Die NWO der kleinen Leute

Von Osimandia

In letzter Zeit wird mehr und mehr über die Eliten hinter den Kulissen der großen Politik geredet und geargwöhnt, dass sie möglicherweise eine geheime Agenda verfolgen. Das ist keineswegs abwegig, aber da wir alle keinen persönlichen Zugang zu solchen Leuten haben, ist das naturgemäß etwas schwierig. Man hat keine Information aus erster Hand. Man muss wie ein Detektiv Aussagen aufnehmen, analysieren, mit den Abläufen in der Realität vergleichen und das ganze Repertoire an Verstandeswerkzeugen, das uns der liebe Gott mitgegeben hat, aufbieten, um einen Zusammenhang festzustellen. Man muss dann überprüfen, wie stichhaltig das ist, Gegenmeinungen ebenfalls auf Stichhaltigkeit überprüfen, und da man einhunderkommanullprozentige Gewissheit bei so einer Sache sowieso nicht erlangen kann, muss man für sich selber festlegen, wo die Grenze liegt, ab der man sagt: Das ist erwiesen. Kurz gesagt: Das ist eine beschissene und sehr undankbare Arbeit.

Noch schlimmer wird es, wenn man sich befleißigt fühlt, andere Menschen über Verschwörungen aufzuklären. Im Grunde läuft es so: Es kommt das Argument, sowas ließe sich nicht geheimhalten, da müsste es doch Whistleblower geben. Dann antwortet man: “Ja, es gibt auch Whistleblower. Der da zum Beispiel.” Dann kommt das Argument “Der lügt, der spinnt, das kann ja jeder sagen.” So kommt man nicht weiter.

Deshalb habe ich mich in letzter Zeit mehr mit einem anderen Aspekt der NWO beschäftigt – nicht in dem Sinne, dass sie eine Verschwörung ist, sondern in dem Sinne, dass sie eine Weltanschauung ist. Mein Beobachtungsobjekt war die islamkritische Szene. Man sollte meinen, dass gerade diese Gruppe von Menschen gegenüber der NWO-Propaganda weniger anfällig ist, schließlich sind es ja diejenigen, denen ständig lautstark vorgeworfen wird, sie wären Rassisten und Nationalisten. Und da habe ich eine verblüffende Beobachtung gemacht:

Analog zu dem platten Witz “Wo ist denn bloß meine Brille? – Mitten auf deiner Nase!” gibt es sehr viele Leute, die einen betreten ignorieren (wie ein kultivierter Mensch einen geistig Behinderten ignoriert) oder wüst anblaffen, man würde irres Zeug daherschwafeln, wenn man von einer New World Order oder Weltregierung spricht, aber höchstselber diese New World Order bereits verinnerlicht haben.

Ich mache das jetzt mal am Beispiel der Taliban-Diskussion fest, die kürzlich lief. Westerwelle möchte unser Geld für ein Taliban-Aussteigerprogramm verbraten. Das hat in der islamkritischen Szene erwartungsgemäß zu heftigen Empörungsstürmen geführt mit dem ganzen Programm, dass der dumm und verrückt geworden ist, den vorhersehbaren Witzen und Beschimpfungen über ihn und alle Leute, die das gut finden. Da Westerwelle schwul ist, hatte selbstverständlich auch der obligatorische Baukran seinen gebührenden Auftritt. Keine Frage – die Idee ist unmöglich, aber darum geht es mir hier nicht. Mir geht es um die Gemeinsamkeit derer, die das gut finden, und derer, die es besser finden, die Taliban totzuschießen.

Diese Debatte unterscheidet sich durch nichts von der Debatte darüber, ob man jugendliche Verbrecher besser von Sozialarbeitern betreuen lässt oder ob man sie besser in den Knast steckt. Ganz egal, was man darüber denkt: Es ist eine innenpolitische Debatte! Es ist eine Debatte darüber, wie man am klügsten mit Gesetzesbrechern umgeht, keine Debatte darüber, ob man überhaupt in Afghanistan was verloren hat oder nicht, ob man einen Krieg gegen sie führen soll oder nicht. Und voilà: Wer die Taliban wie ein innenpolitisches Problem behandelt, der hat die NWO bereits mit Stumpf und Stiel gefressen und verinnerlicht.

Das zieht sich schon lange hin. Das erkennt man auch daran, dass die Islamophoben ab und zu mal eine Anwandlung kriegen, zu schreiben, es gäbe auch nette Moslems. Ach nee! Natürlich gibt es die. Das bringt diese kleinen NWO-Leute dann aber automatisch dazu, zu meinen, diese netten Moslems hätten alles Recht der Welt, in Deutschland zu leben oder sogar zu meinen, sie wären damit schon automatisch Deutsche. Es geht fast so weit: Wenn man männlicher Moslem ist und schwul lebt, oder weiblicher Moslem ist und außerehelichen Geschlechtsverkehr hat, dann ist man deutsch. Ganz zu schweigen von all den vielen Moslems, die Bier trinken und Schweinefleisch essen. Das ist das ultimative Kriterium dafür, dass jemand deutsch ist. Alle Netten und Klugen leben in Deutschland und alle Bösen und Dummen – selbstverständlich inklusive Claudia Roth – kommen in die Türkei. So müsste die Einwanderungspolitik laufen, dann wäre alles gut. Wenn die dummen Politiker das bloß kapieren würden! Auch das ist eine komplette Verinnerlichung der New World Order. Sie ist real. Denn sie ist in den Köpfen der Menschen bereits angekommen, wobei das Fußvolk teilweise dabei schon weiter geht als die Regierung.

Die Gegenhaltung dazu möchte ich an einem Beispiel aus einem Agatha Christie Roman (“Das fehlende Glied in der Kette”) beschreiben. Wie üblich gibt es eine Reihe von Verdächtigen und am Ende ist einer davon der Mörder. Es geht um einen ganz privaten Mord, aber der Roman – es ist ihr Erstlingswerk – spielt während des Ersten Weltkriegs. Bei einem der Verdächtigen stellt sich am Ende heraus, dass die verdächtigen Dinge, die er getan hatte, nicht daher kamen, dass er der Mörder war, sondern daher, dass er ein deutscher Spion war. Captain Hastings kommentiert das mit “Dieser Schurke!” worauf Hercule Poirot sagt: “Sie irren sich. Er ist kein Schurke, er ist ein guter Patriot genauso wie Sie!” Keine Frage, dass Poirot den Spion trotzdem den Behörden übergeben hat und auch keine Frage, dass er sich ganz anders geäußert hätte, wenn es sich um einen Engländer in deutschen Diensten gehandelt hätte. Interessant ist, dass Agatha Christie ganz selbstverständlich die Haltung der Old World Order – wenn man so will – dem klugen Meisterdetektiv Poirot in den Mund legte, während sie die empörte NWO-Haltung (alles ist Inland, Feinde und Verbrecher sind dasselbe) dem trottligen Adlatus Hastings in den Mund legte, der selbstverständlich dann aber auch sofort einsah, dass er sich geirrt hatte. Keine andere Meinung hatte – die NWO war damals noch keine Meinung, zumindest nicht im krimilesenden und -schreibenden Volk – sondern nur aus emotionalen Gründen heraus geirrt hatte.

Heute haben wir weltweit nur Verbrecher und Polizei. Feinde sind ebenso abgeschafft wie ausländische Patrioten. Inländische Patrioten sind Verbrecher. Natürlich gibt es großes Verständnis für irgendwelche Taliban und sonstigen grusligen Moslems, aber es ist dasselbe Verständnis, das diese Klientel auch für Verbrecher und Randalierer aufbringt. Es ist nicht das Verständnis, das ein Patriot für den Patrioten einer feindlichen Nation hat und das – so weit ich das beurteilen kann – auch im 2. Weltkrieg noch ansatzweise vor allem unter Soldaten verbreitet war. Aber im 2. Weltkrieg hat es sich schon aufgelöst. Auch und vor allem den sehen wir schon als One-World-Melodram mit den Achsenmächten als Gesetzesbrecher und den Alliierten als Polizei. Dass manche Leute mit Gesetzesbrechern sympathisieren oder Resozialisierung der Strafe vorziehen, steht dem nicht entgegen!

Man kann es überall beobachten: Die NWO ist schon längst weit mehr als nur die “Verschwörungstheorie”, geheime Zirkel wollten eine Weltregierung basteln oder hätten die hinter den Kulissen bereits installiert. So wie eine Nation nicht nur aus einer Regierung besteht, besteht auch die One-World nicht nur aus einer Weltregierung. Und das Fußvolk fühlt zwar großes Unbehagen wegen all den realen und zwangsläufigen Konsequenzen dieser One-World, hat sie aber in weiten Teilen schon verinnerlicht und tobt nur noch darüber rum, dass die Weltpolizei mit den Weltverbrechern zu milde umgeht. Und all das, während sie sich standhaft weigern, zur Kenntnis zu nehmen, dass es eine New World Order gibt.

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