenüber, die zu Millionen aus den wirtschaftlich völlig am Boden liegenden sozialistischen Nachbarstaaten wie Simbabwe, Mosambik oder Angola nach Südafrika geflüchtet waren. „Die Welt“ spricht nicht zu Unrecht von Südafrika als einem Land, in dem „Korruption und Vetternwirtschaft, Lüge und schwarzer Rassismus wüten“. Aufgrund dieses schwarzen Rassismus verließen bereits 20 % der weißen Bevölkerung das Land, überwiegend junge Menschen, da sie unter den gegebenen Umständen für sich keine lebenswürdige Zukunft mehr am Kap erkennen konnten. So wird ein einst wirtschaftlich blühendes Land langsam heruntergewirtschaftet, durch eine sozialistische Regierung, die mit Hilfe der politischen Linken des Westens in diese Machtposition emporgehievt worden war, die aber weder fähig noch willens ist, die Geschicke des Landes in einem rechtsstaatlichen Rahmen zu führen.

Ergebnis

Es sind also in der Hauptsache zwei Gründe, die die wirtschaftliche Entwicklung Schwarzafrikas stagnieren lassen. Es ist einerseits wie geschildert der spezielle afrikanische kulturelle Hintergrund, der effektives Wirtschaften erschwert und einen Rechtsstaat im westlichen Sinne nicht aufkommen lässt. Andererseits ist es der Linksliberalismus des Westens, der, befangen in den Absolutheitsansprüchen seiner Ideologie, die Vielschichtigkeit der afrikanischen Problematik nicht erkennen konnte und mit einem Rassen-Klassenkampf-Denken dem schwarzen Kontinent seine Politik aufzuzwingen versucht. So wurden überall im südlichen Afrika nach der Entkolonialisierung den linken und linksradikalen Parteien die Staatsmacht übertragen, die folgerichtig ihre Länder in Bürgerkriege und in die Verarmung führten. Es bleibt nur zu hoffen, dass mit der starken Ausbreitung des Christentums auf dem Kontinent ein neues, vom christlichen Glauben geprägtes afrikanisches Bewusstsein entsteht, das den dortigen Menschen eine bessere Zukunft ermöglicht.

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