Was ist Poststrukturalismus und warum ist das ansteckend?

von Kairos

 Dies ist der erste Teil einer losen Triologie zum Thema „Bildungsmisere Deutschland.” Er beschäftigt sich mit dem Universitätswesen und analysiert die politische Funktion des Poststrukturalismus.

Eine Einführungsveranstaltung für Germanistik an einer beliebigen deutschen Universität. Achtzig Prozent der Anwesenden sind weiblich, haben gerade das Abitur hinter sich und wissen genau, warum sie hier sind: „Weil ich gerne Bücher lese…“

Man behandelt, statt eines Überblicks über alle literarischen Theorien und Richtungen, zum großen Teil französische Autoren, zum größeren Teil aus dem 20. Jahrhundert, und speziell solche, die sich der theoretischen Richtung des Poststrukturalismus verschrieben haben. Zwei Semester später wundern sich andere Dozenten, dass keinem Studenten die Poetik des Aristoteles und die ästhetische Theorie Kants bekannt sind, Werke, die eigentlich grundlegend für den Literaturwissenschaftler sind oder früher einmal waren.

Die Werke werden nicht interpretiert, die Stundenten wachsen nicht an der Größe der Literatur. Stattdessen wird herumgekrtittelt, es wird nach Verweisen und Analogien gesucht und vor allem wird versucht zu zeigen, dass die Werke der „toten weißen Männer“ alle ganz rassistisch, patriarchalisch und reaktionär sind.

Wer verstehen will, wie hochgebildete Menschen sich auf einem geistigen Niveau bewegen können, das sich nur äußerlich von den RTL Talkshows unterscheidet, der muss verstehen, was die Postmoderne, bzw. was der Poststrukturalismus ist.

Der Begriff Postmoderne ist sehr weit gefasst. Diverse Autoren werden der Postmoderne zugeordnet, ihnen gemein ist eine Ablehnung der rationalistischen Tradition der Wissenschaft, ein Hang zum marxistischen Denken und eine verschleiernde Sprache. Alan Sokal hat in seinem Buch „Eleganter Unsinn“ in aller Deutlichkeit auf die Gefährlichkeit der Postmoderne hingewiesen.

Auch in Deutschland reagieren Akademiker sehr allergisch auf kritische Stimmen gegenüber der Postmoderne, was zu einer Schweigespirale führt. Denn diejenigen Studenten, die offen sagen, was sie von manch gedanklichem Verwirrspiel halten, werden gnadenlos ausgesiebt. Konservative Professoren und Dozenten bleiben in ihren Spezialbereichen und überlassen das Feld der politischen Agitation den „Postmarxisten.“ So entsteht der Eindruck, die Postmoderne sei unter Akademikern unumstritten. Studentenvertretungen aus der linken bis ganz linken Ecke sorgen dafür, dass die Lehrfreiheit in Deutschland quasi nicht existent ist und sind sich nicht zu schade Fotos von rechtsgerichteten Studenten zu verteilen („Dein Kommolitone ist ein Nazi!“). Wer in einer Diskussion auf dem Campus das marxistische Vokabular nicht beherrscht, bleibt außen vor.

Auch so funktioniert politische Korrektheit: Wer außerhalb des postmodernen Diskurses steht, bzw. die Fundamente desselben angreift, wird mit Missachtung gestraft.

Es geht der Postmoderne um nichts weniger als um die völlige Abschaffung der wissenschaftlichen Tradition, welche aus ideologischen Gründen für politisch inkorrekt gehalten wird. Sie haben richtig gelesen, die wissenschaftliche Tradition selbst, die Kriterien der Rationalität, die Beobachtung der Natur, trial and error, Argumentation nach dem Prinzip des aristotelischen Widerspruchssatzes (man darf sich nicht selbst widersprechen) – all diese Grundlagen wissenschaftlichen Denkens, Arbeitens und Handelns werden aus politischen Gründen abgelehnt. Faktisch werden diese Dinge von den Denkern der Postmoderne als „Ideologie des Kapitalismus“ und letztendlich als eine Geißel, mit welcher „der weiße Mann“ die Minderheiten unterdrückt, gedeutet. Die wissenschaftliche Methode ist also für Postmodernisten nur die „partielle“ Wahrheit des kapitalistischen Westens, andere Kulturen haben andere Wahrheiten, die als gleichwertig zu bewerten sind.

Der Poststrukturalismus nimmt innerhalb der Postmoderne eine zentrale Position ein. Jaques Derridas Thesen von der „Dekonstruktion“ korrelieren herrlich mit den „rhizomatischen“ Überlegungen von Gilles Deleuze (Bild Artikelanfang) und Felix Guattari (Bild unter diesem Absatz).

Vom literaturwissenschaftlichen Standpunkt aus bedeutet Poststrukturalismus, dass interpretatorische Aussagen über den Sinn von Texten, die Bedeutung von Aussagen oder Intentionen von Autoren ad absurdum geführt werden. Die Autoren verwehren sich komplett dem Interpretationsbegriff – der eigentlichen Aufgabe der Literaturwissenschaften – stattdessen solle mit Texten „experimentiert“ werden.

Was bedeutet das für die literaturwissenschaftliche Praxis?

Texte verlieren die Aura der Heiligkeit, des Übermenschlichen, Erhabenen. 

Die Arbeit des Literaturwissenschaftlers ist nicht mehr Exegese, im Sinne von „Hervorhebung von Bedeutung“ (Hermeneutik), sondern die möglichst ideologie- und „wurzel“- freie Verkettung von Bezügen. Die Literatur wird nicht mehr als das gemeinsame Werk großer Autoren und Genies angesehen, sondern als „rhizomatisches Bezugsgeflecht,“ in welchem sich potentiell alles auf alles bezieht. Dabei wird nicht historisch vorgegangen – dazu müsste man nach dem Autor fragen und danach, ob er sich wirklich auf einen anderen beziehen wollte – sondern rein systematisch, so dass weder Intention des Schreibers noch Datum des Erscheinens eine Rolle spielen.

Insofern ist ein Gedicht von Schiller nicht mehr von einem Klospruch unterscheidbar.

Nänie (von Friedrich Schiller)

Auch das Schöne muß sterben! Das Menschen und Götter bezwinget,

Nicht die eherne Brust rührt es des stygischen Zeus.

Einmal nur erweichte die Liebe den Schattenbeherrscher,

Und an der Schwelle noch, streng, rief er zurück sein Geschenk.

Nicht stillt Aphrodite dem schönen Knaben die Wunde,

Die in den zierlichen Leib grausam der Eber geritzt.

Nicht errettet den göttlichen Held die unsterbliche Mutter,

Wann er, am skäischen Tor fallend, sein Schicksal erfüllt.

Aber sie steigt aus dem Meer mit allen Töchtern des Nereus,

Und die Klage hebt an um den verherrlichten Sohn.

Siehe! Da weinen die Götter, es weinen die Göttinnen alle,

Daß das Schöne vergeht, daß das Vollkommene stirbt.

Auch ein Klaglied zu sein im Mund der Geliebten ist herrlich;

Denn das Gemeine geht klanglos zum Orkus hinab.

 

Ein wahllos gegoogelter Klospruch:

Jegliche Hierarchie, jeglicher literarischer Stellenwert verliert seine Grundlage. Kritik ist nicht mehr Bestandteil dieser Methode, stattdessen werden die Texte dekonstruiert, das bedeutet aus ihrem historischen Zusammenhang herausgelöst betrachtet und auf herrschafststrukturelle und geschlechterspezifische Merkmale hin untersucht.

Diese Methode muss man nicht verstehen, geben die Autoren doch freimütig zu, dass sie sich als außerhalb des logischen Diskurses stehend betrachten. Aber man muss ihn als propagandistisches Werkzeug zur Kenntnis nehmen.

Wie so oft bei postmodernen Autoren wäre die rhizomatische Theorie, formulierte man sie in verständlichen Worten, sehr kurz, wenig ergiebig und auf den ersten Blick als falsch erkenntlich. Daher wird sie in einem Nebel von Fachsprache verdeckt. Der Anschein von Wissenschaftlichkeit wird erzeugt, was ja überhaupt erst wissenschaftlich interessierte Leser anlockt.

Man muss sich vor Augen halten, dass diese Leute durch ihren Betrug nicht nur lebenslange, gut dotierte Stellen und Einnahmen durch Buchverkäufe und Vorträge erschlichen haben, sondern auch noch den Ruhm, über den eigenen Tod hinaus als die „Philosophen des 20. Jahrhunderts“ zu gelten. Indem die nächste Studentengeneration mit ihren Texten gefoltert wird verewigt sich die Lächerlichmachung der Geisteswissenschaft durch sich selbst, die Spott von außen gar nicht mehr benötigt.

Deleuze und Guattari deuten „den Kapitalismus“ nicht als ein ökonomisches System, sondern als totalitäre Ideologie. Dementsprechend steht die „kapitalistisch- bürgerliche“, Wissenschaft unter dem Generalverdacht ideologischer Verblendung.

Der Poststrukturalismus (was ich hier über Deleuze gesagt habe lässt sich erweitern durch die Analyse der Werke von Derrida (Bild), Foucault, etc., die jeweils von anderen Seiten her angreifen, aber für die gleiche Sache kämpfen) will nicht weniger als das wissenschaftliche System selbst infrage stellen, es als „kapitalistische Ideologie“ entlarven, der man marxistische Gegeninterpretationen entgegenzusetzen habe.

Insofern sind die Postmoderne im Allgemeinen und der Poststrukturalismus im Besonderen als direkte Nachfolger der Frankfurter Schule anzusehen. Die Kulturrevolution wird auf eine neue Stufe gehoben.

Auf den kultur“kritischen“ Thesen der Vorgänger aufbauend wird ein Denksystem geschaffen, in dem moralischer, kultureller und kognitiver Relativismus als Waffe gegen die „kapitalistische Ausbeutung“ verkauft werden.

Exkurs: Manfreds Liberalismuskritik und das wahre Ziel der postmodernen „Kritik“

Der postmoderne Angriff auf den philosophischen Begriff des „Subjekts“ kann als Angriff auf die Aufklärungsphilosophie verstanden werden. Die Postmoderne lehnt die rationalistische und universalistische Ausrichtung der Aufklärung ab.

Aber nur vermeintlich geht es hier, wie auch bei anderen Aspekten der Postmoderne, um eine Kritik an der Aufklärungsphilosophie. Das aufklärerisch- liberale Subjekt als ein frei von „Zwang“ (sprich Bindung) entscheidendes und handelndes Einzelnes, das als einzigen Maßstab (in moralischen und allen anderen Fragen) sich selbst setzt, ist allerdings nicht das, was kritisiert wird.

Hier zeigen sich Marxismus und Liberalismus als zwei Seiten einer Metaideologie, was Manfred sehr klar analysiert hat.

Beide Denkrichtungen sind Kinder der Aufklärungsphilosophie.

Der Postmodernismus greift nicht das „liberale“ Subjekt als Träger individueller Freiheit an, sondern den verantwortlich handelnden Einzelnen, sofern er Teil einer Gemeinschaft ist.

Es ist sehr verführerisch auf den vermeintlich antiaufklärerischen Ton der postmodernen Subjektskritik zu reagieren, indem man dieses  Subjekt (im liberalen Sinne als autonom verstanden) verteidigt – ich selbst habe das lange so gehandhabt. Scheinbar greift hier der (Post-) Marxismus den Liberalismus (dessen ökonomisches Pendant ja der Kapitalismus ist) an. Der Liberale kann sich also gut über den „totalitären“ Ansatz des Marxisten aufregen und sich fragen, was diese Leute denn reitet, alle modernen Errungenschaften abzulehnen und sich eine Gesellschaft (zurück) zu wünschen, in der Armut und Mangel den Alltag bestimmen. Der Linke dagegen weiß sich in seinem Kampf gegen Materialismus und Ausbeuterei dem Liberalen überlegen. Der Liberale trägt seinen Rationalismus stolz vor sich her, während der Postmarxist ihn bekämpft. Und doch sind beide Utopisten, Universalisten und Individualisten.

Manfred hat beschrieben, wie die den beiden Ideologien zugrundeliegende Metaideologie dafür sorgt, dass Grabenkämpfe nur innerhalb ihres Bezugsrahmens stattfinden können.

Außerhalb dieses Bezugsrahmens steht ein Denkmodell, welches Volk, Tradition und Bindungen nicht als Unterdrückung und Rollenzwang deutet. In diesem Denkmodell ist die individuelle Freiheit geknüpft an die Verantwortung, seine gesellschaftliche Rolle auszufüllen.

Schon Marx wollte das verantwortlich handelnde Individuum als Teil eines Volkes, das Grundlage einer jeden freien Gesellschaftsordnung ist, durch das „Klassensubjekt“ des revolutionären, international agierenden Proletariers ersetzen. (Sartre erkannte immerhin irgendwann, dass er und seine kommunistischen Spießgesellen gar keine Arbeiter kannten, sondern nur andere marxistische Intellektuelle). Da aber die Arbeiter, statt zu revoltieren, nur bessere Löhne forderten, mussten die Ideologen der Frankfurter Schule die gescheiterte ökonomische Revolution durch die Kulturrevolution ersetzen. Erstes Ziel ist daher die Zerschlagung des verantwortlich handelnden Einzelnen, des Subjekts. Ich würde nicht soweit gehen, alle Auswüchse des „Nanny- Staates“ als einen direkten Versuch zu deuten, den Bürgern schrittweise die Selbstverantwortlichkeit zu entziehen, aber der Hang zu einem sehr rigiden Paternalismus unter Linken, der sich ja oft mit einem starken elitären Denken paart, entstammt sicherlich dieser Denktradition.

Diejenigen, die am lautesten auf „den Staat“ schimpfen, können gar nicht anders, als eben denselben immer wieder zu den rigidesten Lösungen der kleinsten Probleme heranzuziehen, weil sie seinen Gegenpart, das Volk als Gemeinschaft von Individuen, ideologisch ausblenden.

Die Postmoderne führt auch diesen Kampf der Kulturrevolutionäre auf mehreren Ebenen fort: Zum einen wird der philosophische Subjektsbegriff und damit zusammenhängend die Leitungsfunktion der Rationalität, infrage gestellt (kognitive Ebene).

Desweiteren gibt es jedoch auch hier einen Angriff auf der moralischen und kulturellen Ebene: Der moralische Relativismus, der die Existenz objektiver Moralkriterien leugnet, verbindet sich mit der Leugnung der Verantwortung des Individuums für seine eigenen Taten.

Wer sich fragt, warum Richter oft so milde Urteile fällen, speziell wenn es sich um sozial schwache Täter oder solche mit Migrationshintergrund, handelt, der muss nur verstehen, dass auch unsere Juristen von der These, das Umfeld, nicht das Individuum, sei für dessen Taten verantwortlich, nicht verschont geblieben sind. Das gilt in noch größerem Maße für „kulturelle Besonderheiten“, ein Euphemismus für die Tolerierung von erheblichen Straftaten von kulturfremden Zuwanderern, welche es ja „nicht besser wissen“ könnten.

Im Umkehrschluss ist der gutbürgerliche einheimische Spießer bei Begehung einer Straftat doppelt zur Verantwortung zu ziehen – aufgrund seines positiven Umfeldes hätte er es ja „besser wissen“ müssen.

Diese äußerst diskriminierende Praxis („die wissen es eben nicht besser“) verbindet sich mit der These von der strukturellen Ungerechtigkeit unserer Gesellschaft. So wundert es nicht, dass immer wieder Quotenregelungen gefordert werden. Wer diesen Forderungen entgegenhält, auch Frauen, Migranten, Homosexuelle und Mitglieder anderer Randgruppen würden aufgrund ihrer Fähigkeiten eingestellt oder befördert werden wollen, statt „positiv diskriminiert“ zu werden, der fängt sich den Vorwurf ein, er wolle die „strukturellen Ungleichheiten“ verewigen.

Wenn es als diskriminerend gilt, jemanden aufgrund mangelnder Sprachkenntnisse nicht einzustellen, dann ist das nicht nur ein Ausläufer der politischen Korrektheit, sondern auch eine Folge des beschriebenen Denkens. Dumm ist es natürlich auch.

Leider hat sich auch die weibliche Emanzipationsbewegung der postmodernen „Kulturkritik“ angeschlossen und kämpft schon lange nicht mehr für Gleichberechtigung, sondern für einen Sonderstatus von Frauen.

Ende des Exkurses

Zurück zum Poststurkturalismus:

Die beiden Hauptaufgaben des Poststrukturalismus waren die Hierarchie von Texten (und damit auch anderen kulturellen Gütern) radikal infrage zu stellen und das wissenschaftliche Denken und Argumentieren als Teil der „kapitalistischen Ideologie“ zu diffamieren.

Diese beiden Denkfiguren befördern selbstredend auch den feministischen „Geschlechterkampf“ und den antiwestlichen „Kulturkampf“, sowie die kulturpessimistischen und populärkulturellen Darstellungen von Sex und Gewalt. Bücher wie die Blutorgien von Easten Ellis („American Psycho“) oder die Ekelphantasien von Frau Roche („Feuchtgebiete“) sind in der poststrukturalistischen Diskussion keineswegs mehrere Ebenen tiefer anzusiedeln als der „Faust“ oder „die Räuber.“ Sie stehen auf einer Stufe, ja, überflügeln die Klassiker noch an Bedeutung, weil sie ja irgendwie eine revolutionäre Funktion erfüllen.

 

„Welch Schauspiel! Aber ach! Ein Schauspiel nur! Wo faß ich dich, unendliche Natur?“ (Zitat aus Faust, erster Teil)

„Du bist `n hässliches Miststück. Ich würde dich gerne abstechen und mit deinem Blut rum spielen.” (Zitat aus American Psycho)

 „Ich fühle eine Armee in meiner Faust!“ (Zitat aus „die Räuber“)

„Solange ich denken kann, habe ich Hämorrhoiden. (…) Für das äußere Gejucke drückt man aus der Tube eine haselnussgroße Menge auf den Finger mit dem kürzesten Nagel und verreibt sie auf der Rosette.“ (Zitat aus Feuchtgebiete)

Dazu ist anzumerken, dass der „Tabubruch“, den zu begehen die Popkultur hier vorgibt überhaupt nicht vorliegt. Die Werke des Marquis de Sade aus dem 18. Jahrhundert zum Besispiel, die heute vor allem wegen ihrer gelungenen Landschaftsdarstellungen (auf dem Klappentext einer „Juliette“ Ausgabe wird doch tatsächlich mit den schönen Bildern, die der Autor von der italienischen Landschaft zeichne, geworben. Im Buch wird unter anderem ein zehnjähriges Mädchen vergewaltigt und ermordet) gelesen werden, sind gefüllt mit detaillierten Beschreibungen von anormaler Sexualität, Gewalt, Vergewaltigungen und Sexualmorden.

Dieses Beispiel zeigt, dass es nicht um etwas „Neues“ geht (ein Tabu kann ja nur einmal gebrochen werden), sondern um eine Indoktrination. Durch die andauernde Wiederholung von Ekelhaftigkeit soll ein Abstumpfungsprozess in Gang gesetzt werden. Dazu gesellt sich das mediale Dauerfeuer von Sex, Gewalt und unendlicher Blödheit.

Die kulturzerstörende Ästhetik ist zum Selbstläufer geworden, weder Künstler, noch Konsumenten können sich überhaupt noch etwas anderes vorstellen. Das sieht man daran, dass auch im Theater keine Vorstellung mehr ohne nackte Brüste oder Sex auskommt. Wer gelernt hat zu unterscheiden was „Kunst“ ist und was Pornographie, der hat die politische Korrektheit verinnerlicht. Nacktdarstellungen, die in anderem Kontext anstößig wirken würden, sind im Theater ein revolutionäres Moment. Guten Appettit!

Wenn man über diese Dinge dann in einem Jargon sprechen darf (bzw. muss), der mit wissenschaftlichem Diskurs nichts mehr zu tun hat, sondern sich in einer Aneinanderreihung sinnloser Neologismen und Assoziationsketten erschöpft, dann hat der Poststrukturalismus sein Ziel erreicht und das Fundament der Wissenschaft untgergraben.

Die Seminare der Universitäten sind, zumindest was weite Teile der Geisteswissenschaften angeht, zu reinen Gesprächsrunden verkommen, in welchen Studenten und Dozenten versuchen sich durch den Gebrauch einer möglichst artifiziellen und antidiskriminierenden Sprache moralisch zu profilieren. Arbeiten werden nicht mehr geschrieben, um den Fortschritt des Wissens zu befördern, sondern um die eigene Gutmenschlichkeit oder intellektuelle Überlegenheit (im Idealfall beides zusammen) zu erweisen. Ganze Wissenschaftszweige entstehen nur aus der Notwendigkeit heraus, den Akademikern eine Beschäftigung zu verschaffen. So sind sicherlich neunzig Prozent der didaktischen Theorie der letzten dreißig Jahre vollkommen überflüssig. Die anderen zehn Prozent sind sogar schädlich.

Im Erziehungswesen werden diese theoretischen „Erkenntnisse“ dann praktisch umgesetzt, womit ich mich im zweiten Teil meiner Reihe „Bildungsmisere Deutschland“ beschäftigen werde.

Kommentare sind geschlossen.

%d Bloggern gefällt das: