Antideutsche Hysterie

Als Bettler sind wir nicht gekommen,
Aus unserem deutschen Vaterland,
Wir hatten vieles mitgenommen,
Was hier noch fremd und unbekannt!

Und als man schuf aus dichten Wäldern,
Aus dürrer, öder Wüstenei,
Den schönsten Kranz von reichen Feldern,
Da waren Deutsche auch dabei!

Gar vieles, was in frühen Zeiten,
Ihr kaufen musstet überm Meer,
Das lehrten wir euch selbst bereiten,
Wir stellten manche Werkstatt her!

O wagt es nicht dies zu vergessen,
Sagt nicht als ob dem nicht so sei;
Es künden’s tausend Feueressen:
Es waren Deutsche auch dabei!

Und wenn in vollen Tönen klinget,
An’s Herz des Liedes Melodei,
Ich glaub’ von dem, was ihr da singet,
Ist vieles Deutsche auch dabei!

Drum steh’n wir stolz auf diesem Grunde,
Den unsre Kraft der Wildnis nahm,
Was wärs mit diesem Staatenbunde,
Wenn nie ein Deutscher zu euch kam?

Wie in des Bürgerkrieges Tagen,
Ja, schon beim ersten Freiheitsschrei,
Wir dürfen’s unbestritten sagen:
Es waren Deutsche auch dabei!

  Konrad Krez
1828 in Landau – 1897 in Milwaukee


Von Linda Schaitberger. Übersetzt von Osimandia. Das englische Original erschien auf der Seite Anti-German Hysteria,  auf dem dieses Phänomen in vielen Einzelartikeln beleuchtet wird. Grundlage dieser Übersetzung waren Introduction und Birth of the Hun: The Propagandists. Verlinkungen im Text stammen nicht aus dem englischen Original sondern wurden bei der Übersetzung eingefügt.

Einführung

Die folgenden Seiten sind eine unerfreuliche Reise in den Hass. Sie erheben nicht den Anspruch, eine detaillierte Geschichte des Ersten Weltkriegs darzustellen, und sie sind auch nicht als politische Erklärung gedacht. Sie dienen nur als Versuch, das Propagandawüten gegenüber Deutschland und dem deutschen Volk weltweit sowie die immer noch andauernden, irreversiblen Auswirkungen des größten konzertierten Angriffs auf ein Volk in der Menschheitsgeschichte zu veranschaulichen.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg stellten Deutsche die größte Nationalitätengruppe unter den im Ausland geborenen Bürgern der Vereinigten Staaten, und doch sind heute nur vergleichsweise wenige Anzeichen der einst herausragenden deutschamerikanischen politischen und gesellschaftlichen Kraft übriggeblieben. Obwohl auch heute noch mehr Amerikaner auf eine deutsche Herkunft zurückblicken können als auf irgendeine andere Nationalität, würde man niemals erraten, dass sie mehr als ein kleines Grüppchen aus einem Drittweltland sind. Es gibt keinen national anerkannten deutschen Feiertag vergleichbar dem irischen St. Patrick’s Day oder dem italienischen Columbus Day. Es gibt keine nennenswerten “German towns” in unseren Städten oder unserem Land. Wir hören nicht, wie kleine Grüppchen von Menschen im Einkaufszentrum deutsch miteinander sprechen. Es gibt keine deutschen Schnellrestaurants, in denen Fünfminuten-Zwiebelkuchen  im Straßenverkauf angeboten wird… tatsächlich kämpfen alle deutschen Esslokale ums Überleben, während kleine griechische oder thailändische Restaurants bereitwillige Massen anziehen. In der Tat ist der bedeutende Einfluss, den Deutschamerikaner einst hatten, fast nicht mehr wahrnehmbar.

Es stimmt, dass sich einige ethnisch deutsche Institutionen auch schon in den 1890er Jahren und aus anderen Gründen als dem fanatischen Antigermanismus des Ersten Weltkriegs in einem langsamen Niedergang befanden. Zum einen hat bereits die Gewalttätigkeit des radikalen Nativismus des 19. Jahrhunderts viele Deutschamerikaner geängstigt und dazu gebracht, ihre Herkunft zu ihrer eigenen Sicherheit und um erfolgreich sein zu können,  rasch abzustreifen.  Dazu kam auch, dass die später angekommenen ärmeren deutschen Einwanderer anstelle ihrer völkischen Identität eine gemeinsame “weiße” Identität annahmen, während sie sich in den überfüllten Wohnblocks der Großstädte mit anderen Volksgruppen vermischten. Gleichzeitig betrachteten die bereits seit langem etablierten deutschen Einwanderer die ärmeren deutschen Neuankömmlinge als gesellschaftlich unter sich stehend. Diese “älteren” Deutschen zogen es vor, als etwas betrachtet zu werden, das man als “Mayflower-Deutsche” bezeichnen könnte, und vermischten sich mit ihren angelsächsischen Gegenstücken, wobei Klasse ein stärkerer Faktor war als Volkszugehörigkeit.

Auch die Kirche spielte eine Rolle beim Niedergang der deutschen Volksidentität, insbesondere die katholische Kirche in Arbeitervierteln, deren Gemeindemitglieder bald auch irische, slawische und italienische Katholiken umfassten. In den 1920er Jahren neigten diese Gemeinden immer mehr dazu, sich zusammenzuschließen, Religionszugehörigkeit wurde wichtiger als Volkszugehörigkeit. Sie sahen mehr das Verbindende einer gemeinsamen weißen, katholischen, europäischen Identität als das einer deutschen, und Eheschließungen zwischen verschiedenen Volksgruppen wurden gängiger. Es gab auch noch andere Faktoren. Mittlerweile wurde  auch der herkömmliche deutsche Alkoholgenuss, der schon seit Jahrzehnten von nichtdeutschen Amerikanern als eindeutig “deutsche” Gewohnheit unter Beschuss geraten war, von Iren, Italienern und anderen geteilt und zu einer gemeinsamen amerikanischen Gewohnheit, die verschiedene Volksgruppen in ihrer Freizeit einander näher brachte. Wenn sie “einen über den Durst getrunken hatten”, sahen sie recht reizvoll füreinander aus, und so fielen eben die Dirndl, Kilts und Fedoras.

Mit der Zeit wurden manche Deutsche auch völkisch umdefiniert. Selbst in einem Staat wie Pennsylvania mit einer großen ländlichen deutschen Bevölkerung wurden Deutsche zu “Pennsylvania-Holländern” anstelle der weniger glamourösen “Pennsylvania-Deutschen”. Nach dem Ersten Weltkrieg wurden Deutsche aus den alten deutschen Volksgebieten, die Deutschland und dem Habsburgerreich durch das Diktat von Versailles entrissen worden waren, nicht mehr als Deutsche bezeichnet sondern als gebürtig “aus Tschechien”, “aus Polen” und “aus Böhmen”.  Das wurde von den meisten Deutschamerikanern, die zu diesem Zeitpunkt nichts mit ihrem deutschen Erbe zu tun haben wollten, nicht nur akzeptiert sondern sogar bevorzugt.

Andere weiße europäische Volksidentitäten schwanden im frühen 20. Jahrhundert auch dahin, aber keine in einer so gewalttätigen Art, die Menschen dazu zwang, ihre Namen zu ändern und vorzugeben, von einem anderen Volk abzustammen! Es wäre angenehm, weniger offensichtliche Gründe für den mörderischen Untergang der deutschen kulturellen Identität finden zu können, als der harten, kalten Tatsache ins Angesicht zu blicken, dass der Grund dafür eine heimtückische, vorsätzliche Vergiftung war.

Soziologen versuchen hin und wieder, neue Theorien darüber aufzustellen, die in eine andere und leichter verdauliche Richtung weisen. Doch dennoch bleibt die traurige Wahrheit bestehen, dass der zermürbende Standard, der von Propagandisten für den Beweis nationaler Loyalität gesetzt wurde, beinhaltete, dass alle Deutschamerikaner “100 Prozent amerikanisch” zu sein hatten, und dass diese antideutsche Attacke es nicht nur während des Krieges praktisch unmöglich machte, deutsche Volkszugehörigkeit öffentlich zu zeigen, sondern auch danach damit weiterging, dass Deutschsein mehr und mehr zu etwas Abstoßendem wurde, bis es schließlich im Nichts versickerte.

Das einzige ausschlaggebende Element, das unter der großen Vielzahl von Deutschen – Deutschen im Heimatland, ethnischen Deutschen und Deutschamerikanern – noch eine gemeinsame kulturelle Identität aufrechterhielt, war die deutsche Sprache, und als dieses Band durch die vorsätzlichen und andauernden Attacken auf die deutsche Sprache in den Kriegsjahren auch noch tödlich verletzt worden war, gab es keine Hoffnung auf kulturelle Wiederauferstehung mehr. Es gab keine deutschen Lokalblätter voller geschwätzigem Klatsch und Tratsch mehr. Die deutschsprachige Abteilung der örtlichen Bücherei war verschwunden. Kirchen boten keine deutschsprachigen Gottesdienste mehr an. In den Schulen gab es keinen Deutschunterricht mehr. Tausende von deutschen Büchern waren vernichtet worden. Alles andere Deutsche war ebenfalls dahin. Das gute deutsche Lebensmittelgeschäft an der Ecke wurde abgerissen. Die Biergärten, Turnvereine, Liederkränze, Schützenvereine… alle verschwanden von einem Augenblick zum anderen.

Deutschamerikanische Kulturikonen, die Jahrzehnte lang dem Herzen eines Volkes nahe und lieb gewesen waren, waren tot – zusammen mit der Familienbibel, den Generationen alten Wiegenliedern, den von Großeltern weitergegebenen Volkssagen und manchmal sogar den Familiennamen.

Was geschieht mit einer Kultur, wenn die Sprache nicht mehr gesprochen wird, wenn die mündlich überlieferte Geschichte und die Sagen vergessen sind, wenn die typischen Gerichte nicht mehr gegessen und die Trachten nicht mehr getragen werden, wenn die traditionelle Musik verstummt, die Volkstänze verloren gehen und die Familiengeschichte ausrangiert wird? Was geschieht, wenn das Erbe so gründlich ausgelöscht wird, dass keine Erinnerung an die Vergangenheit mehr da ist, kein Wissen mehr über die lange Geschichte, wenn nichts von dem Vertrauten in der Umgebung Teil dieses Erbes ist? Schlimmer noch – was geschieht, wenn die einzige Bezugnahme zu dieser Kultur negativ, erniedrigend, beschimpfend oder obszön ist?

Keine andere Gruppe von Einwanderern musste erleben, dass ihr Erbe so gründlich in den Dreck gezogen wurde, und keine andere litt unter einem dermaßen anhaltenden Druck, ihre ganze völkische Identität zu Gunsten einer “amerikanischen” abzulegen. Und auch keine andere Volksgruppe wies in dem Ausmaß die eigene völkische Identität zurück, versteckte und missachtete sie wie es die Deutschen taten. Allerdings führte diese Herabwürdigung einer sogenannten ethnischen “Bindestrich”-Zugehörigkeit, während sie ursprünglich nur gegen Deutsche gerichtet war, tatsächlich dann nicht nur zur Abschaffung des Deutsch-Amerikanismus, sondern auch zur Abschaffung aller unserer verschiedenen eruopäisch-amerikanischen Kulturen, bis es dann vor kurzem wieder modern wurde, den “Multikulturalismus” zu begrüßen, soweit er sich auf Neueinwanderer und Minderheiten bezieht. Doch da war es schon längst zu spät für die Wiederkehr irgendeiner eigenständigen europäisch-amerikanischen Kultur, und selbst wenn die Wiederentdeckung einer europäischen Identität für andere Volksgruppen akzeptabel oder schick werden sollte, würde es für Deutsche dennoch immer ein Tabu bleiben. Es wird wahrscheinlich niemals wieder etwas geben wie einen gesellschaftlich akzeptierten stolzen Deutschen.

Selbst heute noch konzentrieren sich unsere Medien bei der spärlichen Aufmerksamkeit, die sie irgendetwas Deutschem überhaupt zuteil werden lassen, fast vollständig auf eine negative Perspektive bis hin zu dem Punkt, an dem bereits das Wort “deutsch” synonym für “schlecht” gebraucht wird. Große Deutsche aus der Geschichte werden kaum erwähnt und ihre Leistungen werden ignoriert, unterschlagen oder kleingeredet. Wir sind im öffentlichen Fernsehen Hunderten von überholten britischen Fernsehserien und Sitcoms ausgesetzt, die eine Obsession mit “bösen Deutschen” pflegen. Die Medien wiederholen unablässig negative deutsche Stereotypen, die in jedem anderen Fall als hochgradig deplaziert betrachtet werden würden, angefangen von Spötteleien über den deutschen Akzent bis hin zu Werbespots, in denen fette Deutsche für Käse jodeln. Die Akzeptanz dieses Verhaltens durchdringt auch heute noch das Alltagsleben. Wenn zum Beispiel Besucher in Schulen den Kindern von den von “Nazis” verübten Gräueln erzählen, bezeichnen sie die Bösewichter fast immer als “Deutsche” und vergiften damit eine weitere Generation.

Das muss ein Ende haben, und dies hier ist die Geschichte, wie es begann.

Die Geburt des “Hunnen”: Die Propagandisten

“Wird es nach dem Krieg irgendjemanden wundern, wenn Leute aus aller Welt, wenn sie irgendeinen Menschen als deutsch erkannt haben, ihm ausweichen, damit sie ihn nicht beim Vorübergehen berühren, oder sich nach Steinen bücken, um ihn aus dem Weg zu scheuchen?” prahlte Vernon Kellogg nachdem er seinen Teil für die Kriegstreiber beigetragen hatte.

1917 engagierten sich über vierzig Friedensgruppen in den USA gegen den Kriegseintritt.  An dem Tag, an dem Wilson den Kongress dazu aufrief, den Krieg zu erklären, demonstrierten 10.000 Menschen im Chicago Coliseum [Anm. d.Ü.: ein Stadion], Tausende von Deutschamerikanern forderten ein nationales Referendum und 1.500 Pazifisten protestierten vor dem Kapitol. Der Bürgerkriegsveteran Isaac R. Sherwood machte eine erfolglose Eingabe an den Kongress, in der er an Englands Angriff auf die USA während des Bürgerkriegs erinnerte. Er warnte, dass das amerikanische Volk im Begriff sei “als Verbündeter der einzigen Nation in Europa, die immer unser Feind gewesen ist, und gegen die Nation, die immer unser Freund gewesen ist,” in den Krieg zu ziehen.

Wilson forderte den Kongress auf, etwas anzunehmen, was später in seiner Rede vom 2. April 1917 zum Espionage Act werden sollte, als er dazu aufrief, Deutschland den Krieg zu erklären. Wilson und seine Verbündeten waren genötigt, die Öffentlichkeit “kriegswillig” zu machen. Sie sollte der Regierung blind ergeben sein und wahrer “Patriotismus” sollte absolute Loyalität gegenüber Wilson bedeuten. Jegliche Kritik daran sollte als Verrat betrachtet werden.

Die Kriegserklärung war überwältigend. Inmitten von Fahnenschwingen, Jubel und Reden stimmten nur sechs Senatoren und fünfzig Mitglieder des Repräsentantenhauses dagegen. Der Senat brachte allerdings Wilsons Forderung, ihm die Befugnis zur Einschränkung der Pressefreiheit zu geben, zu Fall. Er fand jedoch Wege, dieses Hindernis zu umgehen.

Wilson hatte seine Wahl als Friedenskandidat mit dem Wahlspruch “Er hat uns aus dem Krieg rausgehalten” gewonnen, aber knickte so schnell gegenüber dem Lager der Kriegsbefürworter ein, dass Gerüchte aufkamen, er sei erpresst worden. Um das Gesicht zu wahren, war es von entscheidender Bedeutung, schnell Kriegsbegeisterung aufzupeitschen. Er wandte sich dazu an einen alten Freund, den Sensationsjournalisten George Creel, mit der Aufgabe, einem Propagandaministerium vorzustehen, dem ersten seiner Art. Das Center on  Public Information (C.P.I.) wurde eine Woche nach der US-Kriegserklärung auf Anordnung des Präsidenten hin geschaffen.

In einer Zeit, als große Teile der Bevölkerung nicht gut (oder überhaupt nicht) lesen konnten, und es noch kein Radio und Fernsehen gab, auf die man zur Informationsverbreitung hätte zurückgreifen können, nutzte das CPI jede verfügbare Waffe, um ihre Botschaft zu verbreiten, um – wie Creel es später ausdrücken sollte – “das amerikanische Volk in eine weißglühende Masse (des Hasses) aus Brüderlichkeit, Hingabe, Tapferkeit und todesverachtender Entschlossenheit” zu verwandeln. Das CPI wuchs schnell zu einer gewaltigen Behörde, die sich in fast jeden Aspekt des täglichen Lebens einmischte und später als Zensor aller Veröffentlichungen über den Krieg fungierte. Es beteiligte sich an der Gesetzgebung wie zum Beispiel dem Espionage Act und dem Sedition Act, die jegliche Opposition gegen den Krieg wirksam zum Verstummen brachten. Wie eine Geheimpolizei baute es eine Atmosphäre auf, die im Prozess der Kriegstreiberei mit der Erfindung des deutschen Erzbösewichtes vorsätzlich Argwohn und Angst sowie ethnischen Hass und Gewalt schürte.

Das Creel-Kommittee war jedoch nicht ausschließlich dafür verantwortlich, eine neutrale amerikanische Öffentlichkeit in einen hunnenverfolgenden Mob zu verwandeln. Die Räder waren schon zuvor von einer speziellen Interessengruppe in Bewegung gesetzt worden, die finanzielle Interessen an einer Kriegsbeteiligung hatte. Nicholas Murray Butlers Carnegie Endowment for International Peace [Anm.: d..Ü.: gibt es immer noch!]hatte die Kriegslust schon seit Monaten aufgepeitscht und viele bekannte Gemeinde- und Geschäftsgrößen in den USA waren von Anfang an Pro-Alliierte gewesen. Ein “Kriegssabbat” hatte auf Geheiß wohlhabender Spender bereits in einigen der großen Gotteshäuser des Landes die Kriegstrommel geschlagen.

George Creel war der zivile Vorsitzende des CPI. Außenminister Robert Lansing, Kriegsminister Newton Baker und Marineminister Josephus Daniels krönten das Kommittee mit ihrer Mitgliedschaft. Das CPI hatte zwei Sektionen: Die Auslandssektion, die damit befasst war, amerikanische Propaganda-Aktivitäten in Übersee zu koordinieren und in über dreißig Ländern Filialen einrichtete, und die Inlandssektion, die aus in Größe und Vielfalt ständig wechselnden spezialisierten Abteilungen zur Mobilisierung der Heimatfront bestand.

George Creel

Der nur 1,70 m große CPI-Chef George Creel war ein hässlicher, mittelmäßiger Publizist und Woodrow Wilsons persönlicher Freund. Creel spielte den Unterhalter für Wilson, dem nachgesagt wird, er habe bei Creels Parodien der Mimik alter Südstaatler und stockkonservativer Yankees aus dem Kongress vergnügt in die Hände geklatscht.  Als absolut loyaler Parteisoldat machte er sich mit Eifer an seine neue Aufgabe. Er organisierte die Inlandssektion des CPI in neunzehn Untersektionen, von denen jede eine andere Zielgruppe ansprechen sollte. Indem sie  Verkaufsspezialisten und Psychologen einsetzten, fluteten sie jeden erdenklichen Kommunikationskanal, um Kriegslust hervorzurufen, wobei sie in unverfrorener Weise Unwahrheiten verbreiteten.

Durch die Rekrutiereung respektabler Persönlichkeiten wie John Dewey und Walter Lippmann unter den Fittichen der “Abteilung für zivile und bildungspolitische Zusammenarbeit” des CPI erlangten sie Glaubwürdigkeit. Diese Gelehrtentruppe produzierte unter der Führung von Guy Stanton Ford Hunderte von Publikationen und Schriften wie ‘The German Whisper‘, ‘German War Practices’ and ‘Conquest and Kultur‘.

Die ‘Amerikanische Allianz für Arbeiterschaft und Demokratie’ unter Samuel Gompers von der Amerikanischen Föderation der Arbeiterschaft stimmten bereitwillig zu, in den Gewerkschaften im Zusammenhang mit den Kriegsbemühungen für Frieden zu  sorgen, was später in Regierungsgewalt gegenüber streikenden Arbeitern ausuferte. [Anm.:d.Ü.: Die Arbeiterschaft war mehrheitlich gegen den Kriegseintritt]. Das CPI drang tief in alle verfügbaren Wege zur Gehirnwäsche ein, und zwar mit einer Gruppe gewandter Psychologen unter der Führung von Sigmund Freuds Neffen, Edward Bernays. Sie machten sich daran, die Öffentlichkeit mittels gut erforschter psychologischer Taktiken zu indoktrinieren, bis das amerikanische Alltagsleben hassgetränkt war, und die Menschen dazu konditioniert, alles Deutsche automatisch zu verabscheuen und zu hassen.

Die ‘Abteilung für Bilder-Publicity’, der Charles Dana Gibson vorstand, wurde am 17. April 1917 zu dem Zweck gegründet, sich mit den gedruckten Medien zu befassen, insbesondere mit Plakaten, Illustrationen und Anzeigen in Zeitungen und Zeitschriften, von denen kostenloser Werbeplatz zur Verfügung gestellt wurde. Respektierte und talentierte Künstler wie zum Beispiel N.C Wyeth wurden gebeten, ihre Kreativität für die Rekrutierung zu einem brutalen und blutigen Krieg zu kanalisieren. Sie produzierten viele riesige patriotische Gemälde. James Montgomery Flagg ersann den berühmten ‘Uncle Sam’. George Bellows trug auch zu den unersättlichen Bemühungen bei, die Bürger zu überzeugen, dass Deutschland drohe, unschuldigen Amerikanern etwas aufzuzwingen, was er als “barbarische und blutrünstige Kultur” bezeichnete.

The Four Minute Men‘, ein weiterer Tentakel des CPI verwaltete 75.000 freiwillige Redner in 5.200 Gemeinden. Die Amateurredner sprachen, wo immer es ihnen möglich war, sogar in Kirchen. Über 7,5 Millionen Reden, die Hass, Angst und Misstrauen gegenüber Deutschland und Deutschen schürten, wurden gehalten, Tausende davon hatten eine derartig verheerende Wirkung, dass sich danach der Pöbel zusammenrottete und deutschamerikanische Wohn- und Geschäftshäuser verwüstete.

Indem sie unterschwellige Botschaften nutzten, die mit denen von heutigen Einzelhandelsgiganten konkurrieren könnten, heuerten die Four Minute Men auch zweisprachige Redner an, um ganz bestimmte Gruppen von Einwanderern anzusprechen, Geschäftsleute um unter anderen Geschäftsleuten Unterstützer zu gewinnen, Bauern, um den Krieg an Bauern zu verkaufen, und Kinder, um den Hass unter anderen Kindern zu verbreiten.

Das CPI arbeitete in Abstimmung mit dem Food Bureau und bildete starke Allianzen mit Herausgebern von Frauenzeitschriften, insbesondere mit Edward Bok, einem loyalen Unterstützer Wilsons und Herausgeber des Ladies Home Journals. Die patriotischen und sentimentalen Titelblätter des Journals umhüllten Anzeigen, Bildseiten und rührselige Artikel, in denen Opferbereitschaft, Sparsamkeit und das Bestreben, eigene Söhne in den Krieg zu schicken, gepriesen wurden. Jede Ausgabe des Journals veröffentlichte mindestens einen Artikel, der von CPI-Mitarbeitern speziell dafür geschrieben worden war.

Die Four Minute Men bauten auch eine Frauensektion auf, um Reden vor Frauengruppen und auf Matinees zu halten, um Anitkriegsstimmungen wie sie in dem bekannten Vorkriegslied “I Didn’t Raise My Boy to Be a Soldier” zum Ausdruck kamen, entgegen zu wirken. Boks Frauenbild spiegelte das des CPI und hatte dasselbe Ziel: reformerische Frauen zu diskreditieren und sie als Opfer deutscher Propaganda darzustellen. Einige Pazifistinnen wurden auch zum Ziel von Gewalttätigkeiten. Die Saturday Evening Post, eine der größten Zeitschriften Amerikas verkündete, dass die Zeit gekommen sei, dass Amerika sich der Deutschen, “dem Abschaum des Schmelztiegels” entledige.

Amerikanischen Frauen wurde nicht erzählt, wie sehr sich die Lebensbedingungen innerhalb Deutschlands seit 1915 verschlechtert hatten, nachdem das tödliche britische Embargo einen Versorgungsengpass für Nahrungsmittel verursacht hatte. Nachdem die Diät in Deutschland anfangs aus Brot und Kartoffeln bestanden hatte, wurden 1916, als es eine Kartoffelmissernte gab, Steckrüben zum Grundnahrungsmittel. Milch wurde nur den ganz Jungen und ganz Alten sowie Invaliden und werdenden Müttern zugeteilt. 1915 verhungerten 88.232 Deutsche, 1916 waren es 121.114 und die Zahl stieg weiter an.

Die Propagandisten schämten sich nicht einmal, Kinder dafür zu benutzen, ihre Botschaft zu verbreiten, und die CPI-Psychologen leisteten ganze Arbeit: amerikanische Kinder hatten Todesangst vor dem Hunnen. Tatsächlich wurden Kinder von den Four Minute Men als Redner in ihren Schulen rekrutiert. 1918 nahmen 200.000 Schulen an einem Wettbewerb zur Bewerbung der Third Liberty Anleihe teil. Die “Sektion für zivile und bildungspolitische Zusammenarbeit” veröffentlichte ein zweimonatlich erscheinendes Mitteilungsblatt, in dem für Patriotismus geworben wurde.

Die Tatsache, dass die Briten die unterseeischen Kabel gekappt hatten, die Deutschland direkt mit den USA verbanden, bewirkte im Zusammenspiel mit der britischen Blockade Deutschlands, dass der Zugang zu deutschen Nachrichten und Büchern schwierig wurde. Amerikanische Zeitungen waren, was Kriegsberichterstattung anging, fast vollständig abhängig von britischen Quellen, und Großbritannien schickte kistenweise Prokriegspamphlete und -bücher an öffentliche Bibliotheken quer durch Amerika. Das ermöglichte es dem CPI, das System öffentlicher Bibliotheken im Würgegriff zu halten, und sie nährten den Gedanken, dass es die Pflicht von Bibliothekaren sei, ihre Kunden vor möglicherweise “illoyalem” Material zu schützen. Nur wenige widersetzten sich.

Das öffentliche Bibliothekssystem in Amerika war in jener Zeit weitgehend eine Instiution der Mittel- und Oberklasse und wurde eher wie ein Privatclub betrieben, der sich an einen Kundenkreis aus hauptsächlich gehobenen weißen Angestellten und Geschäftsleuten wandte. Insbesondere als ihre größten Wohltäter und besten Kunden finanzielle Eigeninteressen an einem Sieg der Alliierten hatten, wurden Bibliothekare zu willigen Propagandalieferanten. Bücherspenden, die als “pro deutsch” oder pazifistisch betrachtet wurden, wurden ausrangiert und mit den Pamphleten des Creel Kommittees ersetzt, in denen hochrespektable Professoren die deutsche Geschichte umschrieben und krass verfälschten.

Überall im Land “verließen sich” Bibliotheksdirektoren “auf ihr Urteilsvermögen”, um die Regale von deutschen Büchern zu säubern, einschließlich derer von Goethe und anderer deutscher Kulturikonen. Die Bibliotheken wurden vom CPI auch dazu benutzt, Registrationskarten für Tausende von Neueinwanderern auszulegen, die unterschrieben an die CPI “Sektion für die Arbeit mit im Ausland Geborenen” zurückgesandt werden konnten. In größeren Städten sponserten Bibliotheken auch “Erzählstunden” für Tausende von Kindern über den Kampf der Allierten, wozu sie CPI-Material benutzten.

Die Free Library of Philadelphia gab beispielsweise bekannt, dass sie in der zweiten Hälfte des Jahres 1917 in 918 Erzählstunden 56.912 Kindern “Geschichten unserer Verbündeten” erzählt hatte. Bibliotheken veranstalteten auch Publicity-Aktionen: Die Schauspielerin Theda Bara erzielte in einem Stand für Liberty Anleihen vor der New York Public Library 300.000 Dollar an einem einzigen Tag.

Andere CPI-Pro-Kriegs-Aktionen bestanden darin, dass herumreisende “französische Offiziere” Schauergeschichten über deutsche Gräueltaten erzählten.

Im Wissen, dass ein Großteil der Amerikaner nur die Comics aber nicht den Rest der Zeitung liest, baute das CPI unter George Hecht ein “Cartoonbüro” auf, um die “verstreute Comicbranche des Landes zu mobilisieren und ihre Arbeit auf konstruktive Kriegsarbeit zu lenken.” Antideutsche Prokriegspropaganda wurde  von den strikt überwachten Hasskritzlern quer durch die Nation in Comicseiten und -beilagen eingepflanzt.   Die Witzseiten zeigten fette, verräterische Deutschamerikaner, die eine US-Flagge aus dem Fenster schwenkten, während sie einen Krug Bier tranken und dabei “Hoch der Kaiser” prosteten. Lüsternen, gierigen, gewalttätigen “Deutschen” wuchsen Schnauzen, Stoßzähne, haarige Gesichter, rote Augen und Vampirzähne und sie schändeten Jungfrauen und mordeten Babys.

Die amerikanischen Medien fanden heraus, dass umso mehr Zeitschriften und Zeitungen verkauft werden konnten, je schauerlicher und sensationeller die Geschichten waren. In einem typischen CPI-Buch “Why America Fights Germany”  dringen Deutsche nach Amerika ein und rücken nach Lakewood, New Jersey, vor, wo sie Bier und Geld (und vielleicht sogar Würste!)  fordern und eine schwache Greisin hängen, die versucht, ihre spärlichen 20 Dollar Ersparnisse zu verstecken. Den jungfräulichen Schullehrerinnen der Stadt ist in den Händen der Hunnen – Raubtiere für die Tugendhaften, die sie sind – ein noch schlimmeres Schicksal beschieden, und ein katholischer Priester und methodistischer Pfarrer werden in einen Schweinestall gesperrt, während die deutschen Soldaten lachen. Dann werden 50 führende Bürger aufgereiht und erschossen. Dann brennen die schmutzigen, sexbesessenen, gorillagesichtigen “Deutschen” das hübsche Städtchen nieder und ziehen weiter, um das nächste zu verwüsten.

Eine der 19 Inlandssektionen des CPI konzentrierte seine Bemühungen auf Musik und heuerte Tausende von Liedermachern an. Regierungskomponisten waren nur als “Army Song Leaders” bekannt. Die meisten versuchten, eine ethnisch vielfältige USA (die in Wahrheit Rassentrennung in ihren Truppen praktizierte!) darzustellen, die gegen die arrogante, hochmütige “deutsche Rasse” in den Krieg zog.

Sie tränkten die Musik mit antideutschen Texten und Bildern und paarten auf Notenblättern grotesk aussehende Deutsche mit Prokriegsbotschaften. Die Tin Pan Alley produzierte über hundert Anti-Kaiser-Lieder, wie zum Beispiel das fröhliche Liedchen “We Are Out for the Scalp of Mister Kaiser”.

Gleich am Tag nach Wilsons Kriegserklärung gegen Deutschland vom 16. April 1917, hatte George M. Cohan “Over There” fertig, eines der erfolgreichsten amerikanischen Propagandalieder, für das Cohan später eine spezielle Medal of Honor vom Kongress bekam. Irving Berlin spielte eine gigantische Rolle in der Kriegspropaganda. Sogar John Philip Sousa lieferte mit seiner Musik (die oft auf deutschen Liedern und Märschen beruhte) bei Werbeveranstaltungen für Liberty Anleihen und das Rote Kreuz patriotische Inspirationen.

Deutschsprachige Publikationen in den USA sahen sich jetzt großangelegten Attacken ausgesetzt. Der Atlantic Monthly beschuldigte die deutschsprachige Presse der Illoyalität und die New York Times stimmte ein und behauptete unablässig, deutschsprachige Zeitungen würden in hinterhältiger Weise Berlin unterstützen. Die Times, die behauptete, “jedes Buch, das aus einer deutschen Druckmaschine kommt, ist verdächtig”, setzte alle Veröffentlichungen aus Deutschland ab, weil “die deutsche Mikrobe sich irgendwo zwischen den Buchdeckeln versteckt”.

Der Verleger Irving Putnam gelobte: “Ich bin dagegen, die amerikanischen Märkte innerhalb der nächsten 25 Jahre für Waren aus Deutschland zu öffnen, und ich werde in der besagte Zeitspanne wissentlich keine aus Deutschland kommenden Waren kaufen oder benutzen.”

Im September 1917 schmuggelte der Kongress eine Nebenklausel in ein in keinem Zusammenhang dazu stehendes Gesetz, das der Regierung noch weitreichendere Kontrolle über die Meinungsäußerung von Deutschamerikanern gab, und Wilson unterzeichnete es am 6. Oktober. Deutschsprachige Zeitungen waren von da an verpflichtet, der Post englische Übersetzungen von “allen Kommentaren zu der Regierung der Vereinigten Staaten… ihrer Politik, ihrer internationalen Beziehungen oder den Stand des Krieges und die Kriegsführung” zu liefern. Einer der schlimmsten Missbraucher des Rechts auf Privatsphäre war der Postminister General Albert Burleson, der seine weitreichenden Befugnisse dazu missbrauchte, vielen sozialistischen, pazifistischen und Antikriegs-Publikationen den Zugang zur US-Post zu verweigern.

Ende 1917 sandte das CPI jeder Zeitung in Kalifornien durchschnittlich sechs Pfund Propagandapapier pro Tag und sprudelte über 20.000 Kolumnen pro Woche aus. Zweitklassige Künstler, Autoren und Journalisten hatten jetzt die Chance, mit dem Schreiben von Gräuelgeschichten zu schnellem Ruhm (oder zumindest an einen bezahlten Job) zu kommen.

John R. Rathom schrieb im Providence Journal Artikel und Spionagegeschichten, die so sensationell waren, dass gemunkelt wurde, er würde vom britischen Geheimdienst unterrichtet. Er gab auch zahlreiche Vorlesungen, führte 1917/1918 eine Kampagne gegen “Deutschensympathisanten” und enthüllte deutsche Spionageakte in Amerika. 1918 kam der Verdacht auf, dass seine Artikel Fälschungen seien, und 1920 wurde er wegen Falschmeldungen angeklagt, was er widerstrebend eingestand. Er wurde schlussendlich diskreditiert, aber nicht bevor eine “Rathomania” beträchtlichen Erfolg dabei gehabt hatte, die öffentliche Meinung zu formen.

Andere Medienlügen, die 1918 zirkulierten, beinhalteten: Deutsche Flugzeuge, die vergiftete Süßigkeiten für Kinder abwerfen, Deutsche, die belgische Nonnen vergewaltigen, dem Feind die Ohren abschneiden und Amerikanern Tuberkelbazillen ins Essen geben. In St. Louis, Missouri berichteten Zeitungen, dass die Deutschen Kindern Handgranaten zum Spielen geben und dann vergnügt Possen rissen, wenn die Granaten explodierten und die Kinder in die Luft sprengten. Mehrere patriotische Zeitungen begannen damit, schwarze Listen von örtlichen Deutschamerikanern (einschließlich ihrer Adressen) zu drucken, die mit “German Enemy Aliens” überschrieben waren.

Obwohl selbst General Pershing und das US-Kriegsministerium die absurden Gräuelmärchen als absolut falsch entlarvten, wurden viele exakt derselben Geschichten als Basis für die Kriegspropagandafilme benutzt, die den Segen von Wilson höchstselbst hatten: Die Filmsektion des CPI produzierte in Eigenregie über sechzig offizielle Spielfilme, die wöchentlich einem Publikum von durchschnittlich 80 Millionen Menschen  gezeigt wurden, und der Kinotag endete mit der Wochenschau des “Offiziellen Kriegsberichts”.

Innerhalb weniger kurzer Monate wurde das Jahrhunderte alte im allgemeinen gute öffentliche Bild des deutschen Volkes von Propagandisten, die an dieser sorgfältig strukturierten, diabolischen Aufgabe auf beiden Seiten des Ozeans arbeiteten, vollständig auf den Kopf gestellt.

Es ist möglich,
daß der Deutsche doch einmal
von der Weltbühne verschwindet,
denn er hat alle Eigenschaften,
sich den Himmel zu erwerben,
aber keine einzige,
sich auf Erden zu behaupten
 und alle Nationen hassen ihn,
wie die Bösen den Guten.
Wenn es ihnen aber wirklich einmal gelingt,
ihn zu verdrängen,
wird ein Zustand entstehen,
 in dem sie ihn wieder mit den Nägeln
aus dem Grabe kratzen mögten.
1813 – 1863

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